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FED in abwartender Haltung




08.03.12 10:26
BayernLB

München (www.aktiencheck.de) - Für die Sitzung des Ofenmarktausschusses (FOMC) am kommenden Dienstag, den 13. März, rechnen wir mit einer unveränderten Geldpolitik, so die Analysten der BayernLB.

Es werde abermals angekündigt, den Leitzins bis spät ins Jahr 2014 in der Spanne von 0% bis 0,25% zu belassen, und die als "Operation twist" bezeichnete Laufzeitverlängerung des Staatsanleihe-Portfolios werde fortgesetzt. Mit zusätzlichen Anleihekäufen (QE3) rechne man zunächst nicht. Deren Wahrscheinlichkeit habe seit der letzten Sitzung abgenommen.

Für eine abwartende Haltung der Notenbank spreche, dass die Konjunkturdaten zuletzt mehrheitlich positiv überrascht hätten. Insbesondere auf dem Arbeitsmarkt habe sich der Stellenaufbau deutlich auf zuletzt über 200 000 Jobs pro Monat beschleunigt. Darauf habe auch Chairman Bernanke (trotz einer insgesamt vorsichtigen Konjunktureinschätzung) bei seiner Anhörung vor dem Kongress Ende Februar hingewiesen. Dies mindere den Handlungsdruck für die Notenbank, deren duales Mandat sie neben der Gewährleistung stabiler Preise zur "Förderung maximaler Beschäftigung" verpflichte. Auch am Immobilienmarkt - auf dessen Erholung zusätzliche Anleihekäufe über eine Senkung der Hypothekenzinsen wohl abzielen würden - sei eine allmähliche Aufwärtsbewegung zu beobachten.

Weil jedoch gleichzeitig einige wichtige Indikatoren (allen voran die monatlichen Konsumausgaben) schwach ausgefallen seien, würden die FED-Mitglieder die positiven Nachrichten aber mit Vorsicht interpretieren und vorerst eine abwartende Haltung einnehmen. Dafür spreche auch, dass derzeit keine Deflationsrisiken erkennbar seien. Das von der Notenbank bevorzugte Inflationsmaß, der Preisindex der Konsumausgaben (ohne Nahrungsmittel und Energie), habe im Januar mit 1,9% zum Vorjahr im Zielbereich der Notenbank gelegen. Mit dem Anstieg der Rohölpreise seit Jahresbeginn habe das Risiko höherer Teuerungsraten weiter zugenommen.

Insgesamt dürfte das Statement zur Zinsentscheidung also nur geringfügig angepasst werden. Den konjunkturellen Ausblick betreffend würden die FOMC-Mitglieder wohl weiterhin mit einem "bescheidenen" Expansionstempo rechnen. Auch werde die FED ihre Einschätzung wiederholen, die Inflation werde sich auf, oder etwas unter dem Zielniveau einpendeln. Allerdings sei zu erwarten, dass die gestiegenen Energiepreise Erwähnung finden würden.

Die Hürde für einen Beschluss weiterer Anleihekäufe in den kommenden Monaten liege aber nicht hoch. Bereits in der Januar-Sitzung hätten sich einige FOMC-Mitglieder für ein neues Kaufprogramm in naher Zukunft ausgesprochen. Weitere Befürworter für QE3 würden sich laut Protokoll finden, wenn sich das konjunkturelle Expansionstempo verlangsamen oder sich mittelfristig eine Teuerungsrate von unter 2% abzeichnen würde. Beides sei aus heutiger Sicht nicht unwahrscheinlich: Erstens rechne die FED im Jahresdurchschnitt 2012 mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung um 2,2% bis 2,5%, gehe man nach den im Januar veröffentlichten Projektionen. Die Konsens-Prognose liege mit 2,2% derzeit am unteren Rand der Spanne (BayernLB: 2,1%). Es bestehe also leichtes Enttäuschungspotenzial.

So würden die bisher veröffentlichten Daten für das laufende Quartal eine Halbierung des Expansionstempos (1,5% zum Vorquartal) gegenüber dem Jahresende 2011 (3,0%) anzeigen. Damit einhergegangen sei eine Verlangsamung des Beschäftigungsaufbaus gegenüber dem Tempo der vergangenen Monate, worauf auch Chairman Bernanke vor dem Senat hingewiesen habe. Zweitens hätten die FED-Mitglieder im Januar selbst eine mit 1,5% bis 1,7% im laufenden Jahr unterhalb des 2%-Ziels liegende Teuerungsrate prognostiziert. Zwar dürfte die Inflationsrate bei einem weiterhin hohen Niveau der Rohölpreise steigen. Allerdings würde dies auch die Konjunktur belasten.

Letzterem Effekt werde die FED wohl angesichts der nach wie vor sehr hohen Arbeitslosigkeit ein größeres Gewicht beimessen - zumal der kräftige Anstieg der Rohstoffpreise im Jahr 2011 nur vorübergehend für eine höhere Teuerung gesorgt habe. Aus diesen Gründen würden die Analysten weiterhin mit einer dritten Runde Anleihekäufe rechnen, wenngleich die Wahrscheinlichkeit nunmehr leicht über 50% liege.

Als "kleinere" Maßnahme stünde der FED eine Verlängerung der als "Operation twist" bezeichneten Umstrukturierung des Treasury-Portfolios hin zu längeren Laufzeiten über die Jahresmitte 2012 hinaus zur Verfügung. Diese würde - anders als ein QE3- Programm - nicht zu einer Ausweitung der Zentralbankbilanz und den damit verbundenen zusätzlichen Risiken für die Preisstabilität führen. Ende Juni dürfte der zur Verfügung stehende Bestand an Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von unter fünf Jahren noch bei rund 480 Mrd. US-Dollar liegen.

Eine ähnliche Wirkung hätten "sterilisierte" Anleihekäufe, deren Einsatz die Zentralbank nach einem Bericht des "Wall Street Journal" überprüfe. Dabei würde die durch den Ankauf länger laufender Anleihen entstehende zusätzliche Liquidität dem Bankensystem durch kurzfristige Geschäfte (z.B. Reverse Repos) entzogen. Auf eine ähnliche Weise verhindere die EZB bei Staatsanleihekäufen im Zuge des SMP eine Ausweitung der Geldmenge. Beide Schritte würden wohl innerhalb des FOMC auf geringere Widerstände als ein QE3-Programm stoßen. Vorraussetzung wäre aber ebenfalls, dass sich eine Verringerung des konjunkturellen Expansionstempos abzeichnen würde. (08.03.2012/ac/a/m)








 
 

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