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Völlig unerwartet gaben AOL (WKN 886631), und Time Warner (WKN 852675) bekannt, sich zum weltgrößten Medienunternehmen zu verbünden. Dazu wird AOL im Rahmen eines Aktientausches Time Warner für umgerechnet USD 190 Mrd. erwerben. AOL-Aktionäre erhalten für eine alte Aktie eine Aktie des neuen Unternehmens AOL Time Warner, während die bisherigen Time Warner Aktionäre 1,5 Aktien an dem neuen Medienkonzern erhalten. Im Zuge des Zusammenschlusses dürfte AOL Time Warner mit einer Marktkapitalisierung von rund USD 350 Mrd. zum siebtgrößten Wert im S&P 500 aufsteigen. Das neue Unternehmen soll gemeinsam von AOL-Chef Steve Case und Time Warner CEO Gerald Levin geleitet werden. Wenn die Kartellbehörden und die Aktionäre wie erwartet ihre Zustimmung zur Fusion geben, soll die Übernahme bis Ende des Jahres vollzogen sein.
Was bringt Time Warner in die Ehe mit?
Die Aktivitäten von Time Warner lassen sich grob in die Bereiche Medien, Unterhaltung und Nachrichten gliedern. Zu den bekanntesten Marken von Time Warner zählen der Nachrichtensender CNN, das Magazin Time, Warner Music, das Filmunternehmen Warner Bros. sowie der Anbieter für Internet-High-Speed-Zugänge Roadrunner. Mit rund 70.000 Mitarbeitern setzte Time Warner in 1998 rund USD 14,6 Mrd. um und erzielte dabei einen Vorsteuergewinn von USD 586 Mio. Im Vergleich dazu wird für AOL im Geschäftsjahr 1999/2000 mit rund 12.000 Mitarbeitern ein Umsatz von rund USD 6,5 Mrd. und ein Reingewinn von USD 838 Mio. erwartet.
Auswirkungen auf die GuV und Bewertung
Legt man die beiden GuV´s zusammen, so errechnet sich nach ersten Analystenschätzungen für das Kalenderjahr 2001 ein erwarteter Umsatz von USD 41 Mrd. Das Nettoergebnis könnte in eine Größenordnung von USD 3 Mrd. wachsen, was einem Gewinn von USD 0,63 je Aktie entsprechen würde. Damit läge das KGV auf Basis dieser ersten Schätzung bei rund 120. In diesen Schätzungen sind allerdings die Synergieeffekte, die in der Tat zu einem deutlichen zusätzlichen Umsatz- und Ergebnisschub führen könnten, noch nicht berücksichtigt.
Chancen des Deals
Worin liegen die Chancen des neuen Mediengiganten? Ein Großteil der Vorteile läßt sich vielleicht auf folgende Formel reduzieren: Time Warner bringt das Produkt "Inhalt", für das AOL die Vertriebsstruktur incl. eines riesigen Kundenstammes besitzt. Wie könnte sich dies in der Praxis darstellen? Warner stellt beispielsweise seine Musik- oder Filmbibliothek auf der AOL-Plattform zum digitalen Download zur Verfügung. Vor allem in diesem Bereich dürften angesichts der niedrigen variablen Kosten enorme Gewinnspannen realisierbar sein, sobald die technischen Voraussetzungen dafür geschaffen sind. Neben gegenseitiger Cross-Promotion dürfte auch auf umgekehrten Weg die Integration von AOL-Features (E-Mail, Shop@aol, ICQ, Buddie Lists) in die bestehenden Warner-Fernsehsender seinen Reiz besitzen. Dadurch sollte es dem Unternehmen möglich sein, seine Inhalte über die gesamte Wertschöpfungskette der verschiedenen Medienträger optimal zu verwerten und gleichzeitig die Kunden noch stärker zu binden
Risiken
Eine Frage ist sicherlich, ob der Unternehmensführung eine schnelle und reibungslose Integration der Mitarbeiter gelingt. Die andere ist eine Bewertungsfrage. Wird der neue Konzern als Internetunternehmen bewertet oder eher nach herkömmlichen Bewertungskriterien? Wie geht der Markt damit um, daß das Wachstum von AOL Time Warner im Vergleich zu AOL niedriger sein wird? Auf Basis der Gewinnschätzungen für 2001 von rund USD 0,63 errechnet sich ein KGV von rund 120. Allerdings sind hier etwaige Synergieeffekte noch unberücksichtigt. Zwar dürften in der Tat Wachstumsraten jenseits von 100% kaum mehr möglich sein, jedoch sollte ein Gewinnzuwachs von 30-40% durchaus realisiert werden können. Es würde uns deshalb wundern, wenn sich solche Gewinnwachstumsraten nicht positiv im Kursverlauf niederschlagen würden.
