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Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Saudi-Arabien vollzieht eine beispiellose wirtschaftliche Transformation, so die Analysten der Helaba.
Während Öl und Gas mittelfristig die dominanten Sektoren bleiben würden, komme das dynamische Wachstum mittlerweile aus dem Nicht-Ölsektor. An Ressourcen, diesen Weg weiterzugehen, mangele es nicht.
Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 1,07 Billionen US-Dollar sei Saudi-Arabien die mit Abstand größte Volkswirtschaft im Golf-Kooperationsrat. Die Wirtschaft sei geprägt von Öl und Gas (über 70% der Exporterlöse). Dennoch mache das Königreich mit seinen 32 Millionen Einwohnern schnell Fortschritte hinsichtlich der Diversifizierung, vor allem im Rahmen der von Kronprinz Mohammed bin Salman 2016 initiierten "Vision 2030".
Auf der Klimakonferenz "COP 28" in Dubai habe die Staatsführung 2023 ihr Ziel eines "allmählichen Übergangs" weg von fossilen hin zu erneuerbaren Energien bekräftigt. Bis Ende des Jahrzehnts plane Riad, die Hälfte des Elektrizitätsbedarfs durch Solar- und Windenergie zu decken. Auch jenseits der Energiewirtschaft sollten neue Sektoren gefördert werden. So wolle die Regierung eine Rüstungs-, Pharma- und Elektrofahrzeugindustrie aufbauen.
Auch der Tourismus werde in der Vision 2030 als strategischer Sektor identifiziert. Das saudische Tourismusministerium habe für 2023 gemeldet, dass die Zahl der Besucher das Ziel der Vision 2030 von jährlich 100 Millionen überschritten habe. Insbesondere im Inland boome der Tourismussektor. Von den 109,3 Millionen Besuchern seien 81,9 Millionen Inländer gewesen, was angesichts der Bevölkerungszahl nahelege, dass saudische Touristen mehrfach im Jahr verreisten.
Bis 2030 solle die Zahl der ausländischen Gäste 70 Millionen erreichen. Zusammengenommen hätten die Touristen 256 Milliarden Riyal (68 Milliarden US-Dollar) ausgegeben. Damit habe der Sektor 2023 direkt 4,4% zum BIP beigetragen. Daneben solle die Ausrichtung von internationalen Sport- und Business-Veranstaltungen den Tourismus stärken: Das Land werde 2030 die Expo ausrichten und 2034 die Fußball-Weltmeisterschaft.
Mit seinen Diversifizierungsplänen stehe das Königreich teilweise in Konkurrenz zu den Nachbarländern Katar und Vereinigte Arabische Emirate (VAE). Ausländische Unternehmen, die Verträge mit saudischen Staatsunternehmen abschließen wollten, müssten seit diesem Jahr ihren Hauptsitz in der Region im Königreich haben.
Die massiven Investitionen würden vom Public Investment Fund (PIF) gefördert. Zur Gewährleistung langfristiger Finanzierungen hätten die Verantwortlichen die Mittel des Staatsfonds durch die Übertragung von 8% der Anteile der staatlichen Ölgesellschaft Saudi Aramco auf 925 Milliarden US-Dollar erhöht. Damit seien jetzt drei Viertel der Aktiva des PIF im Inland investiert.
Wenngleich der Rohstoffsektor weiterhin die Wirtschaft dominiere, würden die Bemühungen zur Förderung des Nicht-Ölsektors in den vergangenen zehn Jahren deutliche Erfolge zeigen. Zwischen 2014 und 2023 seien die Haushaltseinnahmen jenseits von Öl und Gas von 127 Milliarden Riyal (34 Milliarden US-Dollar) auf 458 Milliarden Riyal (122 Milliarden US-Dollar) gestiegen, während in den Jahrzehnten davor nur eine sehr geringe Steigerung gelungen sei.
Trotz dieser Erfolge seien die BIP-Wachstumsraten zuletzt enttäuschend gewesen. 2023 sei die Wirtschaft um 0,8% geschrumpft, bedingt durch die im April 2023 zur Stützung des Ölpreises beschlossene Förderkürzung der OPEC. Diese habe eine Kontraktion im Ölsektor um 9% bewirkt. Das Wachstum im Nicht-Ölsektor sei etwas geringer ausgefallen als im Vorjahr, habe jedoch mit 3,8% eine wichtige Stütze gebildet. Hervorgestochen hätten Investitionen mit einem Wachstum von 11,5% und der private Konsum mit 5,7%.
Da die Regierung im März 2024 eine freiwillige Verlängerung der Fördermengenkürzung verkündet habe, sei auch für 2024 nur mit einem schwachen Wachstum von 1,5% zu rechnen. Das Wachstum im Nicht-Ölsektor dürfte auf dem Niveau des Vorjahres bleiben. Ab Dezember 2024 sei eine schrittweise Rücknahme der Förderkürzung zu erwarten, weshalb das Wirtschaftswachstum im nächsten Jahr mit rund 5% deutlich stärker ausfallen dürfte.
