Blitz-Update Wall Street: IBM und ServiceNow im freien Fall – droht SAP das gleiche Schicksal?
23.04.26 17:05
DER AKTIONÄR
Den Bullen geht heute die Puste aus. Am Vortag haben sich der S&P 500 sowie der Nasdaq 100 noch auf neue Rekordwerte geschoben. Heute sind die Vorzeichen bei den wichtigsten US-Indizes rot. Obwohl die Berichtssaison bisher rund läuft – vier von fünf S&P-500-Unternehmen schlagen die Gewinnerwartungen – geraten einzelne Werte unter Druck. Im Fokus steht auch am Donnerstag die Lage im Nahen Osten. Zwar hatte US-Präsident Donald Trump die Waffenruhe mit dem Iran verlängert und damit die Rally am Mittwoch befeuert, doch echte Fortschritte bleiben aus.
Die US-Börsen sind am Donnerstag mit Verlusten in den Handel gestartet. Der S&P 500 eröffnete bei 7.119 Zählern knapp 0,3 Prozent schwächer. Dennoch bleibt der Index im April auf Kurs zum stärksten Monat seit November 2023. Auch der Dow Jones gab zum Auftakt 0,3 Prozent beziehungsweise rund 200 Punkte ab. Der Nasdaq 100 konnte sich dem Abwärtssog ebenfalls nicht entziehen und fiel zum Handelsbeginn um 0,3 Prozent auf 26.845 Punkte.
Am Mittwoch waren Halbleiter- und Big-Tech-Titel noch Haupttreiber der Rally auf neue Rekordstände. Die UBS verwies heute darauf, dass der Technologiesektor der entscheidende Motor der jüngsten Markterholung seit Ausbruch des Konflikts im Iran sei. Obwohl Tech-Aktien nur rund 35 Prozent Gewicht im Index haben, entfallen etwa 57 Prozent der Kursgewinne auf sie. Das liege vor allem daran, dass die Branche im Vergleich zu anderen Sektoren wie Energie deutlich weniger anfällig für Ölpreisschocks ist.
Die Aktie von IBM geriet nach den Quartalszahlen deutlich unter Druck und verliert am Donnerstag mehr als acht Prozent – und auch an der Wall Street sorgt der Bericht für ein gespaltenes Echo. Die Goldman Sachs und die Bank of America bleiben bei ihren Kaufempfehlungen, senkten jedoch ihre Kursziele. "IBMs laufende Maßnahmen zur operativen Effizienz ermöglichen es dem Unternehmen, ein stetiges, vorhersehbares Gewinnwachstum zu erzielen. Wir erwarten, dass der freie Cashflow im Jahresverlauf steigen wird", schrieb James Schneider, Analyst bei der Goldman Sachs.
Skeptischer äußern sich dagegen Morgan Stanley und UBS. Sie sehen in den Zahlen keinen echten Gamechanger und bemängeln, dass positive Impulse für die Jahresprognose ausgeblieben sind. Zudem bleiben langfristige Sorgen bestehen – insbesondere mit Blick auf mögliche Risiken für das Softwaregeschäft durch den rasanten Fortschritt im Bereich Künstliche Intelligenz.
Ebenso setzt die Aktie von ServiceNow nach der gestrigen Zahlenvorlage wieder zu einer scharfen Korrektur an und verliert 17 Prozent. Seit Anfang April zeigte der Kurs eine kurze Aufwärtstendenz. Zwar übertraf der Konzern sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn die Schätzungen knapp, doch das reicht den Anlegern nicht. Die Unsicherheit rund um mögliche Disruptionen durch Künstliche Intelligenz bleibt ein Belastungsfaktor. Der gesamte Software-Sektor leidet heute massiv.
An der Wall Street bleibt die grundsätzliche Einschätzung dennoch positiv: Die Mehrheit der Analysten empfiehlt die Aktie weiterhin zum Kauf. Viele Experten sehen langfristig sogar Chancen durch den Einsatz von KI, räumen aber ein, dass die entscheidenden Impulse wohl erst im weiteren Jahresverlauf kommen dürften. Kurzfristig könnte es daher schwierig bleiben, dass Softwarewerte insgesamt nachhaltig outperformen.
Die heutige Entwicklung bei den US-Schwergewichten IBM und ServiceNow wirft einen Schatten auf die Quartalszahlen von SAP voraus. Heute Abend um 22 Uhr wird das DAX-Unternehmen seine Quartalsbilanz veröffentlichen. Wo die Erwartungen im Vorfeld liegen, lesen Sie hier. Für den deutschen Softwareriesen wird es nicht ausreichen, die Analystenschätzungen zu treffen. Der Markt verlangt nach einer Anhebung der Jahresprognose oder einem außergewöhnlichen Wachstum im Cloud-Bereich. Hierzu wird der Auftragsbestand bei den kurzfristigen Cloud-Verträgen als zentrale Kennzahl in den Mittelpunkt rücken.
Die US-Wirtschaft zeigt sich im April robuster als gedacht: Sowohl der Einkaufsmanagerindex für die Industrie als auch für den Dienstleistungssektor überraschten positiv. Der Industrie-PMI kletterte auf 54,0 Punkte (Prognose: 52,5) und erreichte damit den höchsten Stand seit Mai 2022, getragen von einer starken Produktion und lebhaften Auftragseingängen. Auch der Service-PMI lag mit 51,3 Punkten leicht über den Erwartungen. Die starken Daten könnten den Druck von der Federal Reserve nehmen, die Zinsen zu senken.
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