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Vorsicht bei Internet-Werten




22.12.98 00:00
diverse

Das vor wenigen Tagen von CIBC Oppenheimer für Amazon.com genannte Kursziel von $400 hat auch die Kollegen in anderen Analysehäusern wachgerüttelt. Jonathan Cohen von Merrill Lynch erwartet ein Kursziel von nur $50 für den Buch- und Musik-Online-Händler und argumentiert, die Profitabilität von Amazon.com bleibe für einige Zeit eine unbekannte Größe. Die Erwartungen der Anleger dürften sich demnach wohl kaum erfüllen.

Analystin Barbara Hourihan von Morgan Stanley nahm den Streit der Analytiker zum Anlaß, die Anleger zu eigenen Überlegungen anzuregen. Viele Internetwerte seien zu stark aufgeblasen, die Unwissenheit der Anleger werde dazu ausgenutzt den "Müll" unterzubringen. Hourihan verglich die Entwicklung im Internet-Bereich mit dem Aufbau der Radio- und Fernsehindustrie. Nach ihrer Einschätzung werden viele Internet-Firmen auf der Strecke bleiben. Das Internet sei offen und fast alle benutzten Technologien, die allen Anbietern zugänglich sind. Radio- und Fernsehfirmen hätten eigene Technologien besessen und das Geschäft sei sehr kapitalintensiv gewesen.

Nach Hourihans Einschätzung stiegen Internet-Aktien aus den falschen Gründen. Sie begründet die Kursgewinne mit einer Kombination aus geringem Engagement von institutionellen Anlegern, Leerverkäufern, die ihre Verluste absichern müßten und echter "Hysterie".

1999 könnte somit das Jahr der Realität für die Internet-Titel werden. Sie werden steigende Erträge bei weiter heftig zunehmender Konkurrenz vorweisen müssen. Konkurrenz wird vor allem von großen Konzernen erwartet, die den Pionierunternehmen mächtig einheizen werden.

Im Online-Shopping-Geschäft sind die großen Handelskonzerne bereits aufgewacht und wollen eine wesentliche Rolle in diesem Marktsegment übernehmen. Wenn Handelsriesen wie Wal-Mart und K-Mart sowie der Buchriese Bertelsmann ihre Marktkräfte ins Internet bringen, könnte dies erhebliche Auswirkungen auf die Umsatzsteigerungen von Amazon.com haben. Die Spreu werde sich vom Weizen trennen, spätestens wenn der Preiswettbewerb härter werde. Die Frage, wer bei einem lang anhaltenden Preiskampf wohl den längeren Atem habe, sei dann relativ leicht zu beantworten.







 
 

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