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München (aktiencheck.de AG) - Im Gegensatz zu einer Reihe anderer Rohstoffmärkte lässt sich die Preisentwicklung auf dem Zinnmarkt derzeit fundamental nachvollziehen, so die Experten von "BörseGo" in ihrem "Rohstoff-Report".
Im Kielwasser der globalen Konjunkturerholung sei die Nachfrage wieder deutlich gestiegen, was sich in diesem Jahr laut einer Studie der ABN AMRO Bank in einem Angebotsdefizit niederschlagen werde. Unter dem Strich würden die Experten mit einer globalen Produktion von 322.000 Tonnen rechnen, während der Bedarf mit 336.000 Tonnen angesetzt werde. Gegenüber dem Vorjahr entspreche das einem Nachfragezuwachs von rund 8 Prozent bei einem Produktionsrückgang von 2,6 Prozent.
Etwas skeptischer zeige sich eine Analyse der australischen Macquarie Bank, deren Autoren die Nachfrage mit 345.5000 Tonnen einschätzen würden, während die Produktion lediglich 328.500 Tonnen betragen solle. Diese Ansicht scheine auch durch den rasanten Abbau der Lagerbestände bestätigt zu werden. Seit Ende Januar hätten sich die Bestände in den zertifizierten Lagerhäusern der LME von rund 27.000 Tonnen auf weniger als 14.000 Tonnen vermindert.
Der Rückgang des Angebots erkläre sich in erster Linie aus der geringeren Produktion des wichtigsten Zinnexporteurs Indonesien. Im vergangenen Jahr hätten rund 30 Prozent der globalen Zinnexporte aus den Minen des Landes gestammt, die nach Regierungsangaben 105.000 Tonnen gefördert hätten. Während ursprünglich vor allem große Minengesellschaften in der Förderung aktiv gewesen seien, habe der Erlass neuer regionaler Autonomiegesetze im Jahr 1999 zur Etablierung vieler kleiner, häufig semi-legaler Betriebe geführt, die sich auf die Ausbeutung der am einfachsten erreichbaren Vorkommen konzentriert hätten.
Um die teils gravierende Umweltverschmutzung bei der Förderung einzudämmen, habe die Regierung neue Auflagen erlassen, weshalb eine Reihe dieser Betriebe die Produktion vorläufig oder vollständig habe einstellen müssen. Zudem sei seit 2009 der Kampf gegen illegale Schürfungen verstärkt worden, nicht zuletzt um den Verlust an Steueraufkommen zu begrenzen. Bereits im Frühsommer habe das zuständige Ministerium deshalb ein Verfehlen des ursprünglich auf Vorjahresniveau angesetzten Produktionsziels angekündigt. Darüber hinaus würden ungewöhnlich starke Regenfälle die Förderung behindern, weshalb die Produktionsschätzung um 20 Prozent auf 85.000 Tonnen nach unten revidiert habe werden müssen.
Auch die Demokratische Republik Kongo, das wichtigste Zinnförderland Afrikas und weltweit an fünfter Stelle, werde zumindest offiziell weniger produzieren. Präsident Joseph Kabila habe unlängst einen Produktionsstopp über die drei östlichen Provinzen Kivu, Südkivu und Maniema verhängt, in denen der überwiegende Teil der Minen liege. Das Zinnerz der Region werde zum Teil von bewaffneten kriminellen Gruppen und Aufständischen ausgebeutet, was Regierungen und internationalen Institutionen schon länger ein Dorn im Auge sei.
Menschenrechtsaktivisten würden beklagen, dass die anhaltenden Konflikte im Ostteil des Landes zum Teil aus den Einnahmen aus dem illegalen Rohstoffabbau gespeist würden. Um den Handel mit "Konflikt-Rohstoffen" einzudämmen, sei in den USA ein neues Gesetz verabschiedet worden, das bei Käufen bestimmter zentralafrikanischer Rohstoffe einen Nachweis über die ordnungsgemäße Herkunft der Ware vorsehe. Die kongolesische Produktionsaussetzung werde von Marktbeobachtern als erster Schritt in Richtung eines Zertifizierungsprozesses angesehen, auf dessen Basis zukünftig zumindest theoretisch eine Unterscheidung legaler und illegaler Produkte ermöglicht werden solle.
