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Kolumnist: Ralf Flierl

Der KI-Boom




24.08.23 11:56
Ralf Flierl

Unbegründeter Hype oder Motor des Fortschritts? 


 


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Titelbild: © MichaelVi – stock.adobe.com


 


Zentrum des Hypes


 


Künstliche Intelligenz (KI) ist das Thema in den Handelssälen, bei Analysten und Investoren. Die Finanzexperten von PwC sagen voraus, dass bis zum Ende der 2020er-Jahre rund 16 Bio. USD an zusätzlicher Wertschöpfung entstehen – allein durch die KI-gestützt effizientere Nutzung von Daten. Dazu kommen Möglichkeiten der Qualitäts- und Produktionssteigerung und der Individualisierung mittels KI. 

Im Zentrum des aktuellen KI-Booms steht das US-Technologieunternehmen Nvidia (WKN: 918422). Man kann den Einfluss, den Nvidia auf die Entwicklung der weltweiten Börsenkurse in der ersten Jahreshälfte genommen hat, kaum überschätzen. Das Unternehmen gab Tech-Investoren, die in einer Post-Pandemie-Kursdepression steckten, den Optimismus zurück – und Börse besteht zur Hälfte aus Psychologie, mindestens. 


 


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Zuerst entdeckten die (wieder) aufgeweckten Investoren Nvidia als KI-Schmiede. Im Nvidia Supercomputer DGX GH 200 stecken 256 Grace-Hopper-Superchips. Zu einem Cluster verbunden steht damit eine Rechenleistung von 1 Exaflop zur Verfügung und befeuert professionelle KI-Anwendungen. Der „Tech-Sprech“ sollte klarmachen, dass solche Maschinen und deren Rechenleistung die Fantasie beflügeln, was den Nvidia-Kurs in stratosphärische Höhen trieb. Nach und nach wurden auch andere Big-Tech-Unternehmen als Profiteure des KI-Trends entdeckt. In der Folge zogen die Kurse von Alphabet, Meta, Adobe und Palantir kräftig an. 

Nun aber, am Mittwochabend nach Börsenschluss, kommt die Stunde der Wahrheit: Die Nvidia-Bosse legen die neuen Geschäftszahlen vor und werden einen Ausblick geben. Gerät dieser auch nur einen Tick zu verhalten … Oh, oh, oh. Das könnte ein Desaster werden. Die Kurse sind weit vorausgelaufen. Andererseits dürfte ein möglicher Kursrutsch bald die Schnäppchenjäger auf den Plan rufen, die sind schon lange in Lauerstellung, um endlich ein paar der begehrten Wunderaktien mit deutlichem Abschlag einzusammeln. Denn die KI-Story ist auch morgen noch intakt. Oder aber es kommt ganz anders und der Ausblick gefällt, übertrifft gar die Erwartungen. Das ist zwar kaum vorstellbar, aber passiert das Undenkbare, wäre das exakt der Treibstoff, der eine neue Stufe der Kursrakete zünden könnte. 


 


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BRICS oder nix 


 


Zurzeit treffen sich in Südafrika die Vertreter der BRICS-Staaten. Das Kunstwort BRICS wurde gebildet aus den Anfangsbuchstaben von fünf aufstrebenden Staaten, die wirtschaftlich lange in der zweiten Reihe standen: Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. Der Gipfel ist hochkarätig besetzt; Chinas Präsident Xi Jinping, Brasiliens Oberhaupt Lula da Silva, Südafrikas Cyril Ramaphosa und Indiens Premierminister Narendra Modi werden erwartet. Für Russland hat sich Außenminister Sergej Lawrow angekündigt. Wladimir Putin verzichtet auf ein Erscheinen; wohl um Südafrika diplomatische Verwicklungen zu ersparen. Bekanntlich hat der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag einen Haftbefehl gegen Putin erlassen. 

Das spannendste Thema der Konferenz dürfte ein möglicher Devisen-Coup sein. Die selbstbewussten Fünf lassen nämlich ihre Experten und Währungstechniker sehr laut darüber nachdenken, ob und wie sie eine Konkurrenz zur Weltleitwährung US-Dollar schaffen könnten. Schließlich entfallen nur 10% des Welthandels auf die USA und viele Rohstoffe kommen aus den BRICS-Staaten. Warum sollten die BRICS sich also weiter vom Dollar abhängig machen? Erhöhen die USA beispielsweise die Zinsen, müssen die BRICS nolens volens nachziehen, sonst flieht das Kapital. Verhalten sich einzelne BRICS-Staaten aus Sicht der USA „ungebührlich”, droht ihnen zudem der Ausschluss aus dem US-Dollar-Raum. Gerade nach dem Sanktions-Tsunami gegen Russland gewinnt das Nachdenken über eine Loslösung vom Dollar an Dynamik, besonders in China. Da die möglichen Konfliktfelder zwischen Peking und Washington perspektivisch nicht weniger werden dürften, wird man in China sehr genau beobachtet haben, wie die USA und ihre Verbündeten den US-Dollar und die internationalen Zahlungsverkehrssysteme zu Mitteln der Sanktionspolitik umfunktioniert haben. 

