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2022: Lessons learned




27.12.22 11:30
Merck Finck

München (www.aktiencheck.de) - Wenn wir auf das Börsenjahr 2022 zurückblicken, kommen wohl zunächst die belastenden Faktoren und die dramatischen Verluste in den Sinn, so Marc Decker, Stellvertretender Leiter Aktien bei A Quintet Private Bank, Muttergesellschaft von Merck Finck.

Doch wenn es darum gehe, die richtigen Erkenntnisse und Schlüsse aus dieser Retrospektive zu ziehen, lohne es sich, einen genaueren Blick auf die einzelnen Aktienindices und - noch genauer - auf die einzelnen Sektoren zu werfen.

Nur noch wenige Handelstage vom Jahresschluss entfernt, sehe man, dass im breiten europäischen Marktindex, dem STOXX Europe 600, nur drei Subsektoren eine positive Wertentwicklung in 2022 hätten erzielen können - zum einen der Sektor Energie mit circa 24 Prozent, der Sektor Rohstoffe mit circa drei Prozent sowie ganz knapp mit circa einem Prozent der Versicherungssektor. Das sei vor dem Hintergrund von Ukrainekrieg und Energiekrise nicht weiter verwunderlich.

Auf der Verliererseite stünden in 2022 bei den europäischen Aktien ganz klar Immobilien- und IT-Aktien. So habe der Sub-Index für Immobilienwerte stolze 40 Prozent und der für IT-Aktien ca. 25 Prozent verloren. Hier hätten sich die steigenden Marktzinsen aufgrund von entsprechend höheren Diskontierungsfaktoren als auch der Unterminierung von Geschäftsmodellen durch die höheren Zinsen bei Immobilien negativ auf die Kurse ausgewirkt. Auch die meisten anderen Sektoren hätten sich ebenfalls im negativen, zweistelligem Terrain befunden.

Wenn man jedoch auf die Ebene der Einzeltitel schaue, falle auf, dass zwar unter den zehn am besten performenden Aktien erwartungsgemäß Titel aus dem Bereich Energie kommen würden, aber eben auch Finanzinstitute und vor allem Rüstungsunternehmen.

Ein ähnliches Bild zeige sich in den USA: Trotz der Sektorrotation von Growth- hin zu Value-Aktien, die den IT-Sektor kräftig unter Druck gesetzt habe, würden die Experten auf der Ebene der Einzeltitel Unterschiede finden. Es seien in erster Linie die sogenannten "Big-Tech"-Aktien gewesen, die Federn hätten lassen müssen, und hier allem voran Meta, die es unter die schlechtesten zehn Aktien im S&P 500 für 2022 geschafft habe.

Doch es sei nicht der IT-Subindex gewesen, der im S&P 500 am schlechtesten performt habe, sondern die Konsumgüter-, Kommunikations-, und Immobilienaktien. Mit Abstand, und das noch bei weitem deutlicher als in Europa, seien auf der positiven Seite Energieaktien herausgestochen. So hätten acht von zehn der besten Einzeltitelentwicklungen dem Energiesektor angehört. Der MSCI USA Energy Index liege mit circa +58 Prozent als einziger Sektor im positiven Performance-Terrain. Hierbei sei jedoch erwähnenswert, das neben diesen acht Energieaktien die beiden übrigen Aktien unter den Top 10 dem IT-Sektor angehören würden.

Die Experten würden daraus die Lehre ziehen, dass die Analyse und die Auswahl von Einzeltiteln wichtiger werde, es zwischen Sektoren und Stilen (beispielsweise Value versus Growth) schneller zu Wechseln (Rotationen) komme und generell die Märkte volatil bleiben würden. Deshalb würden die Experten ein diversifiziertes Aktienportfolio basierend auf Geschäftsmodellen mit hoher Bilanzqualität und bereits bewiesener Leistungsfähigkeit gegenüber einer Nachverfolgung von Stilwechseln für erfolgversprechender halten. Denn auch in 2023 würden Anleger durch eine raue See zu manövrieren haben.

So würden die Experten es zum Beispiel für relativ unwahrscheinlich halten, dass die Rekordtiefststände bei den Zinsen in den USA oder Europa aus dem Jahr 2020 nicht nochmals getestet würden, sondern langfristig die Zinskurve nach oben deute. Dies werde natürlich weiterhin Einfluss auf die Bewertungsniveaus gerade von Technologieunternehmen haben.

Höhere Zinsmargen würden tendenziell Finanzwerten zugutekommen. Doch hier könnten die höheren Zinserträge durch höhere Kreditausfälle im Rahmen eines schwierigeren makroökonomischen Umfelds aufgezerrt werden. Also komme es darauf an, die Kreditportfolios der einzelnen Banken zu durchleuchten.

Die Bewertungsniveaus aller Aktien würden permanent hinterfragt gehören. Welche Rolle könnte ein stärkerer oder schwächerer US-Dollar für die Ertragslage einzelner Unternehmen spielen? Wie werde sich ein wohl weiter steigendes Kostenumfeld auf die Margen und schließlich auf die Unternehmensbewertungen auswirken?

Die Experten würden empfehlen, den eigenen Anlagehorizont zu überprüfen, um Investitionen in Unternehmen auch in Schwächephasen durchhalten zu können. (27.12.2022/ac/a/m)







 
 
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