Erweiterte Funktionen
Wolfratshausen (aktiencheck.de AG) - Die Turbulenzen der vergangenen Wochen werfen auch für den Anleiheinvestor höchst unangenehme Fragen auf, so die Experten vom "Smart Investor".
Ob der globale Rentenmarkt noch voll und ganz den Prinzipien von Angebot und Nachfrage folge, sei dahingestellt. Der Werkzeugkasten der Notenbanken werde mittlerweile weltweit bis zur Schmerzgrenze überstrapaziert. Die Kurs- und damit Renditeentwicklungen würden massiv nach dem Willen der politischen und wirtschaftlichen Elite gelenkt.
Seit dem 8. August kaufe die EZB nun Anleihen Italiens und Spaniens auf. Ganz offen werde dabei das Ziel ausgegeben, dafür zu sorgen, dass die Renditen der Staatsanleihen wieder unter die magischen 6% fallen würden. Ab dieser Schwelle scheine der Markt anzunehmen, dass eine Refinanzierung der beiden Länder am Kapitalmarkt gefährdet sei. Allein 2011 müssten die Italiener und die Spanier Anleihen für 137 bzw. 61 Mrd. EUR tilgen und refinanzieren.
Fast vergessen scheint, dass die EZB bereits griechische Staatspapiere für mehr als 75 Mrd. EUR in ihren Büchern hat, so die Experten vom "Smart Investor". Auf der anderen Seite des Atlantiks sehe es kaum besser aus. Quantitative Easing 1 und 2 hätten dafür gesorgt, dass die FED heute 11,6% der Treasury Bonds halte. Neu gedrucktes Geld werde in den Kreislauf gebracht, indem am Anleihemarkt gezielte Interventionen stattfänden. Das Resultat: Steigende Anleihekurse und infolge dessen erneut Renditen nahe den historischen Tiefständen von 2008.
Allein mit dirigistischen Eingriffen der Notenbanken lasse sich jedoch eine Blase nicht erklären, auch die breite Masse an Investoren müsse hierzu das Ihre tun. Da würden die Vereinigten Staaten zum ersten Mal in ihrer Geschichte das AAA-Rating bei Standard & Poor's verlieren, und die Reaktion der Märkte sei folgende: Eine massive Flucht in US-Bonds drücke die Renditen auf Rekordtiefs. Der Anleihemarkt, insbesondere von Staatspapieren, scheine die letzte Blase zu sein.
In der öffentlichen Wahrnehmung habe sich diese Ansicht jedoch bislang nur sehr bedingt durchgesetzt. Die ultimative Blase werde gerade aufgrund der aktuellen Rekordnotierungen von einer Mehrheit an Journaille und Finanzexperten dem Gold attestiert. Anleihen würden wohl als etwas zu Normales, als quasi blasenfreie Zone angesehen. Die - verglichen mit den Aktienmärkten - unterdurchschnittlichen Kursschwankungen würde wohl diese Haltung bewirken.
In einem am 9. August mit dem US-Sender Bloomberg geführten Interview habe der "Börsenguru" Marc Faber erneut betont, dass er die Entwicklung am Treasury-Markt - insbesondere für langlaufende Anleihen - für eine der größten Übertreibungen an den Märkten halte. Die Anleihemärkte seien das Ziel der Geldflut durch die Notenbanken.
Was bedeute eine Wende und das Platzen der entstandenen Blase? Der Markt würde in eine mehrjährige Phase sinkender Anleihekurse übergehen, unabhängig von der Bonität einzelner Schuldner, egal ob Staatspapier oder Corporate Bond. Unwichtig für einen Anleger, der seine Papiere bis zur Endfälligkeit halten wolle, bedeutsam für einen Anleger, der auch während der Laufzeit seine Anleihen verkaufen wolle. Ob langfristiges Halten der Anleihen eine gute Idee sei, wenn der inflationäre Crack-up-Boom nun tatsächlich stattfinde und sämtliche Nominalwerte ihrer Kaufkraft beraube?
