Premiere Halteposition




14.10.08 09:55
Geldanlage-Report

Gerbrunn (aktiencheck.de AG) - Nach Ansicht der Experten vom "Geldanlage-Report" ist die Aktie von Premiere auf aktuellem Niveau nur eine Halteposition.

Die Premiere-Aktie bei 2,77 Euro - das sei in etwa genauso verlockend wie das Lockangebot des Bezahlfernsehsenders, wo vor wenigen Jahren eine abgespeckte Starter-Version für fünf Euro im Monat habe abonniert werden können. Doch wie man wisse liege die Gefahr bei solchen Angeboten im Kleingedruckten, wo oft zusätzliche Risiken schlummern würden.

Das gelte auch für die Aktie. Vor einem Kauf sollte man sehr genau hinschauen, was man sich da überhaupt einkaufe. Eins stehe fest: Das Vertrauen in das Management sei komplett ruiniert, nachdem nun auch noch das Bundesaufsichtsamt für Finanzdienstleistungen BaFin Ermittlungen einleite. Zunächst würden diese zwar nur routinemäßig erfolgen, aber ein Nachspiel dürfte hier so oder so nicht ausbleiben.

Wie Premiere jetzt selbst habe bekannt geben müssen, seien die Abonnentenzahlen seit Längerem um rund 20 Prozent zu hoch angegeben worden, weil beispielsweise gar nicht zahlende Kooperationspartner ebenfalls berücksichtigt worden seien. Auf einmal würden eine Million Abonnenten "fehlen"!

Das sei eine absolute Sauerei gegenüber den freien Aktionären und zeuge von Dilettantismus. Kriminell wäre es jedoch, wenn nachgewiesen werden könne, dass Unternehmens-Insider wissentlich Aktien abgestoßen hätten, bevor der Sachverhalt in der Öffentlichkeit bekannt geworden sei.

Natürlich hätten Analysten sofort neue Zahlen in ihre Bewertungsmodelle eingesetzt und die Kursziele drastisch gesenkt. Die Commerzbank sehe beispielsweise jetzt nur noch ein Kursziel von zwei nach zuvor zehn Euro.

Um die eigentliche Gefahr in der jetzigen Situation zu erkennen, brauche es jedoch keine Analysten. Nachdem Premiere 2007 die Profitabilität nur knapp verpasst habe, drohe nun für 2008 ein Vorsteuerverlust von 70 Millionen Euro. Das sei harter Tobak und zwinge Premiere zu Neuverhandlungen mit den Banken. Die in diesen Tagen viel zitierte Restrukturierung von Krediten stehe an - und genau an diesem Punkt dürfte es kritisch werden.

Die Banken würden immer restriktiver und ohne zusätzliche Sicherheiten dürfte es schwer werden neue Kredite zu erhalten. Gelinge das Unterfangen aber nicht, drohe den Münchener Vorstädtern unter Umständen das Aus.

Letzte Hoffnung wäre dann eine Aufstockung des Anteils durch den australischen Medienmogul Rupert Murdoch, dem die News Corporation gehöre. Dieser habe erst im Sommer seinen Anteil auf 25 Prozent erhöht und dabei dem alten Vorstand mächtig Feuer unter dem Hintern gemacht beziehungsweise Vorstandschef Michael Börnicke gleich ganz geschasst. Stattdessen sei auf Druck von Murdoch News Corporation-Manager Mark Williams eingesetzt worden.

Das Problem: Wenn Murdoch zukaufe und auf über 30 Prozent der Anteile komme, müsste er den freien Aktionären ein Pflichtangebot machen. Dieses müsste mindestens die Höhe des Durchschnittskurses der Aktie in den letzten drei Monaten betragen. Dieser Kurs liege aber um ein Vielfaches über dem aktuellen Kurs (die Aktie habe Ende September noch über zehn Euro notiert) weswegen der Australier das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht tun werde.

Stattdessen dürfte der mit allen Wassern gewaschene Murdoch noch einige Zeit verstreichen lassen. Analysten würden glauben, dass die vorhandenen Finanzmittel noch bis Frühjahr ausreichend seien. Dann wäre der Durchschnittskurs höchst wahrscheinlich deutlich niedriger und eher im Bereich des aktuellen Kurses von zwei bis drei Euro.

Eine Insolvenz sei unwahrscheinlich, weil Murdoch Premiere auch als Prestigeobjekt sehe und damit seine Stellung am deutschen Markt stärken wolle. Ob Aktionäre allerdings im Falle einer Aufstockung des Murdoch-Anteils und des dann erforderlich werdenden Pflichtangebots wesentlich mehr als den aktuellen Kurs erhalten würden, sei zweifelhaft.

Die Premiere-Aktie ist für die Experten vom "Geldanlage-Report" auch auf aktuellem Niveau nur eine Halteposition. (Analyse vom 14.10.2008) (14.10.2008/ac/a/d)







 
 
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