Kolumnist: Ralf Flierl

Perspektive positiv




20.07.23 16:36
Ralf Flierl

Kurse steigen, Marktbreite nimmt zu


 


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Titelbild: © Maria Vonotna – stock.adobe.com


 


Die gehasste Rally 


 


Den marktbreiten US-Index S&P 500 darf der Aktienanleger durchaus als Weltkonjunkturanzeiger begreifen, und die Konjunktur läuft offensichtlich besser, als die Mehrheit der Anleger bisher dachte. Der Trend, den der S&P 500 zeigt, ist jedenfalls geradezu brutal. Im Chart wird dies eindrücklich dokumentiert: Seit Mitte Oktober 2022 steigt der Index. 

Es dürfte sich um eine der bestgehassten Rallys der letzten Jahre handeln. Denn die Anleger sind aus der Übung. Schließlich ging es in den Monaten zuvor beständig nach unten mit den Kursen. Was die Aktienanleger auch anstellten, es schien falsch zu sein und die Gewinne zerbröselten. Also zogen die Anleger sich zurück. Ausgerechnet da drehte der Markt und begann zu steigen, baute noch zwei Pirouetten ein, um maximal zu täuschen und zu verunsichern: Erst die Schwäche in der zweiten Dezemberhälfte, dann nochmal im Februar/März. Im Anschluss surrte der Fahrstuhl nach oben, aber nur wenige waren eingestiegen. Wer im Erdgeschoss stehen geblieben war, begann zu leiden und hatte allerlei Erklärungen parat, warum das alles nicht richtig und vor allem nicht nachhaltig sein konnte, ja durfte. 


 


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Ein wesentliches Argument, das auch nicht von der Hand zu weisen war, ist die fehlende Marktbreite. Der Anstieg des Index war vor allem auf einige wenige Big-Tech-Unternehmen zurückzuführen: Meta, Microsoft, Nvidia, Alphabet, usw. Die kleinen und mittelgroßen Unternehmen, die hingen und hinkten hinterher. Von der Rally spürte man dort wenig bis nichts. Die Analyse war zwar richtig, aber die Schlussfolgerung, deshalb an der Seitenlinie zu bleiben, war falsch. Profitieren konnten vor allem jene Anleger, die beherzt auf die Big-Techs setzten, während jene, die auf Nachzügler setzten, lange Zeit fast leer ausgingen. Nun könnte es einfacher werden. Seit Anfang des Monats signalisieren die Marktdaten, dass die Kurse von immer mehr Unternehmen steigen. Die Bewegung wird breiter – und damit vielleicht auch langsamer?! Aber ein Aktienmarkt, der schnell steigt, dies in voller Breite tut und dann auch noch spektakuläre Höhen erklimmt, das wäre wohl zu viel verlangt. Die Börse spiegelt Markterwartungen. Ein Wunschkonzert ist sie nicht. Und diese Erwartungen können sich naturgemäß auch wieder eintrüben, denn die Problemlage, insbesondere in der Realwirtschaft, bleibt besorgniserregend. Auch in dieser Rally gilt die Klugheit erfahrener Börsianer: „Handle nicht, was Du glaubst, handle, was Du siehst.“


 


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Eine Evergreen-Aktie 


 


Den Uran-Miner Cameco (WKN: 882017) stellte Smart Investor Magazin bereits in der Mai-Ausgabe vor und gab einen Kauf-Tipp. Anschließend beschäftigte sich auch der Smart Investor Weekly wohlwollend mit dem Unternehmen. Nun, ein Vierteljahr später, ist die Aktie ordentlich gestiegen, und wir richten unseren Fokus erneut auf das Papier, auch um zu erläutern, warum Aktiengewinne wenig mit Glück, aber viel mit ein wenig Nachdenken zu tun haben. 

