90% aller Suchanfragen weltweit laufen über Google, die
Suchmaschine von Alphabet. Microsoft kommt mit seiner Suchmaschine
Bing nur auf einen Marktanteil von 3%. Vernachlässigbar, könnte
man meinen. Doch ChatGPT ändert alles.
Die Antworten von ChatGPT mögen manchmal fehlerhaft sein. Doch sie
sind wesentlich konkreter als die Suchergebnisse einer
Suchmaschine. Als Startpunkt für eine Recherche sind die Antworten
von ChatGPT besser. Die Gefahr der KI liegt darin, dass die
Antworten sehr überzeugend formuliert sind und von vielen für bare
Münze genommen werden.
Kein anderer Dienst hat so schnell 100 Mio. DAUs (täglich aktive
Nutzer) gewonnen wie ChatGPT. Viele Fragen, die bislang über
Suchanfragen gelöst werden sollten, werden inzwischen direkt an
ChatGPT gestellt. Microsoft integriert ChatGPT immer weiter in das
eigene Angebot. Die Integration in Skype habe ich vor zwei Wochen
beschrieben. Bei dieser Wachstumsgeschwindigkeit ist auch der
Abstand zur Google Suchmaschine mit 1 Mrd. DAUs nicht mehr groß.
Gut möglich, dass Samsung die Gunst der Stunde nutzt, um den Preis in die Höhe zu schrauben. Dennoch zeigt die Entwicklung, dass das Suchmaschinenmonopol von Google gar nicht so unantastbar ist wie bislang gedacht. Und schon eine Veränderung der Nutzung um ein paar Prozent zu Lasten von Google würde erhebliche Einnahmeeinbußen für Alphabet nach sich ziehen ... und Gewinne bei Microsoft.
Vor diesem Hintergrund habe ich mir Gedanken darüber gemacht, welches der beiden Unternehmen eigentlich derzeit besser aufgestellt ist. Und Sie werden überrascht sein, dass ich als Apple-Jünger nun Microsoft als besser positioniert sehe. CEO Satya Nadella hat seit seiner Amtsübernahme viel überflüssiges Fett von Microsoft abgeschlagen, den Konzern auf SaaS (Software as a Service = Abomodell) getrimmt und das Office-Paket intelligent um weitere Dienste erweitert und zu Teams gemacht.
Die Integration von ChatGPT in die Teams-Umgebung ist ein weiterer Schritt, der von ihm lange vorbereitet wurde. Es spricht für eine Weitsicht, die Alphabet CEO Sandra Pichai mit seinen unzähligen "Other Bets" nicht mehr hat erkennen lassen. Und da ich stets dem CEO eines Unternehmens große Bedeutung zuspreche, ist Microsoft in meinen Augen strategisch deutlich besser positioniert.
Investment vs. Spekulation
Schauen wir uns mal an, ob sich diese Erkenntnis bereits in den
jeweiligen Bewertungsniveaus niedergeschlagen hat. Microsoft hat
eine Gewinnmarge (EBITDA) von 48%, Alphabet nur von 39%. Dafür
wächst der Gewinn von Alphabet im laufenden Jahr mit
voraussichtlich 5%, während Microsoft nur 2% avisiert. Beide
Unternehmen verfügen über reichlich Cash und beide Unternehmen
investieren jährlich 10-12% Ihres Umsatzes. Microsoft zahlt
immerhin schon eine Dividende und erhöht diese jedes Jahr, die
Rendite steht jedoch nur bei 1%. Alphabet zahlt noch keine
Dividende.
Für 2023 steht das EV/EBITDA von Alphabet bei 11, das von
Microsoft bei 21. Bei sonst vergleichbaren Kennzahlen ist Alphabet
also nur halb so teuer, vielleicht weil der Gewinn doppelt so
schnell wächst. Hmm, was ziehen wir nun daraus?
Beides sind hervorragend geführte Unternehmen, beide Unternehmen
werden meiner Einschätzung nach von neuen technologischen
Entwicklungen wie der KI profitieren. Es ist extrem aufwendig, die
KI für die Kunden nutzbar zu machen. Microsoft hat derzeit die
Nase vorn, Alphabet wird sich jedoch nicht abhängen lassen. Doch
ich könnte mir gut vorstellen, dass Microsoft dadurch, dass es die
Nase vorn hat, Alphabet ein paar Marktanteile abnehmen kann.
Diese Erwartung ist offensichtlich bereits in die beiden Aktien
eingepreist. Daher würde es mich nicht wundern, wenn kurz und
mittelfristig, also auf Sicht von bis zu sechs Monaten, Alphabet
aufgrund der günstigeren Bewertung ein wenig Aufholpotential hat.
Langfristig dürfte meiner Einschätzung nach jedoch Microsoft
besser laufen, weil es sich neue Marktanteile erobert und dadurch
das eigene Wachstum ein wenig nach oben schrauben könnte.
Zur Erinnerung: Die aktuellen Schätzungen sind meist lineare
Extrapolarisationen der Gegenwart von Analysten. Darin sind
exponentielle Entwicklungen eines überlegenen Angebots niemals
enthalten, weil man das schwer in Zahlen ausdrücken kann. Dennoch
würde ich als langfristig orientierter Investor derzeit Microsoft
vorziehen. Zum Spekulieren hingegen würde ich Alphabet nehmen.
Zu Apple, SAP, Amazon und Tesla geht es hier weiter: https://www.heibel-ticker.de/heibel_tickers/2082#ch02
| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 422,66 $ | 420,07 $ | 2,59 $ | +0,62% | 17.04./23:39 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| US5949181045 | 870747 | 555,00 $ | 355,70 $ | |
| Handelsplatz | Letzter | Veränderung | Zeit |
|
|
359,20 € | +0,73% | 17.04.26 |
| Xetra | 364,60 € | +2,72% | 17.04.26 |
| Hamburg | 365,20 € | +2,53% | 17.04.26 |
| Hannover | 359,90 € | +1,49% | 17.04.26 |
| München | 359,95 € | +1,25% | 17.04.26 |
| Düsseldorf | 359,55 € | +1,03% | 17.04.26 |
| Stuttgart | 359,75 € | +0,77% | 17.04.26 |
| Frankfurt | 359,45 € | +0,70% | 17.04.26 |
| AMEX | 423,27 $ | +0,65% | 17.04.26 |
| Nasdaq | 422,66 $ | +0,62% | 17.04.26 |
| NYSE | 422,65 $ | +0,59% | 17.04.26 |
|
| Antw. | Thema | Zeit |
| 1514 | Microsoft - long-Chance | 16.04.26 |
| 7 | Tech-Aktien-Crash als Chance . | 14.08.24 |
| 6 | Warum Tech-Aktien so billig s. | 10.02.24 |
| 55 | Microsoft | 21.07.23 |
| Löschung | 03.05.21 |










