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Frankreich am Scheideweg




11.07.24 18:05
LOYS

Oldenburg (www.aktiencheck.de) - Das politische Gepräge Frankreichs hat im Juni eine beachtliche Dynamik angenommen, so die Experten von LOYS.

Ausgelöst durch die Ergebnisse der Europawahl habe der französische Präsident Macron entschieden, die Nationalversammlung aufzulösen und rasch Neuwahlen anzusetzen.

Die Entscheidung habe tumultartige Entwicklungen im politischen Betrieb und an den Finanzmärkten ausgelöst. Immerhin lasse sich feststellen, dass Emmanuel Macron die Stimme des Volkes gehört habe und dem Souverän folgerichtig die Aufgabe zuweise, die politische Kräfteverteilung nach dessen Willen vorzunehmen. Man könne dieses Vorgehen mit Fug als konsequent demokratisch einschätzen, zumal derartiges konsequentes Handeln gemäß dem Wählerwillen in anderen vergleichbaren Demokratien eher die Ausnahme sei. Bei der Spezies der Machtpolitiker, wie sie überall vorherrschen würden, habe der Entschluss Macrons freilich Entsetzen hervorgerufen.

Immerhin, der jugendlich wirkende französische Präsident habe bereits mehrfach während seiner Amtszeit positiv überrascht und bleibe sich auch hier treu. Wenngleich der Sechsundvierzigjährige in Frankreich durchaus selten allgemeine Popularität genossen habe, seien ihm doch eine große Renten- und Steuerreform gelungen. Solche Reformen hätten jahrzehntelang als völlig undenkbar in Frankreich gegolten. Auch Macrons aktives Wirken bei der Stärkung des Finanzplatzes Paris und das Werben um Investitionen ausländischer Unternehmen müsse dem gebildeten und berufserfahrenen französischen Präsidenten hoch angerechnet werden.

Es sei eben kein Zufall, dass Paris und keineswegs Frankfurt der Hauptprofiteur des britischen BREXIT geworden sei. Allerdings bleibe festzuhalten, dass die Franzosen ihren Präsidenten als Elitisten sehen würden. Freilich frage man sich, wie ein Land, eine Institution oder ein Unternehmen nicht von einer gewissen Wissens- und Kompetenzselite geleitet werden sollte? Jedenfalls sei der deutsche Weg der Mittelmäßigkeit für viele Länder keine attraktive Alternative, so repräsentativ der Weg auch sein möge.

Ein Blick auf die Größenverhältnisse zwischen Frankreich und Deutschland würden wichtige Unterschiede zwischen beiden Ländern sehr deutlich machen. Während das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands um ca. 45% größer sei als dasjenige Frankreichs, liege der entsprechende deutsche Pro-Kopf-Wert nur um 20% oberhalb seines französischen Pendants. Demgegenüber sei der französische Aktienmarkt gemessen am 40 Werte umfassenden CAC40 (ISIN FR0003500008 / WKN 969400) um fast 50% wertvoller als der ebenfalls 40 Werte umfassende DAX-Index.

Es sei auch nicht zu vergessen, dass etwa beim Geldvermögen der Median in Frankreich wesentlich höher liege als in Deutschland. Insgesamt zeige sich daran ein blamabler Befund für die deutsche Aktienkultur. Eine toxische Mischung aus Finanzanalphabetismus und ideologischer Kapitalmarktaversion hätten zu der beschriebenen Situation geführt. Der damit einhergehende geringere Wohlstand in Deutschland sei die logische Folge dieser und anderer Fehlorientierungen der letzten Jahrzehnte.

Freilich bestehe die Achillesferse Frankreichs in der enormen Staatsverschuldung. Und die aussichtsreichen Kandidaten auf das Amt des Ministerpräsidenten hätten bereits angekündigt, den Wählern neue staatliche Wohltaten zugutekommen zu lassen. Hier könne man nur hoffen, dass die Finanzmärkte eine disziplinierende Wirkung auf die Politik entfalten würden. Jedenfalls hätten die politischen Wirren seit der Europawahl dazu geführt, dass die Grande Nation wesentlich höhere Zinslasten zu schultern haben werde.

Schulden und hohe Zinslasten würden die gestalterische Handlungsfähigkeit der Politik beschränken. Es wäre wünschenswert, wenn sich die Volksvertreter darauf besinnen könnten, dass Schulden eine Krücke seien und Krücken für Lahme gemacht seien. So jedenfalls habe es der große deutsche Humanist Johann Gottfried Seume in seinem Spaziergang nach Syrakus ausgedrückt. Es sei höchste Zeit, sich jenseits und diesseits des Rheins an dieser alten Weisheit zu orientieren. (Ausgabe vom 09.07.2024) (11.07.2024/ac/a/m)








 
 
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