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Wirtschaft Taiwans im Fokus




11.05.06 17:16
Helaba

Die Regierung der Demokratisch-Progressiven Partei unter Präsident Chen Shui-bian verfügt über keine Parlamentsmehrheit in Taiwan, berichten die Analysten der Helaba.

Die Oppositionsparteien Kuomintang - die traditionelle Regierungspartei vor 2000 - und die Volkspartei könnten daher die Regierungsinitiativen blockieren. Ein Disput zwischen der Regierung und der Opposition bestehe weniger in der investitionsfreundlich ausgerichteten Wirtschaftspolitik als vielmehr in den Beziehungen zu China. Präsident Chen sei ein Verfechter der taiwanischen Unabhängigkeit. Einer weiteren wirtschaftlichen Integration mit China stehe er zurückhaltend gegenüber. Seine Regierung habe den einheimischen Unternehmen Beschränkungen bei Investitionen in China auferlegt. Zudem sei 2006 der Wiedervereinigungsrat vorübergehend aufgelöst worden. Die chinesische Regierung verurteile die Regierung von Präsident Chen Shui-ban entsprechend scharf und "hofiere" die Opposition.

Die chinesische Regierung betrachte Taiwan lediglich als chinesische Provinz. Trotz der Handelsbeschränkungen bestehe mit China jedoch bereits ein umfangreicher wirtschaftlicher Austausch über Hongkong und Macao. Zudem sei Taiwan einer der größten Investoren (IT-Sektor) in China. Dies sollte die künftige politische Verständigung zwischen den beiden Kontrahenten erleichtern.

Die Wirtschaft Taiwans werde mehr von kleinen und mittelständischen Unternehmen und weniger von nationalen Großunternehmen geprägt. Dies begünstige eine breite Diversifikation der außenhandelsabhängigen Wirtschaft. Arbeitsintensive Industrie-Produktionen würden infolge des gestiegenen Lohnniveaus und des hohen Ausbildungsstands der Beschäftigten nach Asien abwandern, die Herstellung wissensbasierter Produkte und Dienstleistungen nehme dagegen zu. Das Haushaltsdefizit - eine Schwachstelle Anfang des Jahrzehnts - habe sich bis 2005 deutlich auf 3% des BIP vermindert. Dazu beigetragen habe das seit 2002 zügige und die Steuereinnahmen stärkende Wirtschaftswachstum. Der Kurs der Zentralbank könne trotz der leichten Anhebung des Diskontsatzes auf 2,375% Ende März 2006 nach wie vor als expansiv eingestuft werden.

2005 sei das BIP mit 4% spürbar langsamer gewachsen, verursacht durch eine zyklische Delle bei der Elektronikproduktion infolge einer vorübergehend schwachen Exportentwicklung. Gegen Ende 2005 hätten sich Industrieproduktion und Exporte wieder deutlich beschleunigt. Das 2006 etwa gleich bleibende Wachstum werde breiter abgesichert sein. Die weiter lebhafte Exportnachfrage insbesondere aus China erhöhe zum einen die Investitionen der exportorientierten Industrie. Der robuste private Verbrauch werde zum anderen von der auf unter 4% gefallenen Arbeitslosenrate den Lohnzuwächsen und den festeren Immobilienpreisen zusätzlich gestärkt.

Schließlich leiste auch der Außenbeitrag einen positiven BIP-Beitrag. Da die Regierung die Wirtschaft liberalisierte und den Konkurrenzdruck verschärfe, sowie der neue Taiwan-Dollar sich stetig aufwerte, dürfte die Inflationsrate 2006 trotz der gestiegenen Energiepreise, der robusten Nachfrage und der großzügigen Geldpolitik wieder unter 2% fallen.

Das Risiko von Währungsschwankungen habe sich mit der Liberalisierung der Kapitalbilanz seit 2005 erhöht. Bisher habe der Wechselkurs unter stetigem Aufwertungsdruck gestanden, den die Zentralbank mit Interventionen gemildert habe, um die Exportwirtschaft gegenüber der asiatischen Konkurrenz zu unterstützen. Der neue Taiwan-Dollar dürfte sich gegenüber dem US-Dollar wegen des nur leicht fallenden Leistungsbilanzüberschusses und der äußerst hohen Währungsreserven von 253 Mrd. USD vorerst weiter festigen. Die extrem gute Liquiditätsposition diene als Polster bei höherer Risikoaversion der internationalen Kapitalmärkte oder außenwirtschaftlichen Schocks und reduziere das langfristige Zahlungsrisiko auf nicht auszuschließende politische Spannungen mit China.








 
 

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