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08.12.98 00:00
Stisweekly

Unilever: Die größte Praline der Welt?

(www.stisweekly.de) Unilever zählt zu den größten Lebens- und Waschmittelherstellern der Welt. Das niederländisch-britische Unternehmen beschäftigt 270.000 Mitarbeiter und verfügt in 88 Staaten über Niederlassungen. Dabei steht Unilever für so bekannte Markennamen wie: Omo, Timotei, Coral, Sunil, Viss, Domestos, Calvin Klein, Rama, Sanella, Lätta, Du Darfst, Becel, Bi-Fi, Magnum, Solero, Cornetto, Iglo/Langnese u.a.

Einige Produktsparten werden von Unilever strategisch gesondert behandelt. Dazu zählen u.a. Eiskrem, Teegetränke und pflanzliche Fette. Fast alle nehmen eine international führende Marktstellung ein und werden von der niederländischen Unilever N.V. (57%) und der britischen Unilever plc. (43%) gemeinsam betreut.

Im Jahr 1997 änderte Unilever seine Unternehmensphilosophie und ergriff Maßnahmen, um sich auf seine Kerngeschäftsfelder Nahrungsmittel (ca. 50% des Umsatzes), Waschmittel (ca. 24%) und Körperpflege (ca. 17%) zu konzentrieren. Die Spezialchemiesparte wurde im Juni 1997 für 13,5 Mrd. DM (15,2 Mrd. NLG) an ICI verkauft. In diesem Jahr wird Unilever voraussichtlich 2,2 Mrd. NLG für die Schließung unrentabler Anlagen aufbringen.

Geschäftszahlen

1997 erzielte Unilever einen Umsatz von 90,6 Mrd. NLG. Dies entspricht einer Steigerung um ca. 12%. Regional gesehen teilte sich der Umsatz im Absatzgebiet von insgesamt 160 Ländern folgendermaßen auf:

Europa 49%
Nordamerika 21%
Süd- & Mittelamerika 10%
Asien 14%
Afrika & Mittlerer Osten 6%

Bei einer Umsatzrendite von 10% konnte der Gewinn 1997 um 24% gegenüber dem Vorjahr auf 5,6 Mrd NLG weiter gesteigert werden. Der Cashbestand liegt bei etwa 10,5 Mrd. NLG. Auch in diesem Jahr setzt sich die erfreuliche Geschäftsentwicklung fort. Im dritten Quartal wurde der Gewinn vor Steuern um 37% auf 1,14 Mrd. GBP (3,58 Mrd. NLG)gegenüber dem Vorjahresquartal ausgeweitet. Dabei stieg der Umsatz um 1% auf 7,4 Mrd. GBP (23,2 Mrd. NLG). Allerdings floss in diese Geschäftszahlen ein Sondereffekt mit ein: Die Gesellschaft "Plant Breeding International Ltd." wurde für 260 Mio. GBP (816 NLG) an "Monsanto" (US-amerikanisches Saatgutunternehmen) veräußert. Trotzdem konnte man die Zwischendividende um 0,15 Pence auf 2,95 Pence pro Aktie erhöhen.

Geschäftsentwicklung

Auch an Unilever gingen die weltwirtschaftlichen Turbulenzen nicht schadlos vorüber. Vor allem in den emerging markets Osteuropa, Asien und Süd-& Mittelamerika mußte man deutliche Nachfrageabschwächungen hinnehmen. Selbst in Europa ging der Umsatz um 6% auf 3,4 Mrd. GBP (10,7 Mrd. NLG) zurück. Der europäische Markt gilt dabei als bereits ausgereizt und zukünftiges Wachstum plant die Unternehmensführung auf den Absatzmärkten der Schwellenländer zu erzielen. Bereits in den letzten Jahren ist der Umsatzanteil dieser Regionen überproportional angewachsen und 1998 stehen fast 11 Mrd. NLG für weitere Engagements zur Verfügung.

Im Jahr 1997 konnte Unilever seine Position in Süd- & Mittelamerika deutlich stärken. Zuerst übernahm man den Speiseeishersteller "Kibon, Sao Paulo" aus Brasilien von Philip Morris für 1,8 Mrd. NLG. Vom selben Unternehmen erwarb Unilever dessen 50%igen Anteil am brasilianischen Eiskremproduzenten "Sorvane". Das Unternehmen erzielte ein Umsatzergebnis von 118 Mio. DM (133 Mio. NLG). Weitaus bedeutender ist Kibon mit einem Marktanteil in Brasilien von ca. 60%. Die Gesellschaft erreichte einen Umsatz von 576 Mio. DM (649 Mio. NLG) bei einem Gewinnergebnis von 130 Mio. DM (150 Mio. NLG) und stellt damit den größten brasilianischen Speiseeishersteller. In Argentinien erwarb man von "Kraft Suchard Argentina S.A." deren Speiseeisbereich "Monthelado S.A.". Über den Verkaufspreis wurden keine Angaben gemacht. In den letzten fünf Jahren hat Unilever Eisproduzenten in neun süd- & mittelamerikanischen Staaten übernommen. Der weltweit größte Speiseeisproduzent mit einem Jahresumsatz von etwa 12 Mrd. NLG ist jetzt mit einem regionalen Umsatz von 7,7 Mrd. DM (8,7 Mrd. NLG) nun auch Marktführer in dieser Region. Die Unternehmensführung rechnet damit, daß sich der Speiseeismarkt in Süd- & Mittelamerika bis 2008 etwa verdoppeln wird.

