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New York (www.aktiencheck.de) - In den nächsten Jahren werden die Schwellenländer, angetrieben von China als Teil einer neuen multipolaren Weltordnung, zum wichtigsten Wachstumsmotor der Weltwirtschaft avancieren, so die Experten von Neuberger Berman.
Die zunehmende Volatilität von traditionell risikoarmen Fixed-Income-Anleihen in den Industrieländern bewege Investoren zum Umdenken und die ohnehin leicht willkürliche Unterscheidung zwischen Industrie- und Schwellenländer löse sich zunehmend auf.
Im folgenden Marktausblick erkläre Erik Knutzen, Chief Investment Officer - Multi-Asset Class bei Neuberger Berman, warum Investitionen in die wachstums- und ertragsstärkeren Emerging Markets in den kommenden Jahren zum Mainstream würden.
Auf dem Weg zu einer neuen multipolaren Weltordnung
- Neue multiporale Weltordnung: Angetrieben von China würden die Schwellenländer ihre demografischen Vorteile nutzen und in den nächsten zehn Jahren zum wichtigsten Wachstumsmotor der Weltwirtschaft avancieren
- Emerging Markets würden Mainstream, denn für Anleger löse sich die ohnehin leicht willkürliche Unterscheidung zwischen Industrie- und Schwellenländern zunehmend auf
- Das Ende von Anleihen-Bullenmarkt und Disinflation: Zunehmende Volatilität von traditionell risikoarmen Fixed-Income-Anlagen in den Industrieländern löse bei institutionellen Investoren Umdenken aus, ihr Engagement in Emerging Markets werde stark zunehmen
Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion habe sich in der westlichen Welt ein Konsens über die Vorteile der liberalen Demokratie, des Marktkapitalismus und des freien Welthandels unter der Schirmherrschaft der Welthandelsorganisation herausgebildet. Die Schwellenländer hätten sich für globale Märkte geöffnet und hätten konventionelle politische und finanzielle Institutionen etabliert. Im Gegenzug hätten die Industrieländer die eigenen Volkswirtschaften reformiert, um Zugang zu neuen, schnell wachsenden Märkten sowie zu billigeren Waren und Krediten zu erhalten.
Dieser Konsens gerate jetzt unter Druck. China werde sich bald zur größten Volkswirtschaft der Welt entwickeln und sei zunehmend sowohl Konkurrent als auch Ergänzung zu den wirtschaftlichen und politischen Interessen der entwickelten Welt. Die Schwellenländer im Allgemeinen dürften ihre demografischen Vorteile nutzen und perspektivisch zum wichtigsten Wachstumsmotor der Weltwirtschaft avancieren.
Die Globalisierung der Märkte und die Liberalisierung der Volkswirtschaften hätten einerseits auf einem globalen Level zu einer wachsenden Annäherung des Wohlstands geführt. Andererseits hätten sie Ungleichheiten lokal auch verschärft, insbesondere in den Industrieländern. Die Finanzkrise habe dann ganz maßgeblich zu den Wahlerfolgen populistischer und nationalistischer Plattformen sowie zur Kritik an den Institutionen des Marktkapitalismus und des Welthandels beigetragen.
Die globale Ost-West-Ordnung des 20. Jahrhunderts sei in den 1990er- und 2000er-Jahren erst durch eine Nord-Süd-Ordnung abgelöst worden. In den letzten zehn Jahren seit der Finanzkrise habe sich diese nun zu einer wirklich globalen, aber gleichzeitig instabileren multipolaren Weltordnung weiterentwickelt, die die Zukunft maßgeblich bestimmen werde.
Für Anleger in Europa und den USA würden sich daraus zwei zentrale Schlussfolgerungen ergeben: Die Unterscheidung zwischen Industrieländern und Emerging Markets löse sich zunehmend auf; und das Engagement institutioneller Anleger in den Schwellenländern werde aufgrund des Endes des Anleihen-Bullenmarktes in den westlichen Ländern stark zunehmen.
