FR0000062796 - Maison Pommery & Associes
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neuester Beitrag: 16.04.26 23:58
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| eröffnet am: | 16.04.26 23:56 von: | MrTrillion3 | Anzahl Beiträge: | 2 |
| neuester Beitrag: | 16.04.26 23:58 von: | MrTrillion3 | Leser gesamt: | 227 |
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Maison Pommery & Associés ist für mich keine klassische Qualitätsaktie, sondern eine potenziell interessante, aber bilanziell heikle Speziallage mit starken Marken. Zuerst die Einordnung: Die börsennotierte Gesellschaft hieß bis Ende 2025 Vranken-Pommery Monopole und firmiert seit dem 1. Januar 2026 als Maison Pommery & Associés. Sie ist in Paris und Brüssel unter der ISIN FR0000062796 und dem Kürzel POMRY notiert. Am 16.4.2026 lag der zuletzt gehandelte Kurs bei 10,40 Euro; bei 8.937.085 Aktien ergibt das nur rund 93 Mio. Euro Börsenwert. Genau dieser sehr niedrige Börsenwert ist der Grund, warum die Aktie optisch billig aussieht. (Euronext Live)
Historisch ist das Unternehmen deutlich stärker, als der heutige Börsenwert vermuten lässt. Die Wurzeln von Pommery reichen bis 1836 zurück; 1874 schuf Madame Pommery den ersten Brut-Champagner der Geschichte. Die spätere Vranken-Seite des Konzerns entstand 1976. Heute bündelt die Gruppe Pommery, Vranken, Pompadour und Charles Lafitte sowie Weingüter in Provence, Camargue und im Douro. Sie bewirtschaftet oder pachtet insgesamt 2.600 Hektar Rebflächen, ist in 10 internationalen Tochtergesellschaften präsent, erzielt 70 Prozent ihres Umsatzes im Export und erwirtschaftet 68 Prozent des Champagne-Umsatzes mit den Marken Pommery und Vranken. Das ist operativ kein kleines Nischenunternehmen, sondern ein markengetriebener Champagner- und Weinverbund mit echter Substanz. (Maison Pommery & Associés)
Fundamental war 2025 zweigeteilt. Der Umsatz sank um 3,6 Prozent auf 293,2 Mio. Euro, das Current Operating Income fiel von 35,7 auf 20,0 Mio. Euro, und das EBITDA lag bei 43,3 Mio. Euro. Gleichzeitig sprang das ausgewiesene operative Ergebnis auf 64,1 Mio. Euro und der Jahresüberschuss auf 31,9 Mio. Euro. Das klingt zunächst stark, ist aber bilanziell verzerrt: Der Verkauf von Heidsieck & Co Monopole brachte einen Veräußerungsgewinn von 44,3 Mio. Euro, außerdem belastete eine Lagerwertberichtigung von 10,5 Mio. Euro das laufende Geschäft. Unterm Strich heißt das: Das berichtete Nettoergebnis 2025 war gut, die zugrunde liegende Ertragskraft des operativen Geschäfts aber deutlich schwächer. Positiv ist immerhin, dass das Unternehmen in einem schrumpfenden Markt 2025 Marktanteile gewann: Flaschenvolumen plus 3,6 Prozent bei einem Branchenrückgang von 2,2 Prozent, Wert plus 0,1 Prozent bei einem Marktrückgang von 3,3 Prozent. (Euronext Live)
Der eigentliche Knackpunkt ist die Bilanz. Zum 31.12.2025 standen 430,2 Mio. Euro Eigenkapital, aber auch 671,2 Mio. Euro Vorräte, nur 10,4 Mio. Euro Cash und 754,4 Mio. Euro Nettofinanzschulden in den Büchern. Nach dem zweiten Zahlungseingang aus dem Heidsieck-Verkauf Anfang Januar hätte sich die bereinigte Nettofinanzschuld auf etwa 729,4 Mio. Euro verbessert. Selbst dann bleibt die Verschuldung im Verhältnis zur Marktkapitalisierung extrem hoch. Rechnerisch liegt das Nettofinanzschulden-zu-EBITDA-Verhältnis grob bei 17,4x, bereinigt immer noch bei rund 16,8x. Das ist für eine Aktie kein Komfortpolster, sondern harter Bilanzstress. Wichtig ist auch: Die Gesellschaft hat 2024/2025 ihre Bilanzierung nach IFRS 9/IAS 8 angepasst; ältere Kennzahlen, etwa die 2024er Nettoverschuldung von 654,3 Mio. Euro auf der Key-Figures-Seite, sind deshalb für Vergleiche zu niedrig. Ich halte mich hier an die neueren restatierten Zahlen aus der 2025er Jahresmitteilung. Wer nur auf Kurs-Buchwert-Verhältnis oder Kurs-Umsatz-Verhältnis schaut, läuft hier sonst direkt in eine Bewertungsfalle. (Euronext Live)
