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Intern. Börsen zeigten sich launisch




03.02.06 17:21
MERIDIO Vermögensverw. AG

Die maßgeblichen Aktienindices in Deutschland, Japan und den USA zeigten sich nach einem starken Start in das Jahr 2006 in der zweiten Januarhälfte launisch und starteten die von den Experten der MERIDIO Vermögensverwaltung AG erwartete Korrektur.

Für den Monat Februar favorisiere man im DAX nochmals anziehende Notierungen bis um 5.680/5.730 Punkte. Nachdem der DAX bei 5.553 Punkten den höchsten Stand seit dem Jahre 2001 erreicht habe, sei es zu der von den Experten im vergangenen "MERIDIO Investor" anvisierten Korrektur gekommen. Nach der beeindruckenden Jahresendrally des Vorjahres hätten die Anleger die beginnende US-Berichtssaison, einen steigenden Ölpreis und Bilanzunregelmäßigkeiten in Japan zum Anlass genommen, zunächst die erzielten Gewinne mitzunehmen. Der DAX sei innerhalb dieser Korrekturphase mangels inländischer Impulse vor allem den Kursrückschlägen in den USA bzw. Japan gefolgt. Enttäuschende Ergebnisse einiger populärer US-Firmen wie Yahoo! und Intel hätten die latente Angst eines sich in diesem Jahr abschwächenden Gewinnwachstums der US-Firmen geweckt.

Ein Blick auf die Tatsache, dass in der ersten Woche der Berichtssaison zwei Drittel der veröffentlichten Ergebnisse über den Erwartungen gelegen hätten und der Konsensus laut Thomson Financial immer noch von einem Gewinnwachstum im Gesamtjahr von 12% ausgehe, relativiere jedoch die aufkeimende Angst. Obwohl es tatsächlich trotz guter Zahlen teilweise enttäuschende Ausblicke gegeben habe, dürften die vorgelegten Zahlen eher das Alibi für die erfolgten Verkäufe gewesen sein. Die Märkte seien nach den starken Zuwächsen der Vormonate einfach reif für eine Korrektur gewesen. Dies gelte insbesondere beim Blick auf den deutschen Aktienmarkt. Schon im vergangenen Jahr seien die deutschen Unternehmen infolge der erzielten Restrukturierungserfolge deutlich stärker in Sachen Gewinnzuwachs als die Kollegen aus den USA gewesen.

Umso mehr habe das äußerst negative Ergebnis der Infineon den deutschen Aktienmarkt geschockt. Wegen des Preisverfalls bei Speicherchips habe das bayerische Unternehmen einen doppelt so hohen Quartalsverlust als erwartet ausgewiesen. In Japan habe die Furcht vor einem japanischen Enron zu panikartigen Verkäufen gesorgt. Der US-Energieriese Enron, einst das siebtgrößte Unternehmen der USA, habe 2001 nach Bilanzfälschungen innerhalb von nur 3 Wochen zusammengebrochen und eine tiefe Vertrauenskrise an den internationalen Aktienmärkten nach sich gezogen. Auslöser der Verunsicherung in Japan sei der Vorwurf der Bilanzmanipulation gegen den Internetwert Livedoor gewesen.

Das Unternehmen um den in Japan äußerst populären Takafumi Horie (Der Spiegel habe ihn einmal den Bill Gates Japans genannt) werde durch Bilanzfälschung verdächtigt, einen Gewinn von rund 1,4 Mrd. JPY, statt eines tatsächlichen Verlustes von 1 Mrd. JPY ausgewiesen zu haben. Neben einem Abschlag am Nikkei 225 innerhalb von zwei Tagen in Höhe von rund 8% (Hoch am 17.01.2006/Tief am 18.01.2006) hätten die massiven Verkäufe zu einem vorzeitigen Handelsschluss an der Börse in Tokio gesorgt.

Die große Aktivität der verunsicherten Anleger habe das Computersystem an den Rand eines Zusammenbruchs gebracht. Dieser Sonderumstand dürfte aber nur deswegen zu einer derart heftigen Reaktion geführt haben, weil auch der japanische Aktienindex längst überfällig für eine Korrektur gewesen sei. Insgesamt hätten die genannten Negativfaktoren zu einer durchaus gesunden Korrektur im DAX geführt, die den deutschen Leitindex bis auf ein Tief von 5.290 Punkten geführt habe.