1. Emerging Markets würden Mainstream
Noch immer seien Anleger in den Emerging Markets unterdurchschnittlich vertreten, jedenfalls wenn man die Portfoliostruktur mit der Struktur des Welt-BIP vergleiche. Etwa 13 Prozent des MSCI All Country World Index würden auf die Emerging Markets entfallen, doch die Schwellenländer würden etwa ein Viertel der weltweiten öffentlichen und privaten Schulden und sogar fast 40 Prozent des Welt-BIP stellen - ein Anteil, der weiter steigen werde. Die unterdurchschnittliche Emerging-Market-Gewichtung in den Portfolios dürfte weiter korrigiert werden, wenn die Emerging Markets zum wichtigsten Wachstumstreiber der Weltwirtschaft würden.
Jüngste Entwicklungen, von der chinesischen Initiative "Belt and Road" über die Expansion der Fremdkapitalmärkte in lokaler Währung seit der Finanzkrise bis hin zur Einbeziehung der riesigen chinesischen Onshore-Equity- und Anleihemärkte in globale Benchmark-Indices, würden bereits auf diesen Übergang hindeuten.
Die Liberalisierung der chinesischen Onshore-Märkte für internationale Investoren hätten allein in puncto Größe eine immense Bedeutung. Entsprechend seiner großen Wirtschaftsleistung habe China den nach Marktkapitalisierung zweitgrößten Aktienmarkt der Welt. An seinen verschiedenen Segmenten seien über 4.000 A-Shares notiert, mit einer Gesamtmarktkapitalisierung von 12 Billionen US-Dollar. Der Markt für Renminbi-denominierte Anleihen, die onshore gehandelt und abgewickelt würden (der sogenannte CNY-Markt), sei ebenfalls fast 12 Billionen US-Dollar groß. Zum Vergleich: Der Markt für US-Dollar-denominierte Anleihen und Offshore-Markt (CNH-Markt), hätten zusammen nur 82 Milliarden US-Dollar Volumen. Gemessen am Handelsvolumen sei der Renminbi jetzt die sechstwichtigste Währung der Welt; sein Anteil am weltweiten Devisenhandel habe sich seit 2013 verdoppelt.
Chinesische A-Shares seien erstmals im Juni 2018 in den MSCI Emerging Market Index aufgenommen worden, und nach der Einführung der Bond-Connect-Handelsplattform im Jahr 2017 würden Staatsanleihen und Notenbanktitel vermutlich im April 2019 Teil des Bloomberg Barclays Global Aggregate Index. Dann werde es für internationale Investoren wesentlich leichter, in sie zu investieren. Wenn sie auf chinesische Anleihen verzichten würden, steige für sie sogar der Tracking Error gegenüber dem Index. Es sei daher zu erwarten, dass der chinesische Anleihemarkt Milliarden US-Dollar an Mittelzuflüssen verzeichnen werde.
Es sei davon auszugehen, dass das Engagement institutioneller Investoren an den Emerging Markets sowohl differenzierter als auch umfassender werde. Da der Anteil der außerbörslichen Märkte insgesamt weiter steige, glaube Neuberger Berman auch, dass zu den Anlagen in börsennotierte Emerging-Market-Titel immer mehr Investitionen in nicht-börsennotierte Schwellenländertitel hinzukommen würden. Vielleicht kämen Investoren sogar zum Schluss, dass sie in manchen Schwellenländern und Frontier-Märkten eher in binnenorientiertere, nicht börsennotierte Unternehmen investieren sollten als in Firmen, die an oft sehr kleinen Börsen notiert seien. Diese Börsen würden nicht selten von lokalen Marktführern mit internationalem Geschäft dominiert. Außerdem dürfte die ESG-Analyse beim Emerging-Market-Research eine wesentlich größere Rolle spielen, nicht zuletzt, weil die Börsen der großen Schwellenländer oft strengere Reporting-Anforderungen hätten als die USA.
