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Rentenmarkt unter der Lupe




17.04.07 16:50
Conrad Hinrich Donner Bank

Hamburg (aktiencheck.de AG) - Für Käufer deutscher Staatsanleihen hat das Jahr 2007 begonnen, wie das vergangene Jahr endete - mit Kursverlusten bei längeren Laufzeiten, so die Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank.

Unter Hinzurechnung der Stückzinsen für das erste Quartal habe eine 10-jährige Bundesanleihe gerade noch einen positiven Gesamtertrag erwirtschaften können. Etwas besser falle die Bilanz im Bereich kürzerer Laufzeiten aus, bei denen durch die geringeren Kursverluste nicht der ganze Kupon aufgezehrt worden sei. Berücksichtige man die anteiligen Steuern auf die vereinnahmten Stückzinsen, verbleibe kaum noch eine positive Rendite. Von einem Realkapitalerhalt - also einem Ausgleich des inflationsbedingten Wertverlustes des angelegten Kapitals - könne schon gar keine Rede sein.

Wie erwartet, würden Investitionen in festverzinslichen Wertpapieren auch im laufenden Jahr keine wirklich gute Anlagealternative darstellen. Aus Sicht der Analysten dürften sich die Aussichten auf deutlich höhere Erträge im Segment der Staatsanleihen kaum verbessern. Die maximale Erwartung liege bei ca. 4,00% für das gesamte Jahr. Diese Rendite ließe sich nur steigern, wenn ein Anleger neben der aktuellen Verzinsung einer Anleihe zusätzliche Kursgewinne vereinnahmen könnte. Dies wiederum würde bedeuten, dass die Renditen fallen müssten, was angesichts des positiven konjunkturellen Umfeldes zurzeit jedoch kaum zu erwarten sei.

Die EZB stelle nach wie vor die "Aufwärtsrisiken für die Preisstabilität" in den Vordergrund und weise damit ein mögliches Ende des Zinserhöhungszyklus zunächst einmal weit von sich. Auch wenn man die Inflationsgefahren wie in der Vergangenheit bereits beschrieben für weniger gravierend halte, sei noch mit mindestens einem weiteren Zinsschritt der Notenbank zu rechnen. In höher verzinslichen Rentensegmenten wie Unternehmens- oder Schwellenländeranleihen seien nur wenig höhere Renditen zu erzielen. Zudem sollten diese aufgrund der höheren Risiken in einem risikoarmen Depot nicht über die Gewichtung einer Beimischung hinausgehen.

Ein Ansatzpunkt für risikoarme Privatanleger, ihre Ertragsaussichten zu verbessern, sei die Optimierung der Nachsteuerrendite ihrer Anlagen. Gerade in Zeiten stetig sinkender Sparerfreibeträge komme der Nachsteuerbetrachtung eine immer höhere Bedeutung zu.

Doch auch für reine Rentenanleger böten sich Möglichkeiten, zumindest einen Teil der Rendite steuerfrei zu vereinnahmen. Die Rendite einer Anleihe ergebe sich aus zwei Komponenten - dem Kupon, also der Nominalverzinsung der Anleihe, und der Kursentwicklung während der Haltedauer. Der Kurs einer Anleihe passe sich während der Laufzeit stetig dem aktuellen Niveau der Kapitalmarktzinsen an. Steigende Kapitalmarktzinsen würden dabei Kursverluste auf bestehenden Anleihepositionen bedeuten, während sinkende Zinsen zu Kursgewinnen führen würden. Entsprechend müsse eine Anleihe mit einem deutlich unter dem aktuellen Zinsniveau liegenden Kupon zurzeit unter dem Nominalwert von 100% notieren. Zum Ende der Laufzeit bekomme der Anleger die Anleihe jedoch zum Nominalwert zurückgezahlt.

Der Kupon werde automatisch zum Zeitpunkt der Ausschüttung versteuert. Die Bank führe den für die Zinsabschlagsteuer fälligen Betrag direkt an den Fiskus ab. Kursgewinne hingegen seien für einen Anleger - sofern die Anleihe länger als ein Jahr gehalten werde und die ab 2009 geplante Abgeltungssteuer noch nicht in Kraft trete - steuerfrei. Daher gelte allgemein: Je niedriger die Nominalverzinsung, also der Kupon einer Anleihe, desto höher sei der steuerfreie Anteil am Gesamtertrag. Steuersensitive Anleger sollten daher möglichst niedrigverzinsliche Anleihen für ihr Depot auswählen.

