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Börsenbewegende Meldungen




14.01.02 11:23
iWatch

Wie erwartet gaben sich die US Börsen zu Beginn der vergangenen Woche noch ein wenig schwächer, berichten die Analysten von „iWatch“.

AOL Chef Stephen Case habe sich am Montag eine Stunde nach Börsenschluss zu Wort gemeldet und habe Analysten Rede und Antwort gestanden über die zukünftigen Geschäftsaussichten und Strategien. Die Erwartungen der Analysten seien bereits gedämpft gewesen, bereits in den ersten Tagen des neuen Jahres habe Mary Meeker, Staranalystin bei Morgan Stanley die Umsatz- und Ertragsschätzungen für das laufende Jahr 2002, als auch für das kommende Jahr 2003 herab gesenkt. Das Wachstum der AOL-Nutzer sei nicht mehr das, was es einmal gewesen sei und ob sich die Werbeeinnahmen schon im laufenden Jahr wieder erholen könnten sei fragwürdig.

So werde nun nur noch ein Abonnentenwachstum von 20% erwartet, bis vor kurzem habe man noch 30% Wachstum p.a. aus diesem Bereich erwartet. Der eingebrochene Werbemarkt werde wohl im laufenden Jahr zu einem Nullwachstum im Umsatz führen, erst im nächsten Jahr würden dort dann wieder Zuwachsraten von über 20% erzielt werden sollen.

Es sei nicht das erste mal gewesen, dass AOL Time Warner die Prognosen der Analysten zu dämpfen versucht habe. Seit im Januar 2000 Time Warner von AOL übernommen worden sei, sei das Vorzeigeunternehmen des Internets tief in die Medienlandschaft eingetaucht. So habe sich AOL zwar ein wenig dem Blutbad der Internetaktien entziehen können, leide nun jedoch an den Turbulenzen in der Medienlandschaft.

Werden "Harry Potter" und "Lord of the Rings - Der Herr der Ringe" für einen Umsatzschub ausreichen? Wird CNN die nach dem September angestiegene Popularität in Werbeeinnahmen umwandeln können? Das seien die Fragen. Auch Erfolg führe nicht automatisch zu hohen Gewinnen, solange die Werbebranche sich nicht erhole, könne auch AOL Time Warner nicht an frühere Wachstumsgeschwindigkeiten anknüpfen. Auf dem aktuellen Kursniveau ergebe sich ein KGV 02e (Schätzung für 2002) von 25. Nachdem das Unternehmen KGVs im dreistelligen Bereich gewohnt gewesen sei , sei nun, nach zwei Jahren Kurskorrektur mit anschließender Seitwärtsbewegung wieder ein vertretbares Kursniveau erreicht. Der Kurs sei seit dem Zusammenschluss von AOL mit Time Warner um 56% gefallen.

In der Analystenkonferenz habe CEO Stephen Case mit der Meldung überrascht, dass eine Good Will Abschreibung über 60 Mrd. US-Dollar vorgenommen werde. Grund sei das zu Zeiten der Übernahme vor zwei Jahren viel höhere Kursniveau beider Unternehmen. Es bleibe spannend zu beobachten, wann sich die Situation für AOL Time Warner wieder verbessere. Denn eine Erholung des Werbemarktes würde AOL binnen kürzester Zeit dazu verhelfen, die eigenen Prognosen nach oben zu durchbrechen. Das Geschäftsmodell sei voll darauf ausgelegt, von dieser Erholung zu profitieren. Nur - wie lange werde es wohl noch dauern, bis es soweit sei?

Investoren, die auf lange Sicht ein Auge auf AOL geworfen hätten, würden sich nicht mit dem Einstieg in diese Aktie zu beeilen brauchen. Zu weit entfernt sei noch die Erholung. Man solle besser warten, bis sich die Situation für AOL verbessert habe und dann auf einem gegebenenfalls um 20% höheren Niveau einsteigen. Damit spare man sich die bange Zeit des Wartens und habe noch immer die Möglichkeit am langfristigen Wachstum von AOL Time Warner teilzuhaben.