In den nächsten zehn Jahren würden niedrigere Erträge Anreize schaffen, um in wachstums- und ertragsstärkere Märkte zu investieren. Neuberger Berman glaube daher, dass sich die gegenwärtige Unterscheidung zwischen Industrieländern und Emerging Markets auflösen werde. Die Investoren dürften diese ohnehin leicht willkürliche Trennung aufgeben und in der multipolaren Welt von morgen stattdessen viel globaler nach den besten Anlagemöglichkeiten Ausschau halten.
2. Die Ära der "Großen Disinflation" sei bald vorbei
Die Globalisierung, der technologische Wandel sowie eine alternde Weltbevölkerung hätten insgesamt für eine Verringerung der Inflation bei gleichbleibendem Preisniveau gesorgt. Diese sogenannte Disinflation sei durch die Finanzkrise noch verstärkt worden. Jetzt erwarte Neuberger Berman jedoch, dass dieser Trend zu Ende gehe.
Der Digital Price Index des Konsumforschungsinstituts Adobe Analytics, der die Entwicklung der Online-Preise messe, zeige, dass die Online-Deflation insgesamt deutlich stärker sei als die Deflation insgesamt. Dies habe gravierende Folgen, wenn der Anteil des E-Commerce am Einzelhandel zunehme. Die damit einhergehende Sharing Economy nutze bislang teilweise ungenutzte Werte wie leerstehende Räume (Airbnb) und Autos (Uber, Lyft), was ebenfalls für sinkende Preise sorge. Die Folgewirkungen, beispielsweise der Hang der Millennials, weniger Gebrauchtwagen zu kaufen, würden dafür sorgen, dass die Disinflation auf andere Teile der Wirtschaft übergreife.
Zugleich würden Löhne und Produktivität langsamer wachsen als früher. Dies liege an einer Vielzahl von Faktoren: Dazu würden eine schnell alternde und kurz vor dem Ruhestand stehende berufstätige Bevölkerung, die Automatisierung von Fabriken und sogar von Dienstleistungsjobs sowie die Entmachtung der Gewerkschaften gehören. Weitere Faktoren seien die mangelnden Investitionen von Unternehmen und Regierungen aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheit im privaten Sektor, der hohen Verschuldung des öffentlichen Sektors sowie den immer größeren Belastungen der Wirtschaft durch Regulierungen.
So real die disinflationären Wirkungen des technologischen Wandels seien, würden sie sich in ihrem Ausmaß am Ende womöglich doch in Grenzen halten und würden durch gesellschaftliche Entwicklungen beschränkt. Die Alterung der Bevölkerung dürfte zum Teil dadurch ausgeglichen werden, dass Millennials sowohl in den Industrieländern als auch in den Emerging Markets jetzt in ihre produktivste Lebensphase eintreten und damit vielleicht für steigende Löhne sorgen würden.
China, das als Billigproduzent für die ganze Welt die Disinflation jahrzehntelang exportiert habe, erlebe gerade einen raschen Wandel hin zu einer unabhängigeren, konsumfreudigeren Volkswirtschaft. Auch dürfte die Urbanisierungsrate im Land langsam abnehmen, sodass Chinas Auswirkungen auf die Weltinflation insgesamt ausgewogener würden. Die zunehmende Autarkie Chinas passe zum weltweiten Trend einer langsameren Globalisierung, der durch populistische und nationalistische Bewegungen in den Industrieländern noch verstärkt werden könnte. Wenn dies zu mehr Protektionismus führe, dürften die Verbraucherpreise steigen.