Natürlich würden niedrige Kupons gleichzeitig auch geringe laufende Erträge aus den Zinszahlungen der Anleihen bedeuten. Der Käufer einer niedrigverzinslichen Anleihe verlagere einen Teil des Ertrages auf einen Zeitpunkt in der Zukunft, nämlich auf das Datum der Fälligkeit der Anleihe.

Sofern ein Anleger gar keinen Wert auf laufende Ausschüttungen lege, bestehe die Möglichkeit, eine Anleihe zu erwerben, die keinen Kupon besitze. Diese Nullkuponanleihen würden vollständig abgezinst begeben, d.h. der Kurs sei bei Laufzeitbeginn sehr niedrig. Der gesamte Ertrag aus der Anleihe fließe dem Anleger am Ende der Laufzeit in Form der Rückzahlung zu 100% zu. Da erst dann die Versteuerung der Erträge erfolge, sei diese Form des Anleiheinvestments besonders für jene Anleger interessant, die zum Zeitpunkt der Rückzahlung in eine günstigere Steuerklasse fallen würden.

Steuerlich günstiger als eine klassische Anleihe, jedoch auch risikoreicher sei der Kauf von Wandelanleihen. Wandelanleihen seien relativ niedrig verzinste Unternehmensanleihen. Als Ausgleich für den geringen Kupon habe der Käufer der Anleihe die Möglichkeit, zwischen der Rückzahlung zum Nominalkurs und der Rückzahlung in Form einer vorab festgelegten Anzahl von Aktien des emittierenden Unternehmens zu wählen.

Die Rückzahlung in Form der Aktien lohne sich für den Anleger immer dann, wenn sich deren Kurs besonders positiv entwickelt habe. In diesem Fall sei mit einer Wandelanleihe auch die Erzielung eines sehr hohen - aktienähnlichen - Kursgewinns möglich. Sehr hohe Kursgewinne könnten allerdings bei negativer Entwicklung der zugrunde liegenden Aktie auch schnell wieder verloren gehen. Allgemein seien Wandelanleihen daher besonders bei positiven Aktienmarkterwartungen interessant.

Für Anleger, die nicht in einzelne Anleihen investieren möchten, bestehe auch die Möglichkeit, steueroptimierte Rentenfonds zu kaufen, welche sich die oben genannten Strategien zunutze machen würden. Ein Vorteil der Fonds sei, dass bei Verkäufen von Anleihen innerhalb des Fondsmantels auch unter Jahresfrist keine Spekulationssteuer anfalle. Die Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank würden ihren Anlegern mit dem Cominvest Adireth einen der besten steueroptimierten Rentenfonds der vergangenen Jahre empfehlen.

Aufgrund der sich jüngst wieder verflachenden Zinsstruktur in Deutschland würden die Analysten zunächst weiter relativ kurze Laufzeiten empfehlen. Nach wie vor werde das höhere Kursrisiko länger laufender Anleihen nicht adäquat entlohnt. Die Entwicklung am deutschen Rentenmarkt werde in den kommenden Wochen eher von charttechnischen als von fundamentalen Signalen geprägt sein.

Während sich die 10-jährigen Zinsen seit Anfang der achtziger Jahre in einem langfristigen Abwärtstrend befänden, zeige ein Blick auf den Bund-Future - einen Indikator für die Wertentwicklung einer idealtypischen 10-jährigen Bundesanleihe - eine kurzfristig sehr interessante Konstellation. Die bei ca. 115% bestehende starke Unterstützung und der seit Oktober 2006 anhaltende Abwärtstrend würden eine so genannte Keilformation bilden. Entscheidend für die kurzfristige Entwicklung der Renten werde sein, ob der Ausbruch des Bund-Futures nach oben - was weitere Kursgewinne implizieren würde - oder nach unten erfolge.

Anders als die EZB scheine die amerikanische Notenbank FED mittlerweile von ihrem sehr restriktiven Kurs abzuweichen. Die jüngsten Äußerungen der Notenbanker würden immer mehr auf eine im weiteren Jahresverlauf anstehende erste Zinssenkung hindeuten. Auch wenn dies zukünftig steigende Anleihenotierungen in Aussicht stelle, sollten Anleger aufgrund des Währungsrisikos bei USD-Anleihen eher im Euroraum investieren.

Die Positionen im Bereich der Unternehmens- und Wandelanleihen würden die Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank aufgrund der höheren Renditeaussichten und der zurzeit begrenzten Risiken beibehalten. (Ausgabe vom 2. Quartal 2007) (17.04.2007/ac/a/m)








 
 

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