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Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Nach dem COVID-bedingten Markteinbruch des Ölpreises folgte zunächst ein erster Anstieg auf über 120 US-Dollar pro Barrel, anschließend setzte jedoch eine Konsolidierung ein, so Cornel Bruhin, Portfoliomanager im Team Emerging Markets/Corporate Debt bei MainFirst.
Diese Phase könnte bald enden und in eine neue Preissteigerung münden. Die vorrangigen Gründe sehe Bruhin in den USA, wo sich die Ölförderung absehbar verteuere und die Schuldenkrise die Märkte unter Druck setze:
1. Schwindende Produktionsreserven bei Schieferöl
Die unkonventionelle Ölproduktion in den USA, bekannt als "Shale Oil", habe in den vergangenen Jahren maßgeblich zur Stabilisierung der Weltölpreise beigetragen. Viele der besten Fördergebiete schienen aber inzwischen ausgebeutet zu sein. Produzenten müssten zunehmend auf zweit- und drittklassige Felder ausweichen, was zu höheren Förderkosten und schnelleren Erschöpfungsraten führe. Schon heute würden viele Unternehmen zögern, ihre Förderung auszubauen, da die Wirtschaftlichkeit sinke. Damit könnte der Markt auf einen strukturellen Angebotsrückgang zusteuern, was mittelfristig zu steigenden Preisen führen dürfte.
2. Disziplinierte OPEC-Strategie bei gleichzeitig schrumpfenden Reserven
Die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) verhalte sich bislang bemerkenswert diszipliniert: Trotz Diskussionen über ein angebliches Überangebot schöpfe sie ihre möglichen Reservekapazitäten bewusst nicht aus. Gleichzeitig würden sich die weltweiten Rohölvorräte auf dem niedrigsten Stand seit fünf Jahren befinden. Diese OPEC-Strategie aus knappen Beständen und kontrolliertem Angebot stütze die Preise und könnte bei einer anziehenden Nachfrage rasch zu Engpässen führen.
3. Reindustrialisierung und steigende Energienachfrage in den USA
Gehe es nach US-Präsident Donald Trump, solle in den USA schon bald die Reindustrialisierung boomen, getragen von günstiger Energie und politischer Förderung. Besonders stromintensive Branchen und die fortschreitende Digitalisierung, etwa durch den steigenden Strombedarf der Künstlichen Intelligenz, würden die Energienachfrage zusätzlich antreiben. Parallel würden die Exportmengen von Flüssiggas (LNG) steigen, während die inländische Gasproduktion stagniere. Diese Entwicklung verknappe das Angebot auf dem Heimatmarkt, was mittel- bis langfristig auch den Ölpreis in die Höhe treiben dürfte.
3. Parallelen zu den 1970er-Jahren: der drohende Produktionsrückgang
Die aktuelle Situation erinnere an die 1970er-Jahre, als US-Präsident Richard Nixon die Ausweitung der Ölproduktion gefordert habe, doch die Förderung sei trotz intensiver Bohraktivität damals eingebrochen. Damals hätten erschöpfte Lagerstätten und steigende Kosten zu einer anhaltenden Rohstoffpreisrally geführt. Heute würden ähnliche strukturelle Trends darauf hindeuten, dass ein erneuter langfristiger Rückgang der Produktion unvermeidlich sei - mit entsprechenden Auswirkungen auf die Ölpreise weltweit.
4. Das zinspolitische Dilemma der US-Notenbank belaste die Märkte
Während in den 1970er-Jahren die Zinsen wegen höherer Rohstoffpreise gestiegen seien, spreche heute die wirtschaftliche Lage eher für Zinssenkungen. Die hohe US-Staatsverschuldung zwinge das Finanzministerium, laufend neue Käufer für Staatsanleihen zu finden. Zugleich würden schwache Konjunkturdaten Zinssenkungen fordern, obwohl die Inflation für eine restriktive Politik spreche. Kreditausfälle bei Autokrediten und Kreditkarten hätten das Niveau von 2008 erreicht, zudem würden gewerbliche Immobilienkredite in Milliardenhöhe auf den Bankbilanzen lasten. Dieses Spannungsfeld erhöhe die Unsicherheit an den Finanz- und Rohstoffmärkten. (04.06.2025/ac/a/m)
Diese Phase könnte bald enden und in eine neue Preissteigerung münden. Die vorrangigen Gründe sehe Bruhin in den USA, wo sich die Ölförderung absehbar verteuere und die Schuldenkrise die Märkte unter Druck setze:
1. Schwindende Produktionsreserven bei Schieferöl
Die unkonventionelle Ölproduktion in den USA, bekannt als "Shale Oil", habe in den vergangenen Jahren maßgeblich zur Stabilisierung der Weltölpreise beigetragen. Viele der besten Fördergebiete schienen aber inzwischen ausgebeutet zu sein. Produzenten müssten zunehmend auf zweit- und drittklassige Felder ausweichen, was zu höheren Förderkosten und schnelleren Erschöpfungsraten führe. Schon heute würden viele Unternehmen zögern, ihre Förderung auszubauen, da die Wirtschaftlichkeit sinke. Damit könnte der Markt auf einen strukturellen Angebotsrückgang zusteuern, was mittelfristig zu steigenden Preisen führen dürfte.
2. Disziplinierte OPEC-Strategie bei gleichzeitig schrumpfenden Reserven
3. Reindustrialisierung und steigende Energienachfrage in den USA
Gehe es nach US-Präsident Donald Trump, solle in den USA schon bald die Reindustrialisierung boomen, getragen von günstiger Energie und politischer Förderung. Besonders stromintensive Branchen und die fortschreitende Digitalisierung, etwa durch den steigenden Strombedarf der Künstlichen Intelligenz, würden die Energienachfrage zusätzlich antreiben. Parallel würden die Exportmengen von Flüssiggas (LNG) steigen, während die inländische Gasproduktion stagniere. Diese Entwicklung verknappe das Angebot auf dem Heimatmarkt, was mittel- bis langfristig auch den Ölpreis in die Höhe treiben dürfte.
3. Parallelen zu den 1970er-Jahren: der drohende Produktionsrückgang
Die aktuelle Situation erinnere an die 1970er-Jahre, als US-Präsident Richard Nixon die Ausweitung der Ölproduktion gefordert habe, doch die Förderung sei trotz intensiver Bohraktivität damals eingebrochen. Damals hätten erschöpfte Lagerstätten und steigende Kosten zu einer anhaltenden Rohstoffpreisrally geführt. Heute würden ähnliche strukturelle Trends darauf hindeuten, dass ein erneuter langfristiger Rückgang der Produktion unvermeidlich sei - mit entsprechenden Auswirkungen auf die Ölpreise weltweit.
4. Das zinspolitische Dilemma der US-Notenbank belaste die Märkte
Während in den 1970er-Jahren die Zinsen wegen höherer Rohstoffpreise gestiegen seien, spreche heute die wirtschaftliche Lage eher für Zinssenkungen. Die hohe US-Staatsverschuldung zwinge das Finanzministerium, laufend neue Käufer für Staatsanleihen zu finden. Zugleich würden schwache Konjunkturdaten Zinssenkungen fordern, obwohl die Inflation für eine restriktive Politik spreche. Kreditausfälle bei Autokrediten und Kreditkarten hätten das Niveau von 2008 erreicht, zudem würden gewerbliche Immobilienkredite in Milliardenhöhe auf den Bankbilanzen lasten. Dieses Spannungsfeld erhöhe die Unsicherheit an den Finanz- und Rohstoffmärkten. (04.06.2025/ac/a/m)
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