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China: Wirtschaftswunder 2.0?




04.10.24 10:45
Oberbank

Linz (www.aktiencheck.de) - In den vergangenen Jahrzehnten erlebte China ein beeindruckendes Wirtschaftswachstum, welches das Land von einem kriegsgeschwächten Entwicklungsland zur großen Weltmacht aufsteigen ließ, so Muhamed Mustafa Tasdemir, Treasury und Handel, Oberbank AG.

Chinas rasantes Wirtschaftswachstum, das für viele wie ein Wunder erschienen sei, sei zunehmend zu einem Teil der Identität und der Legitimierung der kommunistischen Führung im Land geworden. Doch in den letzten Jahren habe sich dieses Bild deutlich eingetrübt. Der Wachstumsdruck lasse nach, und die chinesische Wirtschaft stehe an mehreren Fronten vor gewaltigen Herausforderungen. Die Jugendarbeitslosigkeit sei besorgniserregend hoch. Große Wohnbaukonzerne seien in Schieflage geraten, wodurch viele Bauprojekte zum Erliegen gekommen seien. Der Traum vom Eigenheim für viele aus Chinas Mittelschicht sei ungewiss. Die sinkende Geburtenrate bedrohe zudem den demographischen Vorteil des Landes.

Spätestens seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie stehe die Führung in Peking unter öffentlichem Druck, die chinesische Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Während die chinesische Wirtschaft zwischen 1980 und 2023 durchschnittlich beeindruckende 9% gewachsen sei, habe dieser Wert für 2022 nur 3% und für 2023 5,2% betragen. Bisherige Maßnahmen seien als langsam und zögerlich wahrgenommen worden. Die gedämpfte Reaktion habe das historisch ohnehin bescheidene, offizielle Wachstumsziel von "in etwa 5%" pro Jahr gefährdet. Prognosen würden in den kommenden Jahren einen Abwärtstrend im Wirtschaftswachstum zeichnen und ein Verfehlen des Ziels erwarten lassen.

Am Dienstag, den 24. September, habe die chinesische Zentralbank, die People's Bank of China (PBOC), eine Reihe von Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft verkündet.

1. Der 7-Tage-Repo-Satz sei um 20 Basispunkte von 1,7% auf 1,5% gesenkt worden.

2. Der Required Deposit Reserve Ratio (RRR) sei um 0,5 Prozentpunkte gesenkt worden, wodurch Banken weniger Bargeld vorhalten müssten. Dies habe den Geldhäusern zusätzlichen Spielraum für die Kreditvergabe in Höhe von rund einer Billion Yuan (knapp 130 Milliarden Euro) verschafft. Außerdem habe die PBOC eine mögliche weitere Senkung des Zinssatzes im Jahresverlauf um 0,25 bis 0,50 Prozentpunkte je nach Liquiditätslage angekündigt.

3. Um den Immobilienmarkt direkt zu unterstützen, sei beschlossen worden, die Quote für die Mindestanzahlung bei einem zweiten Wohnbaudarlehen von 25 auf 15% zu senken. Dieser Satz sei im Mai bereits von 30 auf 25% gesenkt worden und befinde sich nun auf gleicher Höhe wie die Mindestanzahlung beim ersten Wohnbaudarlehen.

Obwohl Marktteilnehmer Lockerungen erwartet hätten, seien die beschlossenen Maßnahmen in ihrem Ausmaß eine Überraschung gewesen. Die chinesischen Behörden signalisierten, die Dringlichkeit der Situation erkannt zu haben. Damit reagierten sie auf die Enttäuschung über die langsame Erholung nach der Pandemie. Die Finanzmärkte hätten ihr Vertrauen in das neue Konjunkturförderpaket deutlich gezeigt. Chinesische Aktien hätten deutlich zugelegt. Der chinesische Aktienindex CSI 300 habe in der Woche der Bekanntgabe der Beschlüsse einen Anstieg von gewaltigen 15,7% verzeichnet.

Die Maßnahmen würden bereits erste positive Effekte zeigen. Allerdings bleibe fraglich, ob dies ausreiche, um eine dauerhafte Erholung zu gewährleisten. Während die Euphorie an den Aktienmärkten hoch sei, zögerten viele Analysten, ihre Wachstumsprognosen für China signifikant positiv anzupassen. Es erfordere vermutlich umfassendere Reformen, um China auf den früheren Wachstumspfad zurückzuführen. Kurzfristig könnten solche Förderungen jedoch große Wirkungen haben.

Die angegebenen Werte seien Vergangenheitswerte, und zukünftige Entwicklungen könnten davon nicht abgeleitet werden.

Was in China passiere, bleibe nicht in China. Es gebe auch globale Folgen. Aktienmärkte, die bereits von der FED-Zinssenkung profitiert hätten, zeigten sich infolge der Nachrichten aus China weiterhin stark. Insbesondere Werte aus dem Luxus- und Automobilsektor in Europa, die in höherem Maße von den chinesischen Märkten abhängig seien, hätten eine starke Aufwärtsbewegung verzeichnet.

Am Devisenmarkt könnte der chinesische Aufschwung zu einer Abwertung des Dollars führen. In Phasen mit großen chinesischen Förderungen wertete der chinesische Renminbi in der Regel auf Kosten des amerikanischen Dollars auf. Der EUR/USD-Kurs könnte im Falle einer Dollarschwächung steigen. (04.10.2024/ac/a/m)








 
 
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