Ein eigener Währungsraum, zudem einer, der mit Gold unterlegt ist, wäre eine Unabhängigkeitserklärung gegenüber der westliche (Währungs-)Welt und deren FIAT-Geldsystemen. Dennoch, so sagen Experten, dürfte vom Gipfel in Südafrika allenfalls ein Anstoß zur „Ent-Dollarisierung” der BRICS ausgehen. Einer der Gründe: Die BRICS begäben sich mit der neu geschaffenen Währung in die Abhängigkeit von China, das mit Abstand die stärkste Volkswirtschaft des Wirtschaftsraums hat. Die neue Währung wäre damit vor allem ein aufgebohrter Renminbi. Gerade Putin, durch seinen Ukraine-Krieg einigermaßen klamm – und eine weitere Umklammerung Chinas fürchtend –, würde das kaum gefallen. Falls Russland, das die Gerüchte zunächst gestreut hatte, bei den Währungsplänen schließlich ausschert, dürfte die Luft erst einmal aus dem Projekt raus sein. Vorerst zumindest. Laut gedacht wird weiter werden, und der nächste Gipfel kommt bestimmt. 


 


Zins-Fantasien 


 


Die Konkurrenzveranstaltung zur BRICS-Show läuft von Donnerstag bis Samstag im malerischen Jackson Hole zu Wyoming (USA). Zum Symposium treffen sich die Notenbanker der Welt, allen voran Fed-Chef Jerome Powell. Ihn, den Herrn des Dollars, darf man unzweifelhaft als mächtigsten Geldmann des Planeten bezeichnen, und auf seine – gewohnt unscharf formulierten – Sätze wird es in Jackson Hole ankommen: Werden die Dollarzinsen eher steigen? Das würde die Aktienkurse belasten. Oder glaubt Powell, die Zinsen dürfen schon bald gesenkt werden? Da käme Jubel bei den Börsianern auf. So oder so, es ist eine der spannendsten Börsenwochen des Jahres.


Der neue Smart Investor kommt!


 


Zur Spannung trägt natürlich auch das Erscheinen des neuen Smart Investor 9/2023 zum Wochenende bei. In unserer Titelgeschichte geht es um „ESG“, drei Buchstaben, welche die Investmentwelt in den letzten Jahren wie kaum etwas anderes geprägt haben. Wir gehen auf Spurensuche. Woher kommt ESG, wer sind die treibenden Kräfte und was bringt es den Anlegern? Natürlich stellen wir auch einige interessante Ökoaktien vor – für ein gutes Gewissen und eine gute Rendite. Ein großes Interview gibt es mit der scheidenden Vizepräsidentin der Oesterreichischen Nationalbank, Prof. Dr. Barbara Kolm. Wie keine Zweite kennt sie die Theorie der Austrians und die Praxis einer Notenbank. Ein Thema, über das immer wieder gestritten wird, ist der Freihandel. Wir zeichnen die Highlights einer lebhaften Diskussion bei den Erfurter Hayek-Tagen nach. In einem Hintergrundbeitrag geht es um die Auswirkungen der demografischen Entwicklung. Die Zeitbombe tickt zwar langsam, aber unaufhaltsam; die Lasten sind enorm. Doch es gibt auch Positives zu berichten, etwa über den Uransektor, der vor einer strahlenden Zukunft steht. Das ist durchaus positiv gemeint, denn dem deutschen Sonderweg schließt sich die Welt erkennbar nicht an. Das und vieles mehr im neuen Smart Investor 9/2023.


 


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Zu den Märkten


 


Noch immer zeigt sich der deutsche Aktienmarkt erstaunlich robust. Nach den drei versagenden Allzeithochs (Abb., graue Dreiecke), mit denen wir uns auch im kommenden Smart Investor 9/2023 in der Rubrik Charttechnik beschäftigen, erfolgte der Verletzung eines weiteren mittelfristigen Aufwärtstrends (schwarze Linie). Dennoch wurde die Steilvorlage für einen nachhaltigen Durchbruch des Bereichs von 15.500 Punkten bislang nicht aufgenommen. Der Markt drehte sogar ziemlich genau auf dem Niveau des letzten Tiefs, was als kleines Zeichen der Stärke angesehen werden kann. Sollte man das Ganze also als eine komplexe Konsolidierung im Aufwärtstrend abtun? Eher nicht, schon gar nicht bevor wir den September überstanden haben. Auf saisonalen Rückenwind dürfen die Börsianer in den nächsten Wochen nämlich nicht hoffen. Bei genauer Betrachtung könnte der DAX aktuell sogar an einer seltenen Umkehrformation arbeiten, dem „Broadening Top“ („sich verbreiternder Gipfel“, rote Linien). Dieses zeichnet sich durch steigende Hochs bei gleichzeitig rückläufigen Tiefs aus. Mit Standardmethoden ist ein solches Chartbild kaum in den Griff zu bekommen, da sowohl nach oben als auch nach unten eine Folge falscher Ausbrüche erzeugt wird. Erst wenn die Trader maximal zermürbt sind, entscheidet sich der Markt dann für eine Richtung, die aufgrund der Gesamtsituation tendenziell nach unten weisen sollte.
  


Fazit


 


Alles schaut auf Nvidia – wir auch. 

Ralf Flierl, Frank Sauerland, Ralph Malisch


 








 
 
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Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
178,66 € 177,62 € 1,04 € +0,59% 27.04./08:29
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
US67066G1040 918422 183,28 € 91,61 €
Werte im Artikel
178,66 plus
+0,59%
-    plus
0,00%
Handelsplatz Letzter Veränderung  Zeit
 
Tradegate (RT)
178,66 € +0,59%  08:29
NYSE 208,26 $ +4,32%  24.04.26
Nasdaq 208,20 $ +4,32%  24.04.26
AMEX 208,22 $ +4,30%  24.04.26
Hamburg 177,30 € +4,04%  24.04.26
München 177,70 € +3,85%  24.04.26
Xetra 178,82 € +3,44%  24.04.26
Hannover 178,50 € +0,44%  08:03
Stuttgart 178,34 € +0,43%  08:10
Düsseldorf 178,34 € +0,38%  08:10
Frankfurt 178,28 € -0,07%  08:01
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