Bemerkenswert sei, dass die geopolitischen Spannungen in der Region (Gaza, Huthis) bisher kaum Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung gehabt hätten. Die direkten Wirtschaftsbeziehungen zu den Konfliktländern seien gering, der Tourismus habe sich als widerstandsfähig erwiesen und die meisten Tanker mit saudischem Öl würden nicht den Weg durch das Rote Meer nehmen. Lediglich die Auslastung des Hafens in Dschidda, der im vergangenen Jahr 47% des saudischen Seehandels abgewickelt habe, sei spürbar zurückgegangen. Die Verantwortlichen hätten aber frühzeitig gegengesteuert und den Seehandel verstärkt zum Hafen in Dammam am Persischen Golf umgeleitet.
Obwohl China dominiere (16% der saudischen Exporte und 21% der Importe), seien die Handelsbeziehungen des Königreichs gut diversifiziert, mit asiatischen Ländern auf den vorderen Plätzen (Japan, Indien, Südkorea). Im Sicherheitsbereich bestehe eine enge Kooperation mit den USA. Zwar dürfte ein Abkommen über US-Sicherheitsgarantien für Saudi-Arabien vor den US-Wahlen nicht mehr zustande kommen, dennoch habe Washington im August das Verbot von "Offensivwaffen"-Verkäufen in das Land aufgehoben.
Gleichzeitig bemühe sich Riad, seine außenpolitischen Beziehungen zu diversifizieren. Obwohl Saudi-Arabien nicht offiziell Mitglied der BRICS-Gruppe sei, sei das Land mehrfach eingeladen worden, an deren Veranstaltungen teilzunehmen. Für China und Russland wäre es ein großer Erfolg, Riad dazu zu bewegen, sein Öl zunehmend in anderen Währungen (z.B. chinesische Renminbi) zu verkaufen. Auch wenn es mit der chinesischen Seite schon Gespräche über einen solchen Schritt gegeben habe, sei doch davon auszugehen, dass der US-Dollar im saudischen Ölhandel dominant bleiben werde - nicht zuletzt, um den Sicherheitspartner USA nicht zu brüskieren.
Für Deutschland sei Saudi-Arabien nach den VAE der zweitwichtigste Handelspartner im Golf-Kooperationsrat. 2023 seien Waren im Wert von 8,1 Milliarden Euro exportiert und für 2,3 Milliarden Euro importiert worden. Damit entspreche das Außenhandelsvolumen in etwa dem mit Luxemburg oder der Ukraine. Deutschland habe hauptsächlich chemische Erzeugnisse (22,4% der Exporte) exportiert, gefolgt von Kfz und -Teilen (19%) sowie Maschinen (17,3%). Importiert worden seien Erdöl (62,5%), chemische Erzeugnisse (13,4%), Petrochemie (10,4%) und Rohstoffe (ohne Brennstoffe 9,1%). (30.10.2024/ac/a/m)
Während Öl und Gas mittelfristig die dominanten Sektoren bleiben würden, komme das dynamische Wachstum mittlerweile aus dem Nicht-Ölsektor. An Ressourcen, diesen Weg weiterzugehen, mangele es nicht.
Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 1,07 Billionen US-Dollar sei Saudi-Arabien die mit Abstand größte Volkswirtschaft im Golf-Kooperationsrat. Die Wirtschaft sei geprägt von Öl und Gas (über 70% der Exporterlöse). Dennoch mache das Königreich mit seinen 32 Millionen Einwohnern schnell Fortschritte hinsichtlich der Diversifizierung, vor allem im Rahmen der von Kronprinz Mohammed bin Salman 2016 initiierten "Vision 2030".
Auf der Klimakonferenz "COP 28" in Dubai habe die Staatsführung 2023 ihr Ziel eines "allmählichen Übergangs" weg von fossilen hin zu erneuerbaren Energien bekräftigt. Bis Ende des Jahrzehnts plane Riad, die Hälfte des Elektrizitätsbedarfs durch Solar- und Windenergie zu decken. Auch jenseits der Energiewirtschaft sollten neue Sektoren gefördert werden. So wolle die Regierung eine Rüstungs-, Pharma- und Elektrofahrzeugindustrie aufbauen.
Auch der Tourismus werde in der Vision 2030 als strategischer Sektor identifiziert. Das saudische Tourismusministerium habe für 2023 gemeldet, dass die Zahl der Besucher das Ziel der Vision 2030 von jährlich 100 Millionen überschritten habe. Insbesondere im Inland boome der Tourismussektor. Von den 109,3 Millionen Besuchern seien 81,9 Millionen Inländer gewesen, was angesichts der Bevölkerungszahl nahelege, dass saudische Touristen mehrfach im Jahr verreisten.
Bis 2030 solle die Zahl der ausländischen Gäste 70 Millionen erreichen. Zusammengenommen hätten die Touristen 256 Milliarden Riyal (68 Milliarden US-Dollar) ausgegeben. Damit habe der Sektor 2023 direkt 4,4% zum BIP beigetragen. Daneben solle die Ausrichtung von internationalen Sport- und Business-Veranstaltungen den Tourismus stärken: Das Land werde 2030 die Expo ausrichten und 2034 die Fußball-Weltmeisterschaft.
