Mannesmann mit ersten Zahlen




10.01.00 00:00
bullresearch.com

Wie Mannesmann (WKN 656030) am Freitag bekanntgab, konnte der Konzernumsatz gegenüber dem Vorjahr um 22% auf EUR 23,2 Mrd. gesteigert werden, wobei zwei Drittel des Zuwachses auf der Erweiterung des Konsolidierungskreises mit Schwerpunkt im Bereich Telecommunications (o.tel.o, Omnitel, Infostrada) beruhten. Einen weiteren Schwerpunkt stelle die erfolgreiche Geschäftsentwicklung von Mannesmann D2 dar.

Der EBITDA des Konzerns belief sich auf rd. EUR 4,3 Mrd. und lag damit um 37% über dem des Vorjahres. Der proportionale EBITDA des Unternehmensbereichs Telecommunications stieg um rd. 70% auf rd. EUR 2,2 Mrd. Das Kundenwachstum in den kontrollierten Gesellschaften Mannesmann D2, Omnitel und Orange betrug über 70 Prozent.

Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit, welches hohe Goodwill-Abschreibungen und Finanzierungskosten aufgrund der Telekommunikationsakquisitionen des Jahres 1999 (z.B. Orange mit rd. EUR –100 Mio.) enthält, lag mit EUR 1,4 Mrd. leicht über dem von 1998. Wegen der höheren Steuerquote habe das Nettoergebnis im Konzern - wie angekündigt - unter dem Vorjahresniveau gelegen, teilte Mannesmann weiter mit, ohne konkrete Zahlen zu nennen.

Schon am Donnerstag hatte der Wirtschaftsdienst vwd berichtet, dass Vodafone AirTouch (VAT) bei einer Übernahme der Mannesmann AG ein deutlich höheres Ergebniswachstum erwartet als es die Düsseldorfer für sich im Alleingang voraussagen. So soll das anteilige EBITDA im kombinierten Unternehmen von 2000 bis 2003 um durchschnittlich 39% statt 30% (Mannesmannprognose) jährlich zulegen. Für ein fusioniertes Unternehmen sieht VAT ein EBITDA von EUR 5,5 Mrd. in 2000 und EUR 10,2 Mrd in 2003, hierin sind die erwarteten Synergien der Fusion (GBP 500 Mio. in 2003) sowie der Datenbereich schon enthalten. Mannesmann ging in der Planung von EUR 3,8 Mrd bzw. EUR 8,3 Mrd. aus.

Gleichzeitig gab Vodafone AirTouch-Chef Chris Gent in einem Interview mit der Wirtschaftswoche bekannt, man wolle Mitte Januar eine mobile Internet-Plattform vorstellen, die für alle globalen Gesellschaften verfügbar sein soll, an denen Vodafone AirTouch mehrheitlich beteiligt ist. Diese Drohung wird wohl nicht ganz so eng ausgelegt werden, wenn man bedenkt, dass Vodafone AirTouch neben Deutschland und Italien auch auf wichtigen Märkten wie Spanien und den USA nur minderheitsbeteiligt ist.

Kommentar:
Die von Mannesmann für das Jahr 1999 bekanntgegebenen Zahlen sind sehr gut, auch wenn die hohe finanzielle Belastung durch die zu verdauenden Akquisitionen sehr deutliche Spuren hinterläßt. Mannesmann hat somit, wie erwartet, die Basis für den selbst aufgezeigten Wachstumspfad gelegt.

Nachdem Vodafone AirTouch die eigene Wachstumsstrategie unter Einschluß von Mannesmann vorgelegt hat, müsste ja eigentlich alles klar sein und ein einfacher Vergleich würde die Vor- oder Nachteilhaftigkeit der Übernahmestrategie klären, könnte man hoffen. Probleme ergeben sich jedoch aus der Zukunftsgerichtetheit der veröffentlichten Zahlen. So betont Vodafone zwar die mathematische Nachweisbarkeit der Vorteilhaftigkeit einer Kombination der beiden Unternehmen, da das höhere erwartete jährliche EBITDA-Wachstum von 39% auf einer rechnerischen Bearbeitung der Mannesmann-eigenen Zahlen basiere, jedoch läßt die Methodik nach wie vor keine Schlüsse über die Richtigkeit der Annahmen zu. Es kann daher nicht verwundern, dass die Analysten des Investmenthauses Lehman Brothers in einer als unabhängig angesehenen Studie zu deutlich niedrigeren Werten von 23-31%, je nach Annahme für den sog. Datenbereich, für das EBITDA-Wachstum einer kombinierten Gesellschaft gelangen. Mannesmann hatte in seinem Vergleich der Wachstumsperspektiven Vodafone AirTouch-Zahlen herangezogen, in denen dieser Bereich nicht enthalten war. Geteilter Meinung kann man auch über die anzunehmende Höhe der realisierbaren Synergieeffekte einer Fusion sein, welche von Vodafone AirTouch mit GBP 500 Mio. in 2003 und GBP 600 Mio. in 2004 eher ambitioniert angenommen wurden. Für das Wachstum der Einzelgesellschaften ohne Fusion geht Lehman Brothers von einem jährlichen EBITDA-Wachstum von 22% bei Vodafone AirTouch und, entsprechend der unternehmenseigenen Planung, von 30% bei Mannesmann aus.

Die dargelegten Prognosen machen deutlich, dass die Zahlen sehr viel Spielraum lassen und keine eindeutige Entscheidung vorgeben können. Ein bedeutender Teil der Entscheidung ist viel zu sehr strategischer Natur, als dass sich die betriebswirtschaftlichen Auswirkungen ausreichend eng quantifizieren ließen. So stellt die von Vodafone AirTouch angekündigte mobile Intenet-Plattform mit dem dahinterstehenden globalen Datengeschäft eine entscheidende Komponente dar, wobei der relative Erfolg gegenüber der europäischen Mannesmann-Internetstrategie nicht abschätzbar ist. So läßt sich vor dem Hintergrund der dargelegten Zahlen auch die Aussage der Lehmen Brothers Studie erklären, wonach die strategische und wirtschaftliche Logik eines Zusammenschlusses bestechend sei und das Tauschangebot von Vodafone AirTouch attraktiv für die Aktionäre beider Seiten wäre.








 
 
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