Deutschland mag aus der Atomkraft ausgestiegen sein – der Rest der Welt steigt ein. Der Bedarf an Uran und an Servicedienstleistungen für Atomkraftwerke nimmt zu. Cameco betreibt rund um den Globus Minen, zusätzlich bietet das Unternehmen Wartungsdienstleistungen für Atomkraftwerke an. Kraftwerksbetreiber wissen das zu schätzen. Bei Cameco passt im Moment einfach alles. Ein steigender Bedarf trifft auf einen konkurrenzfähigen Miner mit integriertem Full-Service-Dienst. Das treibt den Börsenkurs, denn Groß- und Kleinanleger kaufen sich ein. In der Folge etablierte sich ein stabiler Aufwärtstrend. 

Um am Cameco-Gewinn zu partizipieren, brauchte es nur die oben gemachten Grundüberlegungen und einen schnellen Blick auf den Trend. Sollte der irgendwann brechen, dann werden Anleger reagieren und ihre Gewinne sichern. Noch ist der Zeitpunkt aber nicht gekommen. Wenn er kommt, sieht man es im Chart. Manchmal kann Börse einfach sein. 


 


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Die schlüpfrige Rakete 


 


Auch die strebsamen Anzugträger von der Wallstreet, die Bilanzen zum Frühstück und Kurse zum Kaffee einnehmen, „verschnabulieren“ in schwachen Minuten – wenn sie glauben, keiner merke es – gern mal einen süßen, ach was, einen geradezu schlüpfrigen Info-Snack … 

Die Macher des stockseriösen Wall Street Journals, dem Leib-und-Magenblatt der Geldstreber von Manhattan, wissen das natürlich — und servieren. Zum Beispiel den Info-Snack von Elon Musk, dem Ausnahmeunternehmer, welcher mit Tesla und PayPal zum reichsten Mann der Erde wurde. Der frönt jetzt ebenso öffentlich wie hemmungslos seiner Vorliebe für Raketen, je länger und dicker sie sind, je höher sie schießen, umso besser. Falcon Super Heavy ist die derzeit höchste und dickste Evolutionsstufe. Doch Musk scheint das alles nicht zu reichen, nun bringt er auch noch seine höchstpersönliche „Rakete“ ins Spiel. Letzten Sonntag twitterte er laut Wall Street Journal: „I propose a literal dick measuring contest.” 

Wir lassen das hier lieber unübersetzt … Es dreht sich um einen … also um einen Raketenvergleich … sozusagen; und zwar mit seinem, also Musks, liebstem Fehdefreund Mark Zuckerberg. Auch der ist ein ziemlich reicher Mann, Gründer und Betreiber von Facebook, an der Börse als Meta notiert, die aktuell die Nase vorn hat. Genüsslich berichtet das Wall Street Journal – da man schon einmal dabei ist – weitere schlüpfrige Witze und derbe Sprüche, die sich Musk in den vergangenen Jahren leistete. Die sorgten zuverlässig für Empörung oder Begeisterung, je nachdem, wo man steht: Endlich ein Firmenlenker, der sich in der aalglatten US-Business-Welt noch traut, authentisch aufzutreten und zu reden, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, während die meisten CEOs mit schmalgepressten Lippen durchs firmenöffentliche Leben huschen und höchstens mal Verlautbarungen verlesen, die von mindestens drei Juristen gegengezeichnet wurden. 


 


Club der klaren Worte


 


Ebenfalls alles andere als stromlinienförmig – wenn auch nicht schlüpfrig –, ging es beim AlphaTrio am vergangenen Wochenende in Königstein im Taunus zu. Moderator Steffen Krug (IfAAM) diskutierte mit der Vizepräsidentin der Österreichischen Nationalbank, Dr. Barbara Kolm, dem Risikoexperten Dr. Markus Krall sowie Bestsellerautor Marc Friedrich. Und obwohl die Runde sich bemühte einige positive Aspekte herauszuarbeiten, wurden einige höchst beunruhigende Entwicklungen rund um den digitalen Euro und eine mögliche neue Währung der BRICS-Staaten skizziert. Für alle, die dieses Highlight verpasst haben, gibt es einen ausführlichen Bericht im neuen Smart Investor 8/2023.