Nach den letzten zehn Jahren möchte man glauben, dass uns die niedrige Inflation für immer erhalten bleibe. Auch wenn eine neue Ära der Inflation unwahrscheinlich sei, werde sich die Dynamik hier in den kommenden Jahren verändern. Einerseits werfe die hohe weltweite Verschuldung die Frage auf, wie sicher vermeintlich risikoarme Assets wirklich seien. Das Ende der "Großen Disinflation" und des Anleihen-Bullenmarktes der letzten 30 Jahre werfe zudem auch die Frage auf, wie Investoren die Risiken in langfristigen Anlageportfolios diversifizieren sollten und wie attraktiv inflations-sensitive Assets im Vergleich zu anderen Anlagemöglichkeiten seien. (27.11.2018/ac/a/m)
Die zunehmende Volatilität von traditionell risikoarmen Fixed-Income-Anleihen in den Industrieländern bewege Investoren zum Umdenken und die ohnehin leicht willkürliche Unterscheidung zwischen Industrie- und Schwellenländer löse sich zunehmend auf.
Im folgenden Marktausblick erkläre Erik Knutzen, Chief Investment Officer - Multi-Asset Class bei Neuberger Berman, warum Investitionen in die wachstums- und ertragsstärkeren Emerging Markets in den kommenden Jahren zum Mainstream würden.
Auf dem Weg zu einer neuen multipolaren Weltordnung
- Neue multiporale Weltordnung: Angetrieben von China würden die Schwellenländer ihre demografischen Vorteile nutzen und in den nächsten zehn Jahren zum wichtigsten Wachstumsmotor der Weltwirtschaft avancieren
- Emerging Markets würden Mainstream, denn für Anleger löse sich die ohnehin leicht willkürliche Unterscheidung zwischen Industrie- und Schwellenländern zunehmend auf
- Das Ende von Anleihen-Bullenmarkt und Disinflation: Zunehmende Volatilität von traditionell risikoarmen Fixed-Income-Anlagen in den Industrieländern löse bei institutionellen Investoren Umdenken aus, ihr Engagement in Emerging Markets werde stark zunehmen
Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion habe sich in der westlichen Welt ein Konsens über die Vorteile der liberalen Demokratie, des Marktkapitalismus und des freien Welthandels unter der Schirmherrschaft der Welthandelsorganisation herausgebildet. Die Schwellenländer hätten sich für globale Märkte geöffnet und hätten konventionelle politische und finanzielle Institutionen etabliert. Im Gegenzug hätten die Industrieländer die eigenen Volkswirtschaften reformiert, um Zugang zu neuen, schnell wachsenden Märkten sowie zu billigeren Waren und Krediten zu erhalten.
Dieser Konsens gerate jetzt unter Druck. China werde sich bald zur größten Volkswirtschaft der Welt entwickeln und sei zunehmend sowohl Konkurrent als auch Ergänzung zu den wirtschaftlichen und politischen Interessen der entwickelten Welt. Die Schwellenländer im Allgemeinen dürften ihre demografischen Vorteile nutzen und perspektivisch zum wichtigsten Wachstumsmotor der Weltwirtschaft avancieren.
Die Globalisierung der Märkte und die Liberalisierung der Volkswirtschaften hätten einerseits auf einem globalen Level zu einer wachsenden Annäherung des Wohlstands geführt. Andererseits hätten sie Ungleichheiten lokal auch verschärft, insbesondere in den Industrieländern. Die Finanzkrise habe dann ganz maßgeblich zu den Wahlerfolgen populistischer und nationalistischer Plattformen sowie zur Kritik an den Institutionen des Marktkapitalismus und des Welthandels beigetragen.
Die globale Ost-West-Ordnung des 20. Jahrhunderts sei in den 1990er- und 2000er-Jahren erst durch eine Nord-Süd-Ordnung abgelöst worden. In den letzten zehn Jahren seit der Finanzkrise habe sich diese nun zu einer wirklich globalen, aber gleichzeitig instabileren multipolaren Weltordnung weiterentwickelt, die die Zukunft maßgeblich bestimmen werde.