Selbst in China würden neue Umweltschutzvorgaben und Energieeinsparungsbemühungen seit einigen Wochen für geringeren Ausstoß sorgen. Zwar sei die Produktion in den ersten acht Monaten des Jahres nach Angaben der staatlichen Statistikbehörde um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 83.600 Tonnen geklettert, allerdings deute sich für den weiteren Jahresverlauf eine Verlangsamung an. Große Hersteller wie die China Tin Group Co. müssten einen Teil ihrer Schmelzerkapazitäten herunterfahren, um den Vorgaben der Zentralregierung gerecht zu werden.
Seit Anfang September werde die Umsetzung der Vorgaben durch eine Kontrollkommission überwacht, nachdem sich lokale Behörden teils unwillig gezeigt hätten, die einheimischen Betriebe bei Verstößen entsprechend zu maßregeln. Die ohnehin stark gestiegenen Importe dürften vor diesem Hintergrund in den kommenden Monaten weiter zunehmen. Die kurzfristige Verfügbarkeit des Metalls könnte sich aus diesem Grund weiter verschlechtern.
Angesichts der gegen Ende des Jahres nach einem tendenziell ruhigen Sommergeschäft traditionell wieder anziehenden Nachfrage wäre ein Anstieg der Notierungen auf das nominale Hoch aus dem Jahr 2008 bei 25.500 US-Dollar wenig verwunderlich. Das inflationsbereinigte Allzeithoch von mehr als 40.000 US-Dollar werde sich auf absehbare Zeit wohl kaum wieder erzielen lassen. Allerdings bestehe gerade auf einem so kleinen und gegenwärtig stark konzentrierten Nischenmarkt auch eine gewisse Überhitzungsgefahr, was zu erheblicher Volatilität führen könne. Das gelte gerade dann, wenn Spekulanten versuchen würden, die Kontrolle zu übernehmen.
So hätten etwa im vergangenen Jahr Berichte verschiedener Händler die Runde gemacht, wonach ein einzelner Hedgefonds beinahe 90 Prozent aller Lagerscheine und Cashkontrakte an der LME halte. Anscheinend habe es sich dabei um die britische Gesellschaft Ebullio Capital Management gehandelt, die Anfang des Jahres Schlagzeilen mit einem spektakulären Verlust von rund 96 Prozent innerhalb von nur zwei Monaten gemacht habe. Aufgrund "außergewöhnlicher Umstände" sei man gezwungen worden, Teile des physischen Handelsbuches aufzulösen, habe das Fondsmanagement damals seinen Kunden geschrieben. Die Preisdelle im Chart bleibe für immer verewigt. (Ausgabe 19 vom 23.09.2010) (24.09.2010/ac/a/m)
Im Kielwasser der globalen Konjunkturerholung sei die Nachfrage wieder deutlich gestiegen, was sich in diesem Jahr laut einer Studie der ABN AMRO Bank in einem Angebotsdefizit niederschlagen werde. Unter dem Strich würden die Experten mit einer globalen Produktion von 322.000 Tonnen rechnen, während der Bedarf mit 336.000 Tonnen angesetzt werde. Gegenüber dem Vorjahr entspreche das einem Nachfragezuwachs von rund 8 Prozent bei einem Produktionsrückgang von 2,6 Prozent.
Etwas skeptischer zeige sich eine Analyse der australischen Macquarie Bank, deren Autoren die Nachfrage mit 345.5000 Tonnen einschätzen würden, während die Produktion lediglich 328.500 Tonnen betragen solle. Diese Ansicht scheine auch durch den rasanten Abbau der Lagerbestände bestätigt zu werden. Seit Ende Januar hätten sich die Bestände in den zertifizierten Lagerhäusern der LME von rund 27.000 Tonnen auf weniger als 14.000 Tonnen vermindert.
Der Rückgang des Angebots erkläre sich in erster Linie aus der geringeren Produktion des wichtigsten Zinnexporteurs Indonesien. Im vergangenen Jahr hätten rund 30 Prozent der globalen Zinnexporte aus den Minen des Landes gestammt, die nach Regierungsangaben 105.000 Tonnen gefördert hätten. Während ursprünglich vor allem große Minengesellschaften in der Förderung aktiv gewesen seien, habe der Erlass neuer regionaler Autonomiegesetze im Jahr 1999 zur Etablierung vieler kleiner, häufig semi-legaler Betriebe geführt, die sich auf die Ausbeutung der am einfachsten erreichbaren Vorkommen konzentriert hätten.
