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Übersicht Rentenmarktentwicklung




01.10.03 17:03
Conrad Hinrich Donner Bank

Im 3. Quartal kam es an den Rentenmärkten zu der von uns seit längerem prognostizierten Trendumkehr, so die Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank.

Anfänglich sei diese Entwicklung von verbesserten Stimmungsindikatoren getragen worden. Nachdem zur Quartalsmitte erste "harte Daten" das Bild einer - wenn auch vorerst leichten - wirtschaftlichen Belebung gestützt hätten, sei dem herrschenden "Deflationsszenario" der Boden schnell entzogen worden.

Infolge dessen sei es sowohl am US-amerikanischen als auch am europäischen Rentenmarkt zu deutlichen Renditesteigerungen gekommen, welche mit entsprechenden Kursverlusten einhergegangen seien. So hätten beispielsweise 10-jährige US-Staatsanleihen in der Zeit von Mitte Juni (Renditetief) bis Mitte August (Renditehoch) bei einem Renditeanstieg von mehr als 150 Basispunkten ca. neun Prozent ihres Wertes verloren. In Europa sei es zwar nicht zu einem solch massiven Renditeanstieg gekommen, jedoch hätten auch hier die langen Laufzeiten zu den größten Verlierern gezählt.

Lediglich bei Anlagen mit Restlaufzeiten von bis zu drei Jahren hätten negative Wertentwicklungen verhindert werden können.

Wie oben dargestellt, würden insbesondere in den USA nun auch die ersten realwirtschaftlichen Kennzahlen eine konjunkturelle Belebung zeigen. So hätten die Daten zur Industrieproduktion und die Auftragseingänge zuletzt wieder eine positive Tendenz gezeigt. Trotzdem gehe man nicht davon aus, dass die US-Notenbank auf Sicht der nächsten sechs Monate die geldpolitischen Zügel anziehen und eine Zinserhöhung vornehmen werde. Vielmehr werde Notenbankchef Alan Greenspan eine Verstetigung des Konjunkturaufschwungs abwarten, um nicht Gefahr zu laufen, diesen abzuwürgen.

Auch aus Sicht der Preisentwicklung bestehe derzeit kein Grund, zinspolitisch tätig zu werden. So sei der Anstieg der US-Verbraucherpreise bei einer Jahresrate von zuletzt 2,1 Prozent stabil gewesen. Auch für das 4. Quartal erwarte man keine Belastung für die Verbraucherpreisentwicklung, zumal der zuletzt deutlich rückläufige Ölpreis hier für Entlastung sorgen sollte. Somit seien Sorgen um eine baldige Zinserhöhung in den USA nach Meinung der Analysten vorerst unbegründet.

Nachdem Mitte September ein leichter Renditerückgang für Entlastung am Rentenmarkt gesorgt habe, dürfte die Anfang Oktober beginnende Berichtssaison der Unternehmen für neue Impulse am US-Rentenmarkt führen.

Man gehe dabei davon aus, dass die Präsentation der Quartalsergebnisse das wirtschaftliches Szenario einer sich beschleunigenden Wirtschaftsdynamik stütze. Dies sollte dann auch durch weitere positive Konjunkturzahlen untermauert werden, so dass man von neuerlichen Belastungen für die Rentenmärkte ausgehe. Jedoch werde der Renditeanstieg nach Ansicht der Analysten mit einer deutlich geringeren Dynamik als in den letzten Monaten einhergehen.

Die Erwartung der Analysten weiter steigender Renditen werde auch durch die aktuelle Realverzinsung gestützt. Zwar habe der jüngste Renditeanstieg auch hier zu einer steigenden Realverzinsung geführt, jedoch liege der aktuelle Wert von zwei Prozent auf einem sehr niedrigen Niveau und deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Insbesondere nach dem Abklingen der Deflationssorgen sei davon auszugehen, dass sich das Realzinsniveau weiter nach oben anpassen sollte.

Auf Basis des skizzierten Szenarios würden die langen Restlaufzeiten auch im vierten Quartal das unattraktivste Laufzeitsegment darstellen. Der von den Analysten unverändert erwartete Leitzins der US-Notenbank FED dürfte sich einmal mehr stützend auf die kurzen Restlaufzeiten bis zu 2 Jahren auswirken, so dass man den Anlageschwerpunkt in diesem Bereich setze.

Auch in Euroland würden sich die Zeichen mehren, dass die konjunkturelle Talsohle nun endlich durchschritten scheine. Neben dem OECD-Frühindikator und diversen Stimmungsindikatoren (z.B. IFO-Geschäftsklimaindex) hätten zuletzt auch die EU-Industrieproduktionszahlen überzeugen können. Ungeachtet dessen entwickele sich die Wirtschaft im Gebiet der "Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) deutlich langsamer als in den USA.

Für die Europäische Zentralbank (EZB) sei es schwierig, hier stimulierend einzugreifen. So erlaube ihr Statut die Stützung der Wirtschaftentwicklung durch geldpolitische Maßnahmen nur, wenn das Primärziel der Geldwertstabilität erreicht sei. Dies gelte als gegeben, wenn der Anstieg des Harmonisierten Verbraucherpreisindexes (HVPI) mittelfristig zwei Prozent gg. Vorjahr betrage. Das erkläre auch, warum die Zinsmaßnahmen der EZB in der Vergangenheit auch nicht die gleiche Intensität wie die ihres amerikanischen Pendants aufweisen würden.

Der aktuelle HVPI-Anstieg liege mit 2,1 Prozent fast genau auf dem EZB-Referenzwert. Die EZB rechne auch auf Sicht der nächsten Quartale weder durch den Ölpreis noch durch die Währungsentwicklung mit Preisdruck. Entsprechend gehe man davon aus, dass der Hauptrefinanzierungssatz auf Sicht von sechs Monaten unverändert auf dem derzeit niedrigen Niveau bleiben werde.

Für die Renditeentwicklung bei kurzlaufenden Restlaufzeiten erwarte man für diesen Zeitraum daher keine deutlichen Renditesteigerungen respektive auch kaum negative Kurseffekte. Im mittel- bis langfristigen Laufzeitenbereich gehe man im vierten Quartal von einem fortgesetzten Renditeanstieg aus, jedoch werde dieser nach Meinung der Analysten nicht auf Inflationsängste zurückzuführen sein. Hierfür bestehe im Rahmen der prognostizierten moderaten Konjunkturerholung auch kein Anlass. Vielmehr würden die Renditeanstiege bei Mittel- und Langläufern im wesentlichen auf Korrelationseffekten gegenüber US-Staatsanleihen beruhen. Allerdings gehe man bei europäischen Staatspapieren nur von einem unterdurchschnittlichen Renditeanstieg aus.

Auf Basis der 12 Monatsprognose der Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank, in welcher man eine Beschleunigung der Wirtschaftsaktivität für den Euroraum unterstelle, erwarte man, dass es über die gesamte Renditestrukturkurve zu einem Anstieg komme.








 
 

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