In Irland zieht die starke Marktstellung von Unilever jedoch Probleme nach sich. Das Unternehmen hat dort, wie überall üblich, ihre Eistruhen gegen Miete in Geschäften aufgestellt. Dafür mußten diese exklusiv Unilever`s Eiskremprodukte vertreiben. Mit der Begründung des Mißbrauches seiner dominanten Marktstellung verbot die Europäische Kommission die Aufstellung von Kühltruhen durch die irische Tochtergesellschaft Unilever HB Ice Cream Ltd. Unilever will nun vor dem Europäischen Gerichtshof klagen. Die Ansprüche können dabei bis 7 Jahre zurückreichen. Damit ist eine Forderung von bis zu 1 Mrd. US-$ (1,9 Mrd. NLG) möglich. Allerdings handelt es sich dabei um einen Einmaleffekt.

Im Rahmen der Umsetzung der Konzentration auf die Geschäftskernbereiche will die Unilever Australia Ltd. ihre Kaffeesparte veräußern, die im Gegensatz zum Teesektor nicht mehr zu den Kernbereichen zählt.

Einen weiteren Unternehmenskauf realisiert Unilever derzeit in Griechenland. Für eine noch unbekannte Summe will man die Tomatenproduktionssparte von "Melissa-Kikizas S.A.", einem griechischen Lebensmittelkonzern, übernehmen. Die Gesellschaft hat in Griechenland eine starke Marktstellung und vertreibt mehrere Markennamen. Die Umsätze belaufen sich auf ca. 25 Mio. US-$ (47 Mio. NLG). Die Lebensmittelherstellung auf der Basis von Tomaten zählt zu Unilever`s Kernbereichen, die sie in den USA, Chile, Brasilien und Indien erfolgreich betreibt. Somit stellt die Aquisition eine weitere Verbesserung der strategischen Position dar. Es ist davon auszugehen, daß der Unternehmenskauf Anfang 1999 abgeschlossen sein wird.

Unilever gilt als einer der Vorreiter bei gentechnisch veränderten Lebensmitteln und entwickelte eine Margarine, die den Cholesterinspiegel um fast 10% senkt. Das Unternehmen tritt klar für eine Kennzeichnung der gentechnisch veränderten Produkte ein.

Ebenfalls als sehr aussichtsreich bewerten wir die Kooperation mit dem US-amerikanischen Internetsupermarkt "Netgrocer". Dieser wird Unilever-Produkte in sein Verkaufssortiment aufnehmen und dafür exklusive Vermarktungsrechte für zahlreiche Produktsparten und einen freien Zugang zur Kundendatenbank an Unilever abgeben.

Fazit

Unilever ist ein wahrer Global Player, der sich erfolgreich auf seine Kerngeschäftsfelder konzentriert und seine Marktposition stetig verbessert. Dabei ist seine Tätigkeit bei der Erschließung neuer Märkte (emerging markets, e-commerce) und als Vorreiter in der Entwicklung und Herstellung gentechnisch veränderter Lebensmittel als sehr aussichtsreich zu bewerten. Trotz der momentanen, temporären Schwierigkeiten auf den Absatzmärkten der Schwellenländer, werden diese langfristig gesehen die wichtigsten Wachstumsimpulse geben. Eine Sonderkonjunktur könnte Unilever durch einen möglicherweise bevorstehenden Aufschwung der Konsumnachfrage in Europa erleben. Das Management gilt als Shareholder-Value-orientiert. Der Wert unterliegt nur einer geringen Zyklik. Die Aktie legte in den vergangenen 18 Jahren durschnittlich um 20% pro Jahr zu. Die kontinuierlichen Wachstumsraten rechtfertigen das aktuelle KGV (`99) von 25. Aus diesen Gründen nehmen wir Unilever in unser konservatives Musterdepot auf.

Die Aktie von Unilever wird unter der WKN 860028 u.a. in Frankfurt gehandelt und notierte am 4.12. bei 126,00 DM.

(rst, 5.12.1998) - http://www.stisweekly.de
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