Morgan Stanley Negativauszeichnung




31.01.05 15:49
SdK

Die "IPO-Zitrone 2004" erhält Morgan Stanley für den IPO von Epigenomics, so die SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V..

Seit 1999 vergebe die SdK jährlich in Zusammenarbeit mit dem GoingPublic Magazin die "IPO-Zitrone". Die IPO-Zitrone (IPO: Initial Public Offering, Neuemission) sei eine Negativauszeichnung, die Banken verliehen werde, die als Konsortialführer besonders unrühmliche Auftritte im Neuemissionsgeschäft zu verantworten hätten.

Nachdem Morgan Stanley bereits im März 2004 bei dem viel zu teuren und letztendlich abgesagten Börsengang der Siltronic und dem sich anschließenden Postbank-Desaster eine verantwortliche Rolle gespielt habe, habe die Investmentbank beim Epigenomics-IPO jegliches Fingerspitzengefühl vermissen lassen und dem zaghaft in Schwung gekommenen deutschen Neuemissionsmarkt einen deutlichen Dämpfer versetzt.

Denn wer geglaubt habe, dass Morgan Stanley aus dem Neuer Markt-Desaster gelernt habe, sei im Juli 2004 eines Besseren belehrt worden. Die Emission des Biotech-Unternehmens Epigenomics (schwarze Zahlen frühestens ab 2008!) sei anfänglich zwischen 11,90 bis 14,50 Euro geplant gewesen. Nachdem Investoren der Bank jedoch die kalte Schulter gezeigt hätten, sei die Bookbuilding-Spanne auf 9 bis 11 Euro gesenkt worden. Anscheinend habe sich aber auch zu diesen Preisen wenig Nachfrage geregt. Platziert worden seien dennoch zu 9 Euro.

Schon am ersten Tag habe die Aktie im Minus notiert und sei in den nächsten Wochen bis unter 5,50 Euro gefallen, was in kürzester Zeit ein Minus von über 40% bedeutet habe. Inzwischen notiere der Kurs zwar immer noch unter dem Ausgabepreis, habe sich jedoch etwas erholt (Kurs aktuell: 7,65 Euro). Geholfen habe hier Analyst Daniel Mahony, der eine Kaufempfehlung mit dem waghalsigen Kursziel von 18 Euro abgegeben habe. Dieser Analyst - wer hätte es gedacht - komme aus dem Hause Morgan Stanley.

Man frage sich, ob dies ein einmaliger Ausrutscher gewesen sei. Leider nein. Der Blick auf die Morgan Stanley-Emissionsergebnisse in den Jahren vor 2004 zeige ein fast durchweg negatives Bild. Seit 1998 habe Morgan Stanley acht Emissionen als Konsortialführer betreut, sieben davon würden mit durchschnittlich mehr als 60% im Minus liegen. Es gelte also, den Premiere-Börsengang im Frühjahr auch unter diesem Aspekt genauer unter die Lupe zu nehmen.








 
 
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