Um die teils gravierende Umweltverschmutzung bei der Förderung einzudämmen, habe die Regierung neue Auflagen erlassen, weshalb eine Reihe dieser Betriebe die Produktion vorläufig oder vollständig habe einstellen müssen. Zudem sei seit 2009 der Kampf gegen illegale Schürfungen verstärkt worden, nicht zuletzt um den Verlust an Steueraufkommen zu begrenzen. Bereits im Frühsommer habe das zuständige Ministerium deshalb ein Verfehlen des ursprünglich auf Vorjahresniveau angesetzten Produktionsziels angekündigt. Darüber hinaus würden ungewöhnlich starke Regenfälle die Förderung behindern, weshalb die Produktionsschätzung um 20 Prozent auf 85.000 Tonnen nach unten revidiert habe werden müssen.
Menschenrechtsaktivisten würden beklagen, dass die anhaltenden Konflikte im Ostteil des Landes zum Teil aus den Einnahmen aus dem illegalen Rohstoffabbau gespeist würden. Um den Handel mit "Konflikt-Rohstoffen" einzudämmen, sei in den USA ein neues Gesetz verabschiedet worden, das bei Käufen bestimmter zentralafrikanischer Rohstoffe einen Nachweis über die ordnungsgemäße Herkunft der Ware vorsehe. Die kongolesische Produktionsaussetzung werde von Marktbeobachtern als erster Schritt in Richtung eines Zertifizierungsprozesses angesehen, auf dessen Basis zukünftig zumindest theoretisch eine Unterscheidung legaler und illegaler Produkte ermöglicht werden solle.
Selbst in China würden neue Umweltschutzvorgaben und Energieeinsparungsbemühungen seit einigen Wochen für geringeren Ausstoß sorgen. Zwar sei die Produktion in den ersten acht Monaten des Jahres nach Angaben der staatlichen Statistikbehörde um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 83.600 Tonnen geklettert, allerdings deute sich für den weiteren Jahresverlauf eine Verlangsamung an. Große Hersteller wie die China Tin Group Co. müssten einen Teil ihrer Schmelzerkapazitäten herunterfahren, um den Vorgaben der Zentralregierung gerecht zu werden.
Seit Anfang September werde die Umsetzung der Vorgaben durch eine Kontrollkommission überwacht, nachdem sich lokale Behörden teils unwillig gezeigt hätten, die einheimischen Betriebe bei Verstößen entsprechend zu maßregeln. Die ohnehin stark gestiegenen Importe dürften vor diesem Hintergrund in den kommenden Monaten weiter zunehmen. Die kurzfristige Verfügbarkeit des Metalls könnte sich aus diesem Grund weiter verschlechtern.
Angesichts der gegen Ende des Jahres nach einem tendenziell ruhigen Sommergeschäft traditionell wieder anziehenden Nachfrage wäre ein Anstieg der Notierungen auf das nominale Hoch aus dem Jahr 2008 bei 25.500 US-Dollar wenig verwunderlich. Das inflationsbereinigte Allzeithoch von mehr als 40.000 US-Dollar werde sich auf absehbare Zeit wohl kaum wieder erzielen lassen. Allerdings bestehe gerade auf einem so kleinen und gegenwärtig stark konzentrierten Nischenmarkt auch eine gewisse Überhitzungsgefahr, was zu erheblicher Volatilität führen könne. Das gelte gerade dann, wenn Spekulanten versuchen würden, die Kontrolle zu übernehmen.
So hätten etwa im vergangenen Jahr Berichte verschiedener Händler die Runde gemacht, wonach ein einzelner Hedgefonds beinahe 90 Prozent aller Lagerscheine und Cashkontrakte an der LME halte. Anscheinend habe es sich dabei um die britische Gesellschaft Ebullio Capital Management gehandelt, die Anfang des Jahres Schlagzeilen mit einem spektakulären Verlust von rund 96 Prozent innerhalb von nur zwei Monaten gemacht habe. Aufgrund "außergewöhnlicher Umstände" sei man gezwungen worden, Teile des physischen Handelsbuches aufzulösen, habe das Fondsmanagement damals seinen Kunden geschrieben. Die Preisdelle im Chart bleibe für immer verewigt. (Ausgabe 19 vom 23.09.2010) (24.09.2010/ac/a/m)