Am Dienstag habe Infineon (IFX) für Schlagzeilen gesorgt, die auf den Halbleitersektor in die USA übergeschwappt hätten. Zum einen habe Infineon die Emission einer Wandelanleihe in der Höhe von 1 Mrd. Euro mit einer Laufzeit von 5 Jahren bekannt gegeben. Zum anderen trenne sich Siemens von 40 Mio. Stück Infineon Aktien. Goldman Sachs sei mit dem Verkauf der Tranche beauftragt.

Die Ausgabe einer Wandelanleihe mit "attraktiven" Konditionen sei zumeist für die Altaktionäre eine unschöne Sache. Das Unternehmen benötige Geld und müsse durch ein attraktives Angebot Investoren finden, die dem Unternehmen einen Kredit gewähren würden. Dieser Kredit werde dann zu marktüblichen Konditionen verzinst. Als Lockmittel schreibe man eine Relation zum Aktienkurs fest und gewährt dem Investor die Möglichkeit, nach belieben am Ende der Laufzeit den Betrag in Aktien der Gesellschaft wandeln zu lassen. Dies sei zusätzlich zur meist unattraktiven Verzinsung ein spekulatives Element.

Der Investor erhalte also die Möglichkeit, auf den Aktienkurs zu spekulieren, wobei der eingesetzte Betrag nach unten durch die Rückzahlungsgarantie abgesichert sei. Aktionäre hätten keinen solchen Luxus der Absicherung. Daher komme es bei der Emission von Wandelanleihen regelmässig zu Kursabschlägen. Einige Investoren würden ihre Aktien verkaufen und für den Gegenwert die Wandelanleihe kaufen. Durch den Verkauf der Aktien gebe der Kurs nach.

Die zweite Meldung, Siemens trenne sich von 40 Mio. Stück Infineon Aktien treffe die Börse nicht unvorbereitet. Erst vor kurzem habe Siemenschef von Pierer verkündet, dass er sich im Jahr 2002 von weiteren Anteilen von der Unternehmenstochter Infineon trennen wolle. Die Meldung diesbezüglich sei also höchstens in ihrem Zeitpunkt eine Überraschung. Eine nähere Betrachtung der Börsensituation hingegen lasse auch den Zeitpunkt in einem anderen Licht erscheinen. Seit dem Kurstief Mitte September habe sich der Kurs von Infineon 11 US-Dollar
auf inzwischen über 25 US-Dollar mehr als verdoppeln können. Eine Konsolidierung dieser Rallye sei nun ohnehin absehbar gewesen.

Die Halbleiterindustrie gelte gleichermassen als Spät- und als Frühindikator für Konjunkturumschwünge. Noch im Herbst 2000, als das Damoklesschwert des konjunkturellen Abschwungs schon über der Wirtschaft schwebte, hätten Infineon und die gesamte Halbleiterindustrie noch mit steigenden Auftragseingängen prahlen können. Als erstes Element im Glied der Produktionskette habe Infineon noch immer Aufträge erhalten, mit denen Hardwareproduzenten ihre Lagerhallen füllten. Erst als Investitionen deutlich zurückgegangen seien und die Lagerbestände nicht mehr abgebaut werden konnten, seien Aufträge plötzlich storniert worden, es habe kaum noch Neuaufträge gegeben. Die Konjunkturschwäche habe in der Halbleiterbranche dadurch zwar spät aber dafür um so härter eingeschlagen.

Genau anders herum sei es nun. Inzwischen seien Lagerbestände abgeschrieben worden, es würden wieder Produkte der neuesten Generation benötigt. Erste Anzeichen einer konjunkturellen Erholung würden zu neuen Auftragseingängen führen. Aufgrund der inzwischen wieder leeren Lagerhallen würden neue Aufträge dann direkt wieder zu Produktionsaufträgen führen, Infineon gehöre so zu den ersten, die wieder steigende Produktionsauslastungen vermelden könnten. Aufgrund dieser Zusammenhänge seien Infineon Aktien derzeit an der Börse beliebt. Ein günstiger Zeitpunkt also, um zwei so unangenehme Meldungen in den Markt zu geben.