Mit einer wieder ereignisreicheren Nachrichtenlage im Inland sei diese Phase der Kursabschläge allerdings wieder beendet gewesen. Der ifo-Index (Stimmungsindikator der deutschen Wirtschaft) auf einem Fünf-Jahres-Hoch sowie überzeugende SAP-Zahlen hätten für eine deutlich verbesserte Stimmung am Aktienmarkt und wieder ansteigende Notierungen gesorgt.

Nehme man die ebenfalls starken Kursreaktionen auf die Bilanzen von Siemens und ThyssenKrupp hinzu, gehe man weiterhin von einem sehr positiven Umfeld für deutsche Aktien im weiteren Verlauf der Berichtssaison aus. Die nach den erfolgten Rückschlägen auf dem niedrigen Niveau wieder eingesetzten, heftigen Käufe würden zeigen, dass der DAX neben Japan nach wie vor zu den Lieblingen der internationalen weiter üppigen Liquidität gehöre. Die Gründe für diese Präferenz hätten die Experten bereits in der vergangenen "MERIDIO Investor"-Ausgabe ausgiebig skizziert (günstige Bewertung im internationalen Vergleich, Restrukturierungserfolge deutscher Unternehmen, hohe Liquidität, anziehende Konjunktur, Regierungswechsel, Fußball-WM).

Insbesondere erwarte man ein ausreichend starkes Wachstum in China und in den USA. In den USA sollte nach der Wachstumsdelle im vierten Quartal 2005 bereits im ersten Quartal 2006 wieder ein Wachstum um 3,5% möglich sein. Die konjunkturellen Risiken lägen dabei weiter in einer Abkühlung des US-Immobilienmarktes und einem ausufernden Ölpreis. Die Anzeichen für Ersteres hätten sich durch die Veröffentlichungen im Januar weiter verdichtet und auch die Risiken beim Ölpreis würden in den Augen der Experten weiter auf der Oberseite bleiben.

Fraglich bleibe aber weiterhin, inwieweit und wann diese Faktoren tatsächlich auf das US-Wachstum durchschlagen würden und bestimmend in den Fokus der Börse geraten würden. Bis auf eine temporäre Reaktion auf die Veröffentlichung des US-BIP für das vierte Quartal 2005 und immer wieder einsetzende kurzfristige Abschläge bei Annäherung des Ölpreises an psychologisch wichtige Marken (70 USD/Barrel, 75 USD/Barrel), sehe man noch keine deutlich negativen Einflüsse auf die Aktienentwicklung im Monat Februar.

Hier komme hinzu, dass man aus der technischen Warte für den Monat Februar im Gegensatz zum Gesamtjahr zunächst noch von einem Ölpreis unter 70 USD/Barrel (Light Crude) ausgehe. Ein weiterer positiver Effekt für das Jahr 2006 sei ebenfalls bereits im Januar zu beobachten gewesen. Durch die prall gefüllten Kassen im Unternehmenssektor dürften immer mehr Unternehmen und Branchen zum Gegenstand von Fusions- und Übernahmeaktivitäten bzw. damit zusammenhängenden Fantasien werden.

Eine wirkliche spannende Story im Monat Januar sei dabei die noch offene Schlacht im Stahlsektor gewesen, welche zu Kursanstiegen quer durch die Unternehmen der Branchen geführt habe. ThyssenKrupp habe sich zunächst eine Bieterschlacht mit der luxemburgischen Arcelor um den kanadischen Marktführer Dofasco geliefert. Innerhalb dieser Auseinandersetzung sei ThyssenKrupp zunächst nicht bereit gewesen, mehr als 68 USD je Aktie zu bieten und habe so dem Gebot des Mitbewerbers von 71 USD unterlegen.

Überraschend habe dann allerdings der weltgrößte Stahlkonzern Mittal Steel aus Indien ein feindliches Übernahmeangebot für die im Dofasco-Deal siegreiche Arcelor vorgelegt. Mit 28,21 Euro je Aktie liege das Gebot der Inder dabei 27% über dem zu diesem Zeitpunkt aktuellen Aktienkurs der Arcelor. Der Clou dieser Verwicklung stelle aber der Umstand dar, dass Mittal Steel gleichzeitig bekannt gegeben habe, einen Vertrag mit ThyssenKrupp geschlossen zu haben, wonach die gerade erst von Arcelor einverleibte Dofasco dann zum Preis von 68 USD an das deutsche Unternehmen gehen solle. Letztlich bleibe nach den Aufschlägen zum Ende des Januars auch die technische Lage im DAX weiterhin klar positiv und kurstreibend.








 
 

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