 


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Das Gold und die Zinsentscheidungen


 


Noch in der vergangenen Woche waren wir quasi live dabei, als der Goldpreis die so wichtige Kursmarke von 1.940 USD durchbrochen hatte. Danach ist er innerhalb weniger Tage bis in die Region von 1.980 USD gesprintet. Dies war der höchste Stand seit Ende Mai. Was steckt hinter dieser Bewegung? Ein wichtiger Aspekt: Die Notenbanken möchten sich nicht länger festlegen lassen, was die künftigen Zinsentscheidungen betrifft. Sie machen die Maßnahmen nunmehr stärker vom Kurzfriststatus abhängig. Denn die Inflation konnte schon etwas gedrosselt werden, weshalb man sich nun etwas mehr Flexibilität zutraut. Von der Zielmarke von 2% p.a. ist die Geldentwertung allerdings noch immer meilenweit entfernt. Dennoch reichten solche Formulierungen aber bereits aus, um die Renditen am Anleihenmarkt unter Druck zu bringen und zugleich den Goldpreis anzuregen. Nicht wenige Experten trauen dem Goldpreis aufgrund der aktuellen Gemengelage noch ganz andere Kursdimensionen zu. Ganz so schnell wird das aber nicht gehen, denn schließlich wirken die verschiedensten Faktoren auf die Bewertung ein. Aus diesem Grund sehen wir davon ab, unsere Glaskugel aus dem Archiv hervorzuholen. Mittelfristig weiter bullish ist allerdings auch die Markttechnik nach der erfolgreich abgeschlossenen Konsolidierung. Dass wir Gold grundsätzlich als werterhaltende Beimischung für jedes Depot ansehen, ist ohnehin kein Geheimnis.


 


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Zu den Märkten


 


Über den DAX gibt es in der Berichtswoche eigentlich nur wenig zu berichten. Per Saldo schwankte er nach dem Spurt der Vorwoche relativ unentschlossen in einer engen Handelsspanne zwischen ca. 16.000 und 16.250 Punkten. Der heutige Ausbruchsversuch wurde nach in der Mittwochssitzung vorerst (?) abgeblasen. Auch die Umsatzentwicklung der letzten Tage schreit förmlich „Sommerloch“. Zu größeren Wetten in die eine oder andere Richtung scheinen die Marktteilnehmer aktuell nicht aufgelegt zu sein. Damit verbleibt der DAX erst einmal weiter in der Schiebezone.

Allerdings sollte man im Hinterkopf behalten, dass auf Phasen niedriger Volatilität solche mit heftigen Bewegungen folgen – dies umso mehr, je länger die Richtungslosigkeit zuvor angehalten hat. In welche Richtung der Markt ausbrechen wird, darüber kann man im Moment nur spekulieren. Nach dem letztlich gescheiterten Abwärts-2B (vgl. Smart Investor Weekly vom 12.7.2023) erfolgte auf den kürzeren Zeitebenen eine Trendwende nach oben, die nun ebenfalls gescheitert zu sein scheint. Sollte sich das zum Sitzungsende bestätigen, dürfte der Markt als nächstes tendenziell noch einmal den Spielraum nach unten testen.


Fazit


 


Eine Rally ist eine Rally ist eine Rally – auch, wenn sie von allen gehasst wird.

Ralf Flierl, Frank Sauerland, Ralph Malisch


 








 
 
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Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
105,40 € 104,25 € 1,15 € +1,10% 27.04./08:02
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
CA13321L1085 882017 114,04 € 38,30 €
Werte im Artikel
105,40 plus
+1,10%
-    plus
0,00%
Handelsplatz Letzter Veränderung  Zeit
 
Tradegate (RT)
105,40 € +1,10%  08:02
Düsseldorf 106,40 € +0,57%  24.04.26
Stuttgart 104,70 € +0,43%  07:53
Hamburg 104,55 € -0,67%  08:03
Hannover 104,55 € -0,67%  08:03
AMEX 123,09 $ -0,81%  24.04.26
Frankfurt 104,20 € -0,95%  08:00
Nasdaq 122,19 $ -1,27%  24.04.26
NYSE 122,15 $ -1,37%  24.04.26
München 106,20 € -2,12%  24.04.26
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