Die eigentliche Tragödie liegt darin, dass ein Abkühlen der überhitzten Gemüter nicht in Sicht ist; eher das traurige Gegenteil ist der Fall, womit wir wieder beim Handball wären. Kurz vor Beginn der Weltmeisterschaft berichtete die taz, dass in dieser Sportart kaum Migranten mittun, es das «Spiel der Autochthonen» sei. Dabei zitierten sie zwei Forscher der Universität Bielefeld, die den Handballvereinen in ihrer Arbeit vorwarfen, unbewusste Grenzen zu ziehen, da diese Werte beanspruchen, «die als typisch deutsch gelten: Bodenständigkeit, Ehrlichkeit, Authentizität».
Das Böse lauert überall.
Was an diesen Eigenschaften ausgrenzend sein soll, bleibt ein Rätsel, aber die Botschaft der Forscher ist klar: Die Clubs müssen sich öffnen, auf unterschiedliche Milieus zugehen. Der Vorwurf der Abschottung, wenn auch unbewusst, wirkt reichlich konstruiert – aber es passt, wie Kretzschmar das sagt, einfach ziemlich gut ins Konzept.
Die Forscher schreiben auch, dass der Spielbetrieb mit mehr Migranten langfristig gesichert werden könnte. Ist der deutsche Handball also vom Aussterben bedroht? Wohl kaum. Deutschland ist Mitfavorit auf den Titel.
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