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Der Stablecoin-Emittent Circle gerät juristisch unter massiven Druck. Eine Gruppe von Investoren hat eine Sammelklage gegen das Unternehmen eingereicht. Der Vorwurf: Circle habe während einer der größten Raubzüge in der Geschichte des dezentralen Finanzwesens (DeFi) nicht schnell genug reagiert. Im Zentrum steht der Hack auf das Drift Protocol, bei dem am 1. April rund 280 Millionen Dollar erbeutet wurden.
Die Kanzlei Gibbs Mura wirft Circle vor, den Diebstahl von USDC im Wert von über 230 Millionen Dollar billigend in Kauf genommen zu haben. Obwohl das Unternehmen technisch und vertraglich dazu in der Lage gewesen wäre, die Gelder einzufrieren, blieben die Konten der Angreifer offen. Der Grund: Circle habe trotz klarer Beweise für einen kriminellen Hintergrund gezögert.Der bekannte Onchain-Ermittler ZachXBT stützt diese Kritik. Laut seinen Analysen hatte Circle ein Zeitfenster von genau sechs Stunden, um die gestohlenen Mittel zu sichern. Während dieser Zeit transferierten die Hacker die Beute über das hauseigene Cross-Chain-Protokoll von Circle von der Solana-Blockchain zu Ethereum. Besonders brisant: Nur neun Tage vor dem Vorfall hatte Circle in einem anderen Zivilverfahren 16 Wallets problemlos eingefroren. Dies beweise laut der Klageschrift, dass das Unternehmen sehr wohl willens und fähig sei, einzugreifen, wenn es wolle.Die Verteidigung von Circle-Chef Jeremy Allaire folgt einer klaren Linie. In einer Pressekonferenz betonte er, dass Circle Wallets nur auf Anweisung von Strafverfolgungsbehörden oder Gerichten sperre. Ein eigenmächtiges Handeln außerhalb rechtlicher Prozesse sei ein gefährliches Wagnis. Allaire warnte davor, dass Circle nicht zur privaten Polizei im Krypto-Sektor werden könne.Das Unternehmen sieht sich in einem moralischen Dilemma. Würde Circle ohne offizielles Mandat Gelder einfrieren, könnte dies das Vertrauen in die Neutralität des Stablecoins untergraben. Für die geschädigten Drift-Investoren ist diese Argumentation jedoch wertlos. Sie sehen in der Untätigkeit einen Verstoß gegen die Sorgfaltspflicht, der sie Millionen gekostet hat.Während der Rechtsstreit gegen Circle erst beginnt, gibt es für die Nutzer von Drift einen Lichtblick. Das Konkurrenzunternehmen Tether hat ein Rettungspaket in Höhe von 127,5 Millionen Dollar zugesagt. Weitere Partner steuern 20 Millionen Dollar bei. Ziel ist es, den Nutzern den entstandenen Schaden teilweise zu ersetzen und den Neustart der Handelsplattform zu ermöglichen.Interessant ist dabei die strategische Verschiebung: Drift plant, nach dem Relaunch die größte Handelsplattform auf Solana zu werden, die auf USDT basiert – dem Konkurrenzprodukt von Circle. Damit verliert Circle nicht nur Vertrauen, sondern auch Marktanteile an seinen größten Rivalen.
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