Wann gehen die Lichter aus“, titelten wir Anfang Juli zu Intershop, als der Konzern eine harsche Gewinnwarnung für das laufende Jahr bekannt gab. Die am Donnerstag bekannt gegebenen Halbjahreszahlen zeigen alles andere als eine entspannte Situation.
Die Eckdaten für das zweite Quartal: Umsatzhalbierung auf 5,6 Mio. Euro, 6,6 Mio. Euro Verlust und ein Verbrauch an liquiden Mitteln in Höhe von 5,9 Mio. Euro. Zwar hat sich der Verlust aufgrund massiver Kostensenkungen um 22 Prozent verringert, allerdings geht Intershop in Sachen Liquidität buchstäblich „auf dem Zahnfleisch“. Ganze 3,8 Mio. Euro liquide Mittel waren zum 30.6. verfügbar. Dazu kommen rund 7 Mio. Euro, die gebunden sind. Intershop erwartet, davon 5 Mio. Euro kurzfristig frei zu bekommen.
Das muss auch dringend geschehen: Die Jahresplanung zeigt, dass die Geldverbrennung in Jena weiter gehen dürfte. Für das Gesamtjahr werden bei Umsätzen von 25 Mio. Euro Gesamtbetriebskosten zwischen 40 und 45 Mio. Euro erwartet. Für das zweite Halbjahr gelten damit die folgenden Zielmarken: Gesamtbetriebskosten zwischen 12,8 und 17,8 Mio. Euro bei einem Umsatz von rund 13 Mio. Euro.
Es wird klar, dass in Jena die Lampen maximal noch auf Sparflamme leuchten. Die Luft zum Überleben wird für Intershop immer knapper. Greift auf der Kostenseite das schlechtere Szenario, sind die derzeit frei verfügbaren liquiden Mittel weg. Die Rechnung zeigt, wie dringend und händeringend das Intershop um die Freigabe der 5 Mio. Euro kämpft. Zieht man nun noch ins Kalkül, dass Intershop in den letzten Quartalen seine Planungen regelmäßig deutlich verfehlt hat, wird das Risiko klar: Gehen nur einige Dinge schief oder werden die 5 Mio. Euro nicht freigegeben, droht die Pleite.
Es sei denn ein weißer Ritter taucht auf. Die Frage ist, ob dieser an einer gesamten Firmenstruktur, wie sie Intershop aufweist, interessiert wäre, oder nur an den Filetstücken, die im Rahmen einer Insolvenz sicherlich billiger zu bekommen wären. Angesichts der schwachen Investitionen in der IT-Branche dürfte eher das Produkt als die Kapazität von Interesse sein – was für ein Insolvenzszenario und gegen einen weißen Ritter spricht.
Und so muss sich Intershop wohl am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen. Wie das aufgrund der knappen Liquidität bei weiteren Liquiditätsabflüssen gelingen soll, ist mehr als fraglich. Ob die Massenentlassung von rund 250 Leuten noch rechtzeitig geschehen ist, steht ebenfalls in den Sternen. Reichlich viel Risiken für ein Unternehmen, das von den Börsianern immer noch mit dem 1,3-fachen des diesjährigen erwarteten Umsatzes bewertet wird. |