Für Anleger in Europa und den USA würden sich daraus zwei zentrale Schlussfolgerungen ergeben: Die Unterscheidung zwischen Industrieländern und Emerging Markets löse sich zunehmend auf; und das Engagement institutioneller Anleger in den Schwellenländern werde aufgrund des Endes des Anleihen-Bullenmarktes in den westlichen Ländern stark zunehmen.
1. Emerging Markets würden Mainstream
Jüngste Entwicklungen, von der chinesischen Initiative "Belt and Road" über die Expansion der Fremdkapitalmärkte in lokaler Währung seit der Finanzkrise bis hin zur Einbeziehung der riesigen chinesischen Onshore-Equity- und Anleihemärkte in globale Benchmark-Indices, würden bereits auf diesen Übergang hindeuten.
Die Liberalisierung der chinesischen Onshore-Märkte für internationale Investoren hätten allein in puncto Größe eine immense Bedeutung. Entsprechend seiner großen Wirtschaftsleistung habe China den nach Marktkapitalisierung zweitgrößten Aktienmarkt der Welt. An seinen verschiedenen Segmenten seien über 4.000 A-Shares notiert, mit einer Gesamtmarktkapitalisierung von 12 Billionen US-Dollar. Der Markt für Renminbi-denominierte Anleihen, die onshore gehandelt und abgewickelt würden (der sogenannte CNY-Markt), sei ebenfalls fast 12 Billionen US-Dollar groß. Zum Vergleich: Der Markt für US-Dollar-denominierte Anleihen und Offshore-Markt (CNH-Markt), hätten zusammen nur 82 Milliarden US-Dollar Volumen. Gemessen am Handelsvolumen sei der Renminbi jetzt die sechstwichtigste Währung der Welt; sein Anteil am weltweiten Devisenhandel habe sich seit 2013 verdoppelt.
Chinesische A-Shares seien erstmals im Juni 2018 in den MSCI Emerging Market Index aufgenommen worden, und nach der Einführung der Bond-Connect-Handelsplattform im Jahr 2017 würden Staatsanleihen und Notenbanktitel vermutlich im April 2019 Teil des Bloomberg Barclays Global Aggregate Index. Dann werde es für internationale Investoren wesentlich leichter, in sie zu investieren. Wenn sie auf chinesische Anleihen verzichten würden, steige für sie sogar der Tracking Error gegenüber dem Index. Es sei daher zu erwarten, dass der chinesische Anleihemarkt Milliarden US-Dollar an Mittelzuflüssen verzeichnen werde.
Es sei davon auszugehen, dass das Engagement institutioneller Investoren an den Emerging Markets sowohl differenzierter als auch umfassender werde. Da der Anteil der außerbörslichen Märkte insgesamt weiter steige, glaube Neuberger Berman auch, dass zu den Anlagen in börsennotierte Emerging-Market-Titel immer mehr Investitionen in nicht-börsennotierte Schwellenländertitel hinzukommen würden. Vielleicht kämen Investoren sogar zum Schluss, dass sie in manchen Schwellenländern und Frontier-Märkten eher in binnenorientiertere, nicht börsennotierte Unternehmen investieren sollten als in Firmen, die an oft sehr kleinen Börsen notiert seien. Diese Börsen würden nicht selten von lokalen Marktführern mit internationalem Geschäft dominiert. Außerdem dürfte die ESG-Analyse beim Emerging-Market-Research eine wesentlich größere Rolle spielen, nicht zuletzt, weil die Börsen der großen Schwellenländer oft strengere Reporting-Anforderungen hätten als die USA.
In den nächsten zehn Jahren würden niedrigere Erträge Anreize schaffen, um in wachstums- und ertragsstärkere Märkte zu investieren. Neuberger Berman glaube daher, dass sich die gegenwärtige Unterscheidung zwischen Industrieländern und Emerging Markets auflösen werde. Die Investoren dürften diese ohnehin leicht willkürliche Trennung aufgeben und in der multipolaren Welt von morgen stattdessen viel globaler nach den besten Anlagemöglichkeiten Ausschau halten.
