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Wall Street mit trägem Sommer




26.05.99 00:00
Süddeutsche Zeitung

Die Süddeutsche Zeitung beschäftigte sich am Dienstag mit den weiteren Aussichten des amerikanischen Aktienmarktes.

Angesichts der Inflationswarnung der amerikanischen Notenbank (FED) und der zunehmenden Angst vor einer Zinserhöhung rechneten die Beobachter mit einem "trägen Sommer" an der Wall Street. Die FED hat für den Fall eine Leitzinserhöhung angekündigt, falls entsprechende Konjunkturdaten eine Inflation signalisieren sollten.

Greg Nie, Analyst bei Everen Securities, rechne mit einer Fortsetzung der "Marktlethargie" bis Juni. Gleichzeitig glaube er aber, daß die Zinsdiskussion nur ein willkommener Anlaß für eine längst überfällige Korrektur des Marktes sei. Auch George Cohen, der Chef von Cohen, Klingenstein & Marks sehe zur Zeit große Unsicherheiten und Zurückhaltung der Investoren im Markt. Cohen sei allerdings davon überzeugt, daß die Anleger wieder in den Markt einsteigen werden, wenn der Glaube an die weiterhin starke Wirtschaftskraft zurückkehre.

Auf wenig Gegenliebe stießen zur Zeit die Aktien aus dem High-Tech- und Internetbereich. Experten hätten vor allem verstärkt vor den Aktien der PC-Branche gewarnt. Zu den größten Verlierern der letzten Woche hätten daher auch Titel wie IBM, Hewlett-Packard, Dell oder auch COMPAQ gezählt. Der derzeitige Preiskampf im Computersektor und die Überschwemmung des Marktes mit Billigrechnern unter USD 1000 habe dazu geführt, daß die Gewinnmargen schmelzen würden oder sogar rückläufig seien. Dies zeige besonders das Beispiel von Dell und COMPAQ: Dell weise nur noch eine Umsatzrendite von 2 Prozent auf, bei COMPAQ sei sie sogar um 11 Prozent gefallen. Patrick Adams von Berger Associates sagte dazu: "Mit dem Verkauf von Computern wird nichts mehr verdient!". Adams habe diese Erkenntnis auch direkt umgesetzt und letzte Woche 500.000 Anteilsscheine von COMPAQ verkauft. Auch die "Internet-Lieblinge" der letzten Zeit würden zunehmend an Rückhalt bei Analysten und Anlegern verlieren; zuletzt seien etwa AOL und Amazon.com von Investmenthäusern zurückgestuft worden.

Konträr dazu hätten sich die bisher stark vernachlässigten "Underdogs" aus der zweiten und dritten Reihe stark in den Vordergrund schieben können. Der Russel-Index, der 2000 Small Caps vereinigt, habe in der letzten Woche gegen den allgemeinen Trend um 1 Prozent zulegen können. Die Anleger scheinen diese lange oft zu Unrecht unterbewerteten "Nebenwerteperlen" langsam zu entdecken.

Am Dienstag ging es wieder auf breiter Front abwärts an den us-amerikanischen Märkten. So verlor der Dow Jones-Index 123,58 Punkte oder 1,16 Prozent auf 10531.09 Punkte. Der Nasdaq brach deutlich stärker um 72,76 Punkte oder 2,97 Prozent auf 2380.90 Punkte ein. Auch der S&P 500 büßte kräftig um 22,25 Punkte oder 1,7 Prozent auf 1284.40 Punkte ein.







 
 

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