Das Trading-Update hat erst einmal keine direkten negativen Meldungen hervorgebracht, man sieht sich auf einem guten Weg, die eigenen Prognosen zu erfüllen. Also ist die Kursschwäche eine goldene Nachkaufgelegenheit?
Der Markt sieht glaube ich verschiedene Punkte sehr kritisch. Dabei ist eine potentielle Erhöhung der Tabaksteuer in Deutschland sicherlich das geringste Problem. Unangenehm ist der angekündigte potentielle Marktanteilsverlust in den Kernmärkten. Ein ganz wichtiger Faktor für den Turnaround in den vergangenen Jahren war das Konzept des stop bleeding, also gerade das Beenden der Marktanteilsverluste in den Kernmärkten. Andererseits verweist das aktuelle Management wohl nicht zu Unrecht darauf, dass der Marktanteil an sich nicht unbedingt entscheidend ist, sondern dass man sich auf lukrativere Bereiche fokussieren möchte. Die Frage ist, ob das ohne Ertragsverluste 1 zu 1 so klappt.
Ein anderer Faktor für ein Störgefühl ist die explizite Nennung des Iran-Krieges, wobei betont wird, dass sich zur Zeit noch keine negativen Auswirkungen erkennen lassen. Aber die Klassifizierung als Risikofaktor sorgt für Unruhe bei den Anlegern. Sicherlich könnte insbesondere die Tochter Logista davon stärker betroffen sein. Aber andererseits bildet der Logistik-Sektor nach wie vor nur einen sehr kleinen Anteil an den Erträgen von IMB.
Für mich nicht sehr schön klingt das free-cash-flow Ziel von mindestens 2,2 MRD GBP. Mit dem free-cash-flow steht und fällt der aktionärsfreundliche Mix aus Dividende und ARP. Gerade das massive ARP hat ordentlich was weggeholzt und sorgt für EPS-Steigerungen am Rande des zweistelligen Bereiches. Letztes GJ hat man ein free-cash-flow von 2,7 MRD GBP erzielt. Dieser wurde quasi vollständig an die Aktionäre ausgekehrt. Grob gerechnet im Schnitt 800 Mio. Aktien x 1,60 GBP Dividende = knapp 1,3 MRD sowie ein ARP von 1,45 MRD GBP, macht eine direkte und indirekte Ausschüttung an die Aktionäre von gut 2,7 MRD GBP.
Bei leicht erhöhter Dividende und entsprechend weniger Aktien benötige ich vielleicht nur 1,2 MRD GBP für die Dividende. Das ARP müsste dann allerdings deutlich zurückgefahren werden auf eine Größenordnung von gut einer MRD GBP, es sei denn man finanziert ein höheres ARP über höhere Schulden. Um das Leverage im Zielkorridor zu halten ist dafür allerdings nicht viel Luft.
Hier darf jeder mal abwägen. Ist ein Kursrückgang von über 10 % gerechtfertigt, oder übertreibt der Markt, und es eröffnet sich eine nette Gelegenheit, IMB deutlich unter 30 GBP einzusammeln? Auf dem aktuellen Kursniveau dürfte zumindest die Dividendenrendite nach der extrem wahrscheinlichen Dividendenanhebung wieder nahe 6 % sein.
Grundsätzlich gilt glaube ich, was ich letztens schon einmal auch bei BAT beschrieben habe, Tabak hat in den letzten fünf Jahren einfach eine sehr gute Entwicklung genommen, so dass nicht mehr viel Luft nach oben ist und bei schlechten Nachrichten dann auch schnell Verkaufsbereitschaft aufkommt. |