Strategisch gefällt mir, dass das Management den Konzern auf Pommery als Premium-Plattform zuschneidet. Der Verkauf von Heidsieck & Co Monopole für 50 Mio. Euro war Teil dieser Fokussierung und der Entschuldung. Für 2026 stellt das Unternehmen bessere laufende Margen, sinkende Finanzierungskosten und weitere Verkäufe nicht-strategischer Vermögenswerte von über 50 Mio. Euro in Aussicht. Operativ meldete die Gesellschaft per Ende Februar auf vergleichbarer Basis bereits ein Volumenplus von 4,2 Prozent und für Pommery sogar plus 9,2 Prozent, während die Champagne-Auslieferungen insgesamt leicht rückläufig waren. Das ist die gute Seite. Die schlechte Seite: Die 2025er Zahlen waren bei Veröffentlichung noch im Prüfungsprozess, und die Veröffentlichung des Universal Registration Document 2025 wurde am 10. April 2026 vom 15. auf den 27. April verschoben, offiziell wegen einer geplanten Governance-Änderung. Zusätzlich war laut letzter Halbjahresmitteilung die nächste Anleihefälligkeit von 45 Mio. Euro bereits für Juni 2026 angekündigt. Das ist kein Drama, aber es zeigt, dass hier Finanzierung und Governance noch nicht sauber vom Tisch sind. (Euronext Live)
Das Branchenumfeld ist ordentlich, aber nicht euphorisch. Der Comité Champagne meldete für 2024 weltweit 271,4 Mio. ausgelieferte Flaschen, nach 2025 dann nur noch 266 Mio. Flaschen. Der Markt schrumpft also, wenn auch nicht kollapsartig. In so einem Umfeld sind Markenstärke, Preismacht, Exportfähigkeit und Knappheit der Appellation klare Pluspunkte. Genau deshalb ist Pommery operativ interessanter als viele andere kleine europäische Konsumtitel. Aber: Eine starke Marke allein reicht nicht, wenn die Bilanz zu stark gehebelt ist. Maison Pommery & Associés ist deshalb für mich derzeit keine ruhige Langfristanlage, sondern eine Entschuldungs- und Werthebungsstory. (Champagne)
Zu den Kurszielen deshalb klar und ohne Schönfärberei meine Einschätzung: Mein 12-Monats-Basiskursziel liegt bei 11,50 Euro. Das unterstellt, dass 2026 die operative Marge etwas anzieht, die Zinslast sinkt und weitere Asset-Verkäufe die Schulden sichtbar drücken. Mein bullishes Szenario liegt bei 14 Euro, falls die Entschuldung schneller gelingt und Pommery die Premiumisierung wirklich in höhere Cashflows übersetzt. Mein negatives Szenario liegt bei 8 Euro, falls der Lagerabbau stockt, die Finanzierung rund um die 2026er Fälligkeiten erneut Druck erzeugt oder die Governance-Themen Vertrauen kosten. Auf Sicht von 5 Jahren halte ich 15 bis 20 Euro für erreichbar, aber nur im Erfolgsfall einer echten Bilanzreparatur. Gelingt die Entschuldung nicht, halte ich auch eine jahrelange Seitwärts- oder Enttäuschungsphase im Bereich 7 bis 10 Euro für realistisch. Für 10 bis 15 Jahre ist mein Urteil daher zweigeteilt: Das Unternehmen selbst hat mit Pommery, seinen Terroirs und seinem Markenportfolio echten Wert, die Aktie bleibt aber solange spekulativ, bis die Bilanz nicht mehr das ganze Investment dominiert. (Euronext Live)
Autor: ChatGPT





