FR0000130395 - Remy Cointreau
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neuester Beitrag: 17.04.26 17:06
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| eröffnet am: | 17.04.26 17:06 von: | MrTrillion3 | Anzahl Beiträge: | 1 |
| neuester Beitrag: | 17.04.26 17:06 von: | MrTrillion3 | Leser gesamt: | 52 |
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Rémy Cointreau ist für mich im April 2026 ein Fall von: sehr gutes Unternehmen, aber keine bequeme Aktie. Der Kurs lag am 17.4.2026 bei rund 41,38 Euro; bei 52,59 Millionen Aktien entspricht das grob 2,18 Milliarden Euro Börsenwert. Das Unternehmen ist weiter familienkontrolliert, der Free Float liegt nur bei rund 40 Prozent. Mein Urteil deshalb vorweg: operativ ist Rémy Cointreau derzeit klar in einer Erholungs- und Umbauphase, nicht in einem sauberen, breit abgestützten Wachstumstrend. Wer die Aktie kauft, kauft heute vor allem die Wette auf eine Normalisierung bei Cognac, China und den USA. (MarketScreener)
Zur Einordnung: Das Haus Rémy Martin geht auf 1724 zurück, Cointreau auf 1849; der heutige Konzern entstand 1990 aus dem Zusammenschluss der Familienholdings hinter Rémy Martin und Cointreau. Rémy Cointreau ist also kein Modewert, sondern ein historisch gewachsener französischer Premium-Spirituosenkonzern mit 14 Marken, darunter Rémy Martin, LOUIS XIII, Cointreau, Metaxa, Mount Gay, Bruichladdich und The Botanist. Genau diese Historie ist auch Teil des Burggrabens: Solche Marken, ihre Herkunft, ihre Reifung, ihr Vertriebsnetz und ihre Preispunkte baut man nicht in fünf Jahren nach. (remy-cointreau.com)
Das Problem ist nur: Rémy Cointreau ist deutlich konzentrierter als viele Anleger bei einem Spirituosenwert intuitiv annehmen. Im Geschäftsjahr 2024/25 kamen 62 Prozent des Umsatzes aus Cognac, nur 36 Prozent aus Liqueurs & Spirits; regional lagen 40 Prozent in Asien-Pazifik und 37 Prozent in den Amerikas. Das ist gleichzeitig Stärke und Schwäche. Stärke, weil Cognac und Prestige-Cognac extrem margenträchtig sein können. Schwäche, weil Rückschläge in China oder in den USA eben nicht ein bisschen weh tun, sondern direkt in die Konzernzahlen schlagen. Für mich ist Rémy deshalb kein defensiver Konsumwert im Stil eines breit diversifizierten Basiskonsumgüterkonzerns, sondern ein zyklischer Premium-Spirituosenwert mit Luxusanteil.
Die Fundamentals zeigen das recht klar. 2024/25 sank der Umsatz auf 984,6 Millionen Euro, die Bruttomarge blieb mit 70,6 Prozent zwar sehr hoch, aber der Current Operating Profit fiel auf 217,0 Millionen Euro und die operative Marge auf 22,0 Prozent. Der Nettogewinn des Konzerns sank auf 121,2 Millionen Euro. Gleichzeitig stieg die Nettoverschuldung auf 675,4 Millionen Euro, das Verhältnis Nettoschuld zu EBITDA auf 2,40. Das ist noch keine kaputte Bilanz, aber eben auch nicht mehr die Komfortzone, die man bei einem Premiumwert gern hätte. Positiv ist: Rémy bleibt trotz des Abschwungs klar profitabel und verteidigt eine außergewöhnlich hohe Bruttomarge. Negativ ist: Die Gewinnbasis ist zuletzt deutlich weggebrochen. (Rémy Cointreau)
Auch die aktuelleren Zahlen zeigen eher Stabilisierung als schon echte Gesundung. Im ersten Halbjahr 2025/26 lagen die Erlöse bei 489,6 Millionen Euro, organisch 4,2 Prozent unter Vorjahr; der Current Operating Profit fiel organisch um 13,6 Prozent auf 108,7 Millionen Euro, die operative Marge auf 22,2 Prozent. Die Nettoverschuldung lag Ende September 2025 bei 686,7 Millionen Euro. Zugleich standen 2,10 Milliarden Euro Vorräte in der Bilanz, davon 1,81 Milliarden Euro alternde Weine und Eaux-de-vie. Genau das ist der besondere Hebel des Geschäfts: Diese Bestände sind bilanziell kapitalintensiv, aber strategisch wertvoll, weil sie die künftige Premiumisierung und das hohe Preisniveau überhaupt erst ermöglichen. Im dritten Quartal kam dann immerhin ein kleines Lebenszeichen: organisch plus 2,8 Prozent, nach neun Monaten noch minus 1,9 Prozent. Das ist ein Fortschritt, aber noch kein Beweis für einen nachhaltigen neuen Aufschwung. (remy-cointreau.com)