Selektive Investments in Anleihen wollten wohlüberlegt sein, im Zweifel sollte Kapitalerhalt vor Rendite gehen. Insbesondere in der Endphase eines Booms kann nach Ansicht der Experten von "Smart Investor" die Gier nach dem letzten Tick Rendite gefährlich werden. (Ausgabe 09) (30.08.2011/ac/e/an)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.
Ob der globale Rentenmarkt noch voll und ganz den Prinzipien von Angebot und Nachfrage folge, sei dahingestellt. Der Werkzeugkasten der Notenbanken werde mittlerweile weltweit bis zur Schmerzgrenze überstrapaziert. Die Kurs- und damit Renditeentwicklungen würden massiv nach dem Willen der politischen und wirtschaftlichen Elite gelenkt.
Seit dem 8. August kaufe die EZB nun Anleihen Italiens und Spaniens auf. Ganz offen werde dabei das Ziel ausgegeben, dafür zu sorgen, dass die Renditen der Staatsanleihen wieder unter die magischen 6% fallen würden. Ab dieser Schwelle scheine der Markt anzunehmen, dass eine Refinanzierung der beiden Länder am Kapitalmarkt gefährdet sei. Allein 2011 müssten die Italiener und die Spanier Anleihen für 137 bzw. 61 Mrd. EUR tilgen und refinanzieren.
Fast vergessen scheint, dass die EZB bereits griechische Staatspapiere für mehr als 75 Mrd. EUR in ihren Büchern hat, so die Experten vom "Smart Investor". Auf der anderen Seite des Atlantiks sehe es kaum besser aus. Quantitative Easing 1 und 2 hätten dafür gesorgt, dass die FED heute 11,6% der Treasury Bonds halte. Neu gedrucktes Geld werde in den Kreislauf gebracht, indem am Anleihemarkt gezielte Interventionen stattfänden. Das Resultat: Steigende Anleihekurse und infolge dessen erneut Renditen nahe den historischen Tiefständen von 2008.
In der öffentlichen Wahrnehmung habe sich diese Ansicht jedoch bislang nur sehr bedingt durchgesetzt. Die ultimative Blase werde gerade aufgrund der aktuellen Rekordnotierungen von einer Mehrheit an Journaille und Finanzexperten dem Gold attestiert. Anleihen würden wohl als etwas zu Normales, als quasi blasenfreie Zone angesehen. Die - verglichen mit den Aktienmärkten - unterdurchschnittlichen Kursschwankungen würde wohl diese Haltung bewirken.
In einem am 9. August mit dem US-Sender Bloomberg geführten Interview habe der "Börsenguru" Marc Faber erneut betont, dass er die Entwicklung am Treasury-Markt - insbesondere für langlaufende Anleihen - für eine der größten Übertreibungen an den Märkten halte. Die Anleihemärkte seien das Ziel der Geldflut durch die Notenbanken.
Was bedeute eine Wende und das Platzen der entstandenen Blase? Der Markt würde in eine mehrjährige Phase sinkender Anleihekurse übergehen, unabhängig von der Bonität einzelner Schuldner, egal ob Staatspapier oder Corporate Bond. Unwichtig für einen Anleger, der seine Papiere bis zur Endfälligkeit halten wolle, bedeutsam für einen Anleger, der auch während der Laufzeit seine Anleihen verkaufen wolle. Ob langfristiges Halten der Anleihen eine gute Idee sei, wenn der inflationäre Crack-up-Boom nun tatsächlich stattfinde und sämtliche Nominalwerte ihrer Kaufkraft beraube?
Selektive Investments in Anleihen wollten wohlüberlegt sein, im Zweifel sollte Kapitalerhalt vor Rendite gehen. Insbesondere in der Endphase eines Booms kann nach Ansicht der Experten von "Smart Investor" die Gier nach dem letzten Tick Rendite gefährlich werden. (Ausgabe 09) (30.08.2011/ac/e/an)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.
|