2. Die Ära der "Großen Disinflation" sei bald vorbei
Die Globalisierung, der technologische Wandel sowie eine alternde Weltbevölkerung hätten insgesamt für eine Verringerung der Inflation bei gleichbleibendem Preisniveau gesorgt. Diese sogenannte Disinflation sei durch die Finanzkrise noch verstärkt worden. Jetzt erwarte Neuberger Berman jedoch, dass dieser Trend zu Ende gehe.
Der Digital Price Index des Konsumforschungsinstituts Adobe Analytics, der die Entwicklung der Online-Preise messe, zeige, dass die Online-Deflation insgesamt deutlich stärker sei als die Deflation insgesamt. Dies habe gravierende Folgen, wenn der Anteil des E-Commerce am Einzelhandel zunehme. Die damit einhergehende Sharing Economy nutze bislang teilweise ungenutzte Werte wie leerstehende Räume (Airbnb) und Autos (Uber, Lyft), was ebenfalls für sinkende Preise sorge. Die Folgewirkungen, beispielsweise der Hang der Millennials, weniger Gebrauchtwagen zu kaufen, würden dafür sorgen, dass die Disinflation auf andere Teile der Wirtschaft übergreife.
Zugleich würden Löhne und Produktivität langsamer wachsen als früher. Dies liege an einer Vielzahl von Faktoren: Dazu würden eine schnell alternde und kurz vor dem Ruhestand stehende berufstätige Bevölkerung, die Automatisierung von Fabriken und sogar von Dienstleistungsjobs sowie die Entmachtung der Gewerkschaften gehören. Weitere Faktoren seien die mangelnden Investitionen von Unternehmen und Regierungen aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheit im privaten Sektor, der hohen Verschuldung des öffentlichen Sektors sowie den immer größeren Belastungen der Wirtschaft durch Regulierungen.
So real die disinflationären Wirkungen des technologischen Wandels seien, würden sie sich in ihrem Ausmaß am Ende womöglich doch in Grenzen halten und würden durch gesellschaftliche Entwicklungen beschränkt. Die Alterung der Bevölkerung dürfte zum Teil dadurch ausgeglichen werden, dass Millennials sowohl in den Industrieländern als auch in den Emerging Markets jetzt in ihre produktivste Lebensphase eintreten und damit vielleicht für steigende Löhne sorgen würden.
China, das als Billigproduzent für die ganze Welt die Disinflation jahrzehntelang exportiert habe, erlebe gerade einen raschen Wandel hin zu einer unabhängigeren, konsumfreudigeren Volkswirtschaft. Auch dürfte die Urbanisierungsrate im Land langsam abnehmen, sodass Chinas Auswirkungen auf die Weltinflation insgesamt ausgewogener würden. Die zunehmende Autarkie Chinas passe zum weltweiten Trend einer langsameren Globalisierung, der durch populistische und nationalistische Bewegungen in den Industrieländern noch verstärkt werden könnte. Wenn dies zu mehr Protektionismus führe, dürften die Verbraucherpreise steigen.
Nach den letzten zehn Jahren möchte man glauben, dass uns die niedrige Inflation für immer erhalten bleibe. Auch wenn eine neue Ära der Inflation unwahrscheinlich sei, werde sich die Dynamik hier in den kommenden Jahren verändern. Einerseits werfe die hohe weltweite Verschuldung die Frage auf, wie sicher vermeintlich risikoarme Assets wirklich seien. Das Ende der "Großen Disinflation" und des Anleihen-Bullenmarktes der letzten 30 Jahre werfe zudem auch die Frage auf, wie Investoren die Risiken in langfristigen Anlageportfolios diversifizieren sollten und wie attraktiv inflations-sensitive Assets im Vergleich zu anderen Anlagemöglichkeiten seien. (27.11.2018/ac/a/m)
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