Aber zurück zu den Guillotinen. Es gibt einen zweiten Grund, warum ein Tyrannenmord ganz einfach praktisch nicht mehr möglich ist. Schon die Monarchie-Theoretiker des ausgehenden Mittelalters hatten begriffen, dass sich die Macht eines Herrschers u.a. auf zwei wichtigen Säulen verteilte: A) der gefüllte Staatssäckel und B) Die Schwerter der Soldaten.
Übersetzen wir beides in die Neuzeit, stellen wir fest, dass die Bilder A) die Macht des Geldes und B) die „Nationale Sicherheit“, und damit verbundene Maßnahmen, dazu geführt haben, dass es zu einer Machtverteilung gekommen ist. Die Macht des Geldes übernimmt die Finanzelite des Landes und die Eigentümer großer Konzerne. B) Die nationale Sicherheit übernimmt die politische Elite.
Beide sind aufeinander angewiesen. So wie es früher auch ein absolutistischer Herrscher war. Der seine Truppen zum Plündern und Raubschatzen legitimierte, und dafür von diesen beschützt wurde.
Nur dass diesmal alles viel verflochtener ist, und, Stichwort militärisch industrieller Komplex, Gold und Schwert sich schon bald so selbständig gemacht haben, dass sie den sie legitimierenden Herrscher, den Souverän oder seinen Vertreter, gar nicht mehr benötigen.
Mit anderen Worten: Tyrannenmord ist heute praktisch gar nicht mehr möglich, weil die Macht der Schwerter, und die Macht des Goldes, als Synonym für Vermögen, auf globaler Ebene, einfach zu groß geworden ist.Ist Widerstand gerechtfertigt? Wenn ja, wann und mit welchen Mitteln? Welche Aussichten hat Widerstand gegen die Herrschenden im 21. Jahrhundert? |