Mit seinen Diversifizierungsplänen stehe das Königreich teilweise in Konkurrenz zu den Nachbarländern Katar und Vereinigte Arabische Emirate (VAE). Ausländische Unternehmen, die Verträge mit saudischen Staatsunternehmen abschließen wollten, müssten seit diesem Jahr ihren Hauptsitz in der Region im Königreich haben.
Wenngleich der Rohstoffsektor weiterhin die Wirtschaft dominiere, würden die Bemühungen zur Förderung des Nicht-Ölsektors in den vergangenen zehn Jahren deutliche Erfolge zeigen. Zwischen 2014 und 2023 seien die Haushaltseinnahmen jenseits von Öl und Gas von 127 Milliarden Riyal (34 Milliarden US-Dollar) auf 458 Milliarden Riyal (122 Milliarden US-Dollar) gestiegen, während in den Jahrzehnten davor nur eine sehr geringe Steigerung gelungen sei.
Trotz dieser Erfolge seien die BIP-Wachstumsraten zuletzt enttäuschend gewesen. 2023 sei die Wirtschaft um 0,8% geschrumpft, bedingt durch die im April 2023 zur Stützung des Ölpreises beschlossene Förderkürzung der OPEC. Diese habe eine Kontraktion im Ölsektor um 9% bewirkt. Das Wachstum im Nicht-Ölsektor sei etwas geringer ausgefallen als im Vorjahr, habe jedoch mit 3,8% eine wichtige Stütze gebildet. Hervorgestochen hätten Investitionen mit einem Wachstum von 11,5% und der private Konsum mit 5,7%.
Da die Regierung im März 2024 eine freiwillige Verlängerung der Fördermengenkürzung verkündet habe, sei auch für 2024 nur mit einem schwachen Wachstum von 1,5% zu rechnen. Das Wachstum im Nicht-Ölsektor dürfte auf dem Niveau des Vorjahres bleiben. Ab Dezember 2024 sei eine schrittweise Rücknahme der Förderkürzung zu erwarten, weshalb das Wirtschaftswachstum im nächsten Jahr mit rund 5% deutlich stärker ausfallen dürfte.
Bemerkenswert sei, dass die geopolitischen Spannungen in der Region (Gaza, Huthis) bisher kaum Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung gehabt hätten. Die direkten Wirtschaftsbeziehungen zu den Konfliktländern seien gering, der Tourismus habe sich als widerstandsfähig erwiesen und die meisten Tanker mit saudischem Öl würden nicht den Weg durch das Rote Meer nehmen. Lediglich die Auslastung des Hafens in Dschidda, der im vergangenen Jahr 47% des saudischen Seehandels abgewickelt habe, sei spürbar zurückgegangen. Die Verantwortlichen hätten aber frühzeitig gegengesteuert und den Seehandel verstärkt zum Hafen in Dammam am Persischen Golf umgeleitet.
Obwohl China dominiere (16% der saudischen Exporte und 21% der Importe), seien die Handelsbeziehungen des Königreichs gut diversifiziert, mit asiatischen Ländern auf den vorderen Plätzen (Japan, Indien, Südkorea). Im Sicherheitsbereich bestehe eine enge Kooperation mit den USA. Zwar dürfte ein Abkommen über US-Sicherheitsgarantien für Saudi-Arabien vor den US-Wahlen nicht mehr zustande kommen, dennoch habe Washington im August das Verbot von "Offensivwaffen"-Verkäufen in das Land aufgehoben.
Gleichzeitig bemühe sich Riad, seine außenpolitischen Beziehungen zu diversifizieren. Obwohl Saudi-Arabien nicht offiziell Mitglied der BRICS-Gruppe sei, sei das Land mehrfach eingeladen worden, an deren Veranstaltungen teilzunehmen. Für China und Russland wäre es ein großer Erfolg, Riad dazu zu bewegen, sein Öl zunehmend in anderen Währungen (z.B. chinesische Renminbi) zu verkaufen. Auch wenn es mit der chinesischen Seite schon Gespräche über einen solchen Schritt gegeben habe, sei doch davon auszugehen, dass der US-Dollar im saudischen Ölhandel dominant bleiben werde - nicht zuletzt, um den Sicherheitspartner USA nicht zu brüskieren.
Für Deutschland sei Saudi-Arabien nach den VAE der zweitwichtigste Handelspartner im Golf-Kooperationsrat. 2023 seien Waren im Wert von 8,1 Milliarden Euro exportiert und für 2,3 Milliarden Euro importiert worden. Damit entspreche das Außenhandelsvolumen in etwa dem mit Luxemburg oder der Ukraine. Deutschland habe hauptsächlich chemische Erzeugnisse (22,4% der Exporte) exportiert, gefolgt von Kfz und -Teilen (19%) sowie Maschinen (17,3%). Importiert worden seien Erdöl (62,5%), chemische Erzeugnisse (13,4%), Petrochemie (10,4%) und Rohstoffe (ohne Brennstoffe 9,1%). (30.10.2024/ac/a/m)
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