Argentinien befindet sich in Gesprächen zu Bergbaukooperationen mit den USA und Deutschland. Das ohnehin schon starke Wachstum dieses Sektors könnte dadurch weiter an Fahrt gewinnen. Präsident Javier Milei sucht indes einen neuen Bergbauminister.
Argentinien arbeitet offenbar an ausländischen Direktinvestitionen in seinen Bergbausektor. So gab es in der vergangenen Woche ein Treffen zwischen der argentinischen Kammer der Bergbauunternehmen (CAEM) und Brian A. Nichols, dem stellvertretenden US-Außenminister für Angelegenheiten der westlichen Hemisphäre.
Im Rahmen des Treffens wurden laut der CAEM "aktuelle Ereignisse im Zusammenhang mit der Bergbauindustrie" diskutiert. Erörtert worden sei zudem eine "gegenseitige Zusammenarbeit für das Wachstum und die Expansion des Bergbausektors". Argentinien solle als "strategische Akteur" positioniert werden.
Argentinien als "strategischer Akteur"
An dem Treffen waren neben der Kammer und der US-Regierung auch in Argentinien aktive Unternehmen beteiligt. So saßen etwa auch Vertreter von Arcadium Lithium, das aus der Fusion von Allkem und Livent hervorgegangen ist, mit am Tisch. Arcadium Lithium betreibt Niederlassungen in den argentinischen Provinzen Jujuy und Catamarca. Auch Vertreter von Albemarle, Livent, Lake Resources und dem Hersteller von Lithiumextraktionssystemen, Lilac Solutions, waren vor Ort.
Nur wenige Tage zuvor gab es ein hochrangiges Treffen zwischen deutschen und argentinischen Beamten. Die argentinische Bergbauministerin Flavia Royon und eine Delegation von Regierungs- und Wirtschaftsvertretern besuchten Deutschland, um für Argentiniens Stärken im Hinblick auf die Lieferkette für kritische Rohstoffe zu werben.
Von deutscher Seite waren unter anderem Vertreter des deutschen Außenministeriums und Mitglieder des Wirtschaftsausschusses des Deutschen Bundestages anwesend. Deutschland soll insbesondere Interesse an der Exploration und Produktion von Kupfer und Lithium gezeigt und hier auch die Möglichkeit von Fördermitteln für deutsche Unternehmen in den Raum gestellt haben. Im März soll ein deutscher Delegierter Argentinien besuchen, um die Gespräche fortzusetzen.
Deutscher Besuch in Argentinien für März geplant
Dass die Regierung unter dem neuen Präsidenten grundlegende Änderungen anstrebt, wird auch bei Personalentscheidungen deutlich. Präsident Milei wünschte vor einigen Tagen den Rücktritt der Bergbauministerin Flavia Royon, die diese Entscheidung "nicht infrage stellen" will.
Milei begründet dies mit den besonderen Herausforderungen, vor denen das Land steht. "Die überkommene Wirtschaftskrise und der aktuelle historische Moment erfordern Beamte, die sich für die Modernisierung, Vereinfachung und Entbürokratisierung des Staates einsetzen". Royon gehört für Milei offensichtlich nicht in diese Kategorie.
Derzeit wird eine Kandidatenliste erstellt. Hoch gehandelt wird mit Pablo Rutiglianon der Präsident der Lateinamerikanischen Lithiumkammer. Er verspricht, die Wettbewerbsfähigkeit des argentinischen Bergbaus zu fördern, die Produktivität der Betriebe zu verbessern und die Logistik- und Transportkosten zu senken.
Die Lithiumproduktion des Landes wächst allerdings bereits jetzt dynamisch. Lithium wird in Argentinien vor allem in den nördlichen Provinzen Jujuy, Catamarca und Salta produziert, wo es große unterirdische Solereservoire gibt. Catamarca mit seiner Salzwüste Hombre Muerto ist die Provinz mit der höchsten Lithiumproduktion im Land.
Hier wurden zuletzt 20.000 t Lithiumcarbonatäquivalent (LCE) produziert. Insgesamt lag die argentinische Produktion zuletzt bei 34.000 t LCE. Damit belegt das Land hinter Australien, Chile und China den vierten Platz.
Die Bergbauexporte insgesamt haben im Jahr 2023 die Marke von 4 Milliarden US-Dollar überschritten und werden in diesem Jahr voraussichtlich auf rund 5 Milliarden US-Dollar steigen.
Wichtige Akteure in diesem Bereich sind unter anderem Arcadium, Albemarle, Pohang Iron and Steel Company (POSCO), Lithium Americas und Eramet. Diesen und weiteren Unternehmen könnte es neuesten Prognosen zufolge gelingen, die jährliche Produktion von Lithiumcarbonatäquivalent bis zum Jahr 2027 auf 260.000 t zu steigern. Die Steigerung geht auf die drei aktiven Minen, aber vor allem auf 38 in Entwicklung befindliche Projekte zurück.
Strategisch ist Argentinien aufgrund seiner geologischen Lage im Lithiumdreieck für ausländische Kooperationspartner äußerst interessant. Das Lithiumdreieck erstreckt sich zusätzlich über Chile und Bolivien und bietet mit hochgelegenen Seen und Salzebenen ein großes Reservoir, das mehr als die Hälfte der derzeit bekannten Lithiumressourcen weltweit beherbergt.
Gleichzeitig gilt Argentinien als politisch vergleichsweise sicher, zumal der neu gewählte Präsident sich klar für eine prowestliche Ausrichtung ausgesprochen hat.
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