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Brexit-Gewinner Paris




11.05.23 20:00
LOYS

Oldenburg (www.aktiencheck.de) - Den Briten dürfte bei ihrem Austritt aus der EU klar gewesen sein, dass London als führender Finanzplatz würde "Federn lassen müssen", so die Experten von LOYS.

Und so sei es keine Überraschung, dass London zwar nach wie vor der größte Finanzplatz Europas sei, jedoch einiges an Geschäft an den Kontinent verloren habe. Ohne Zweifel hätten Amsterdam, Frankfurt, besonders Dublin aber am meisten Paris von der Brexit-Entscheidung profitiert.

Die französische Hauptstadt habe dabei den Löwenanteil der Abwanderung aus London für sich verzeichnen können. Vor allem die großen amerikanischen Investmentbanken hätten Paris zu ihrem wichtigsten Handelsplatz auf dem Festland erkoren. Zwar hätte bei entsprechendem Willen der Politik der wichtigste deutsche Finanzplatz - Frankfurt am Main - zum Primus auf dem Kontinent aufsteigen können. Eindeutigerweise habe sich Paris viel stärker um die Ansiedlung Londoner Banken einsetzt.

Der derzeit stark in der Kritik stehende Präsident Emmanuel Macron habe es zur Chefsache erklärt, den Auslandsbanken die französische Capitale als Standort schmackhaft zu machen. Dies überrasche nicht, habe doch der hoch gebildete und aus gutem Elternhaus stammende französische Präsident selbst einschlägige Erfahrungen im Investmentgeschäft als Partner bei Rothschild & Co erworben. Zudem habe er seinem Land unter Präsident François Hollande als Wirtschaftsminister gedient.

Hätten sich deutsche Amtsträger mit der gleichen Verve für Frankfurt eingesetzt, wie es Macron für Paris getan habe, dann könnte die mit Abstand größte Volkswirtschaft Europas möglicherweise einen Post-Brexit-Boom im Finanzsektor erleben. Aber in der deutschen Politik fehle es an elementaren Kenntnissen über die Bedeutung von Finanzmärkten und zudem könne man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es ideologische Abneigungen gegen den Geldsektor gebe. Dabei werde allerdings übersehen, dass Wohlstand stets auch eine Funktion florierender Finanzmärkte sei.

Es sei keineswegs ein Zufall, dass Länder mit starken Finanzsektoren (USA, Großbritannien, Singapur, Schweiz, Dubai) sehr vorteilhaft in den Wohlstandsstatistiken rangieren würden. Mehr noch: Der Finanzsektor sei kein Niedriglohnsektor und könne als klimafreundlich angesehen werden. Zudem sei der Wettbewerb aus China keine Gefahr, wie dies in produzierenden Gewerben der Fall sei.

Die starke Rolle, die Paris mittlerweile unter den Finanzmärkten einnehme, finde auch an den Aktienmärkten ihren Ausdruck. Es möge manche Leser erstaunen, aber der französische Aktienmarkt sei deutlich wertvoller als der deutsche Aktienmarkt, obwohl die deutsche Volkswirtschaft um ein gutes Drittel größer sei als jene Frankreichs.

Allein die französischen Börsenschwergewichte LVMH (ISIN FR0000121014/ WKN 853292), Hermès (ISIN FR0000052292/ WKN 886670) und L´Oréal (ISIN FR0000120321/ WKN 853888) würden die deutschen Top 3 (SAP (ISIN DE0007164600/ WKN 716460), Siemens (ISIN DE0007236101/ WKN 723610) und Deutsche Telekom (ISIN DE0005557508/ WKN 555750) bei weitem in den Schatten stellen, zumal das bislang wertvollste Unternehmen Deutschlands, die Linde PLC (ISIN IE000S9YS762/ WKN A3D7VW). der Börse in Deutschland inzwischen zugunsten der Vereinigten Staaten den Rücken gekehrt habe.

Allein LVMH sei an den Börsen ungefähr so viel wert, wie die größten vier deutschen Unternehmen zusammen. An diesem Befund lasse sich einmal mehr die dürftige Aktienkultur und das politische Desinteresse daran ablesen. Dabei wäre es für den Wohlstand der Bürger klüger, die Frage zu priorisieren, was getan werden könne, um die Bevölkerung an der Wohlstandsmaschine Finanzmarkt Teilhabe zu verschaffen.

Großbritannien habe seiner Finanzindustrie mit dem Brexit einen Bärendienst erwiesen. Durch ihre konstruktive Attitüde sei es Frankreichs Führung gelungen, große Handelsabteilungen von der Themse an die Seine zu locken.

Die deutsche Politik habe in den vergangenen Monaten mehrfach schmählich erfahren müssen, dass andere Länder über realistischere Einschätzungen (Russland, Verteidigung, Energie, Migration, China, etc.) der tatsächlichen Lage verfügen würden. Es sei zu befürchten, dass dies auch auf dem Gebiet der Finanzmärkte der Fall sei. (11.05.2023/ac/a/m)








 
 
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