Sohu.com meiden




27.12.00 00:00
asia weekly

Die Krise in der New Economy hat in dieser Woche ein weiteres Opfer gefunden: Sohu.com (WKN 502687). Das chinesische Portal, das an der Nasdaq notiert ist, mußte die Entlassung von 126 Mitarbeitern bekannt geben, berichten die Analysten von asia weekly.

Die Kündigungen seien nötig geworden, nachdem man das Jugend-Portal ChinaRen im Spätsommer für 30 Mill. US-$ übernommen hatte. Obwohl man damals noch ankündigt hatte, dass dies zu keinen Entlassungen führen würde, habe man nun der Ernüchterung bei den Internetwerten Tribut zollen müssen. Diese Maßnahme sei Teil eines konsequenten Sparplanes, der das Unternehmen bis 2003 profitabel machen solle. Denn bisher seien die Zahlen des Unternehmens eher schwach. Im dritten Quartal, das am 30.September endete, hätte man einen Nettoverlust von 4,3 Mill. US-$ ausweisen müssen. Das sei zwar ein wenig besser als im zweiten Quartal gewesen, das man mit einem Minus von 6,5 Mill. US-$ abschlossen habe, aber deutlich schlechter als im Vergleichsquartal ein Jahr zuvor.

Hier habe das Minus bei nur 1,2 Mill. US-$. Ein wenig besser sehe es beim Umsatz, der allerdings auf einem sehr niedrigem Niveau liegt, aus. Dieser habe bei 1,6 Mill. US-$ gelegen. Dies entspreche einer Steigerung von 400% zum Vorjahr und einer Steigerung um 23% zum Vorquartal. Ein weiteres Manko sei auch die Generierung des Umsatzes. Im dritten Quartal seien 93% aller Einnahmen durch Online-Werbung, der man eine schwere Zukunft vorher sagt, erzielt worden. Nur 3% seien aus dem Bereich e-Commerce hinzugekommen. In Zukunft wolle und müsse man hier jedoch zulegen. Während die Geschäftszahlen doch eher mäßig seien, sehe es bei den Nutzer und Zugriffszahlen weitaus besser aus. An Anfang Dezember habe man hier die neusten, durchaus beeindruckenden, Zahlen heraus geben können. Zusammen mit ChinaRen zähle man 12 Mill. registrierte Nutzer. Durchschnittlich könne man 87 Mill. Seitenabrufe zählen.

Damit sei das Unternehmen Marktführer bei den chinesischen Portalen. Bedenke man, dass gerade mal 20 Mill. Chinesen im Internet surfen und es in ein paar Jahren über 100 Mill. sein sollten, sehe man das Potential von Sohu.com. Sohu.com, was soviel heißt wie "Füchschen" sei 1996 vom Internetpionier Charles Zhang gegründet worden. Durch den Internetboom 1999 und 2000 habe das Unternehmen ein starkes Wachstum bei den Nutzerzahlen verzeichnen können, so dass man im Juli diesen Jahres den Gang an die Technologiebörse Nasdaq gewagt habe. Dort sei man mit über 13 US-$ gestartet. Danach sei es jedoch stetig nach unten gegangen. Momentan notiere man bei nur noch 1 7/8 US-$. Damit werde das Portal mit 66,8 Mill US-$ an der Börse bewertet.

Kurz darstellen lasse sich das Geschäft von Sohu.com: im großen und ganzen ähnele es dem bekanntem Portal Yahoo. Neben einer wirklichen Suchmaschine habe man über 300.000 chinesische Seiten, die von Mitarbeitern in verschiedene Kategorien eingeordnet würden. Daneben würden 12 Content-Channels existieren, in denen man die neusten News aus Politik, Börse, Sport usw. abrufen könne. Weiter biete man auch einen kostenlosen e-Mail-Service auf Chinesisch, verschiedene Boards, Chat-Räume und Messaging-Dienste an. Natürlich folge man auch beim e-Commerce dem großen Vorbild Yahoo. Man wolle zukünftig weniger von den Werbeeinnahmen abhängig werden und wolle die tNutzer zum Shopping auf den eigenen Seiten bewegen. Dazu würden schon einige Shopping-Seiten eingerichtet. Doch bisher habe man nur einen marginalen Teil des Umsatzes, wie oben schon erwähnt, in diesem Bereich erzielen können. Neben diesem großen Hauptportal versuche man auch auf die regionalen Bedürfnisse in China einzugehen. Dazu habe man mehrere kleinere regionale Portale in China gestartet.

Trotz der hohen Nutzerzahlen verstehe es Sohu bisher nicht daraus Kapital zu schlagen. Die anderen China-Portale, wie zum Beispiel Sina.com, könnten trotz weniger Nutzer bessere Ergebnisse vorweisen. Auch der hohe Anteil der Werbung am Umsatz mache vielen Analysten Kopfzerbrechen. Das Geschäftsmodell wolle der CEO Zhang trotz der schlechten Zahlen bisher nicht ändern. Erst jüngst habe er nochmal in Anspielung auf die Wandlung Tom.com´s zu einer Werbefirma bekräftigt, dass man sich auch zukünftig auf das Portalgeschäft konzentrieren wolle. Ein sehr interessantes Gerücht habe indes in dieser Woche in New York kursiert. Zeitungen würden spekulieren, dass sich die drei großen China-Portale Sina.com, Chinadotcom, Netease und Sohu.com fusionieren wollen. Der CEO von Chinadotcom, Peter Yip, habe gesagt, dass die Fusion dieser vier Firmen ideal und es eine Win-Win-Situation für alle wäre.

Die erste Dementis von Verantwortlichen der besagten Firmen seien jedoch schon gefolgt. Man werde in den nächsten Wochen sehen, was aus diesem Gerücht werden würde. Eine Fusion aller vier Portale sei eher unwahrscheinlicher. Einen Zusammenschluß von Zweien sei da schon wahrscheinlicher.

Trotz der guten Nutzerzahlen würden die Analysten von asia weekly wegen den eher mäßigen Geschäftszahlen von einem Investment in Sohu.com vorerst abraten. Das Unternehmen habe bisher nicht nachweisen können, dass man aus den hohen Nutzerzahlen Kapital schlagen könne. Da die Ausgaben für Online-Werbung weltweit zurückgehen würde, sehe es auch in nächster Zukunft für Sohu nicht allzu rosig aus. Da werde es auch schwierig werden, das Ziel, 2003 erste Gewinne zu erwirtschaften, zu erreichen.








 
 
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