Fazit
AOL Time Warner hat alle Trümpfe in der Hand, sich als Medienkonzern des 3. Jahrtausends zu etablieren. Es liegt nun am Management, die Trümpfe richtig auszuspielen und die sich bietenden Möglichkeiten konsequent auszunutzen und dabei trotzdem agil und flexibel zu bleiben. Wenn AOL dies - wie in der Vergangenheit - gelingt, dürfte dem neuen Unternehmen AOL Time Warner eine rosige Zukunft bevorstehen.
Was bringt Time Warner in die Ehe mit?
Die Aktivitäten von Time Warner lassen sich grob in die Bereiche Medien, Unterhaltung und Nachrichten gliedern. Zu den bekanntesten Marken von Time Warner zählen der Nachrichtensender CNN, das Magazin Time, Warner Music, das Filmunternehmen Warner Bros. sowie der Anbieter für Internet-High-Speed-Zugänge Roadrunner. Mit rund 70.000 Mitarbeitern setzte Time Warner in 1998 rund USD 14,6 Mrd. um und erzielte dabei einen Vorsteuergewinn von USD 586 Mio. Im Vergleich dazu wird für AOL im Geschäftsjahr 1999/2000 mit rund 12.000 Mitarbeitern ein Umsatz von rund USD 6,5 Mrd. und ein Reingewinn von USD 838 Mio. erwartet.
Legt man die beiden GuV´s zusammen, so errechnet sich nach ersten Analystenschätzungen für das Kalenderjahr 2001 ein erwarteter Umsatz von USD 41 Mrd. Das Nettoergebnis könnte in eine Größenordnung von USD 3 Mrd. wachsen, was einem Gewinn von USD 0,63 je Aktie entsprechen würde. Damit läge das KGV auf Basis dieser ersten Schätzung bei rund 120. In diesen Schätzungen sind allerdings die Synergieeffekte, die in der Tat zu einem deutlichen zusätzlichen Umsatz- und Ergebnisschub führen könnten, noch nicht berücksichtigt.
Chancen des Deals
Worin liegen die Chancen des neuen Mediengiganten? Ein Großteil der Vorteile läßt sich vielleicht auf folgende Formel reduzieren: Time Warner bringt das Produkt "Inhalt", für das AOL die Vertriebsstruktur incl. eines riesigen Kundenstammes besitzt. Wie könnte sich dies in der Praxis darstellen? Warner stellt beispielsweise seine Musik- oder Filmbibliothek auf der AOL-Plattform zum digitalen Download zur Verfügung. Vor allem in diesem Bereich dürften angesichts der niedrigen variablen Kosten enorme Gewinnspannen realisierbar sein, sobald die technischen Voraussetzungen dafür geschaffen sind. Neben gegenseitiger Cross-Promotion dürfte auch auf umgekehrten Weg die Integration von AOL-Features (E-Mail, Shop@aol, ICQ, Buddie Lists) in die bestehenden Warner-Fernsehsender seinen Reiz besitzen. Dadurch sollte es dem Unternehmen möglich sein, seine Inhalte über die gesamte Wertschöpfungskette der verschiedenen Medienträger optimal zu verwerten und gleichzeitig die Kunden noch stärker zu binden
Risiken
Eine Frage ist sicherlich, ob der Unternehmensführung eine schnelle und reibungslose Integration der Mitarbeiter gelingt. Die andere ist eine Bewertungsfrage. Wird der neue Konzern als Internetunternehmen bewertet oder eher nach herkömmlichen Bewertungskriterien? Wie geht der Markt damit um, daß das Wachstum von AOL Time Warner im Vergleich zu AOL niedriger sein wird? Auf Basis der Gewinnschätzungen für 2001 von rund USD 0,63 errechnet sich ein KGV von rund 120. Allerdings sind hier etwaige Synergieeffekte noch unberücksichtigt. Zwar dürften in der Tat Wachstumsraten jenseits von 100% kaum mehr möglich sein, jedoch sollte ein Gewinnzuwachs von 30-40% durchaus realisiert werden können. Es würde uns deshalb wundern, wenn sich solche Gewinnwachstumsraten nicht positiv im Kursverlauf niederschlagen würden.
Fazit
AOL Time Warner hat alle Trümpfe in der Hand, sich als Medienkonzern des 3. Jahrtausends zu etablieren. Es liegt nun am Management, die Trümpfe richtig auszuspielen und die sich bietenden Möglichkeiten konsequent auszunutzen und dabei trotzdem agil und flexibel zu bleiben. Wenn AOL dies - wie in der Vergangenheit - gelingt, dürfte dem neuen Unternehmen AOL Time Warner eine rosige Zukunft bevorstehen.