Warum ist die Lage so zäh? Weil Rémy Cointreau in den letzten Jahren an genau den empfindlichsten Stellen getroffen wurde. Reuters schrieb im Januar 2026, dass Rémy rund 70 Prozent seines Geschäfts mit Cognac macht, vor allem in den USA und in China. Genau dort kamen Branchenabschwung, Preisprobleme, schwache Nachfrage und Handelskonflikte zusammen. Immerhin wurde in China im Juli 2025 ein „Price Undertaking“-Abkommen geschlossen: Statt endgültiger Anti-Dumping-Zölle gilt ein Mindestimportpreis; das Management nannte diese Lösung ausdrücklich deutlich weniger restriktiv als die zunächst befürchteten endgültigen Maßnahmen. Trotzdem bleibt der China-Kanal belastet. Und dass Rémy im Juni 2025 sogar die Ziele für 2029/30 zurückgezogen hat, zeigt, wie gering die Visibilität zuletzt war. (Reuters)
Strategisch ist deshalb jetzt alles auf Umbau gestellt. Franck Marilly ist seit dem 25. Juni 2025 CEO. Unter ihm hat Rémy am 8. April 2026 das Transformationsprogramm „RC Forward“ gestartet. Die fünf Hebel sind klar benannt: effizienterer Vertrieb, besseres Revenue Growth Management, schärfere Allokation von A&P-Ausgaben, Beschaffungsoptimierung und eine schlankere Organisation. Erste Fortschritte will der Konzern mit den Jahreszahlen am 4. Juni 2026 vorlegen, neue mittelfristige Ziele dann im November 2026. Das ist die richtige Stoßrichtung. Aber man sollte sich nichts vormachen: Wenn ein Unternehmen eine solche Transformation ankündigt, ist das kein Zeichen operativer Stärke, sondern der Beleg, dass das alte Modell in der aktuellen Marktphase nicht mehr gereicht hat. (Euronext Live)
Zur Aktie selbst: Der von Rémy Cointreau veröffentlichte Analystenkonsens für 2025/26 liegt per 17.4.2026 bei 938 Millionen Euro Umsatz, 163,5 Millionen Euro Current Operating Profit, 17,4 Prozent wiederkehrender operativer Marge und 698,9 Millionen Euro Nettoschuld. Rechnet man den damaligen Kurs von 41,38 Euro auf die 52,59 Millionen Aktien hoch, kommt man auf rund 2,18 Milliarden Euro Börsenwert; inklusive erwarteter Nettoschuld sind das knapp 2,88 Milliarden Euro Unternehmenswert. Bezogen auf den Konsens für den wiederkehrenden operativen Gewinn bezahlt man also grob das 17,6-Fache. Dazu kommt auf Basis der zuletzt beschlossenen Dividende von 1,50 Euro je Aktie eine laufende Rendite von rund 3,6 Prozent. Das ist nicht teuer wie zu den Exzessen 2021, aber für einen laufenden Turnaround auch nicht spottbillig. (remy-cointreau.com)
Meine Kursziele wären deshalb szenariobasiert. Im Basisszenario liegt mein 12-Monats-Kursziel bei 45 Euro. Das unterstellt keine Wunder, sondern nur, dass sich die Umsatzbasis stabilisiert, die Marge nicht weiter abrutscht und der Markt beginnt, der Erholung wieder mehr zu trauen. Im bullischen Szenario sehe ich 58 Euro, falls China und die USA gleichzeitig besser laufen, Rémy bei Cognac die Volumina sauber zurückholt und RC Forward glaubwürdig auf die Profitabilität einzahlt. Im negativen Szenario sehe ich 30 Euro, falls die Nachfrage in China schwach bleibt, die US-Preisanpassungen die Marge stärker beschädigen und die Erholung wieder vertagt wird. Das Entscheidende: Bei Rémy Cointreau hängt der Hebel derzeit viel stärker am operativen Turnaround als an klassischer Mehrfachausweitung. Die Aktie ist also eher eine Erholungswette als ein Selbstläufer. (remy-cointreau.com)
Auf Sicht von fünf bis fünfzehn Jahren bleibe ich trotzdem grundsätzlich konstruktiv. Der Grund ist simpel: Wirklich starke Spirituosenhäuser mit jahrzehnte- oder jahrhundertealten Marken, gereiften Beständen und globalem Premiumvertrieb sind selten. Wenn Rémy den jetzigen Zyklus übersteht, ohne seine Marken zu beschädigen, kann das Unternehmen wieder sehr attraktiv werden. Die alternden Bestände in der Bilanz sind dafür ein echter Vermögenswert, nicht bloß totes Kapital. Aber ich würde Rémy langfristig trotzdem unter Diageo und auch unter Pernod Ricard einordnen, weil der Konzern kleiner, konzentrierter und vom Cognac-Zyklus abhängiger ist. Langfristig ist also viel Potenzial da, aber die Schwankungen dürften deutlich höher bleiben als bei den breiter aufgestellten Wettbewerbern. (remy-cointreau.com)
Unterm Strich ist Rémy Cointreau für mich derzeit qualitativ besser als seine operative Lage, aber operativ schlechter als sein Markenimage. Genau daraus entsteht die Chance. Wer absolute Stabilität sucht, ist hier falsch. Wer Geduld hat, zyklische Schwäche aushält und darauf setzt, dass starke Marken, gereifte Bestände und ein neuer CEO den Konzern wieder in eine normalere Ertragszone führen, kann die Aktie auf dem heutigen Niveau interessant finden. Mein Gesamturteil lautet deshalb: gutes Unternehmen, spekulativ interessante Turnaround-Aktie, aber noch keine klare Qualitätsaktie im Erntezustand.
Autor: ChatGPT