Am Dienstag Abend dann habe Cisco (CSCO) Chef John Chamber für Verwirrung gesorgt. Kurz vor Börsenschluss habe sich Chambers an die Anlegergemeinde gewandt und vermeldet, dass sein Unternehmen zwar Marktanteile gewinne, das Marktumfeld jedoch schwer bleibe. Medien hätten umgehend die Meldung verbreitet, dass Cisco Chef John Chambers, einer der besten Manager der USA, schweren Zeiten entgegensehe. Im nachbörslichen Handel habe Cisco demzufolge schwächer notiert.

Später am Abend sei Chambers nochmals zu sehen gewesen, diesmal im Fernsehsender CNBC. Er habe wohl gemerkt, dass er missverstanden worden sei und habe seine Formulierung diesmal umgekehrt: In diesem schweren Marktumfeld gelinge es Cisco, Marktanteile hinzuzugewinnen. Jetzt hatten es Analysten verstanden. Der Kurs der Aktien habe am nächsten Morgen mit einem Aufschlag von 3% eröffnet. Mit Cisco habe die ganze Börse angezogen.

Auch die SAP AG (SAP) habe am Mittwoch für neue Euphorie gesorgt. So schnell, wie der Kurs SAP in atemberaubendem Tempo nach dem Ende der Börsenhausse in den Keller gerauscht sei, so schnell scheine er sich nun auch wieder zu erholen. Aufgrund der Meldung vom Mittwoch früh, dass der Umsatz von SAP im 4. Quartal 2001 stolze 1 Mrd. Euro übersteige und damit zu einem Umsatzwachstum von 16% im Gesamtjahr 2001 führe sei der Kurs der Aktie um bis zu 12% auf bis zu 38 US-Dollar gesprungen. Verantwortlich für diese Stimmungsschwankungen seien im wesentlichen zwei Faktoren: Zum einen das durch die hohen Erwartungen hohe Kursniveau, zum anderen der intransparente Wettbewerb.

Zum ersten Punkt: Dieser sei hinlänglich bekannt. Wer hoch steige, werde um so tiefer fallen. Dies gelte auch an der Börse. Ein KGV im dreistelligen Bereich lasse nun einmal keine Konjunkturschwäche zu. Der Kurs sei übertrieben in die Höhe gejubelt worden und bei den ersten Anzeichen für ein Nachlassen der Wachstumsgeschwindigkeit sei der Kurs in den Keller gerauscht. Bei SAP habe dies von 80 auf 40 US-Dollar in nur zwei Monaten geheißen. Ein halbes Jahr später sei der Kurs gar auf 21 US-Dollar gefallen. Erschwerend jedoch seien Wettbewerbsängste hinzugekommen. Und man wisse: Man habe meist nur vor Dingen Angst, die man nicht genau kenne. So habe kaum jemand verstanden, was hinter dem Schlagwort B2B tatsächlich stand. B2B stehe für Business-to-Business und sei ein Oberbegriff für die Handelsbeziehung von Unternehmen zueinander.

Diese Handelsbeziehung sei im späten Internetboom von Unternehmen wie Ariba (ARBA), Commerce One (CMRC), VerticalNet (VERT), i2 Technologies (ITWO), Purchase Pro (PPRO) und vielen mehr bearbeitet worden. Dabei gehe es darum, den Ein- und Verkauf von B- und C-Produkten zu automatisieren. B- und C-Produkte seien für den reibungslosen Ablauf im Unternehmen notwendig, jedoch keine Einsatzstoffe des Produktionsprozesses. Im Idealfall würden die Bedarfe automatisch ermittelt und über das Internet an Lieferanten gegeben. Der günstigste Lieferant erhalte den Auftrag und liefere. Vielleicht könnten in Zukunft mit dieser Verknüpfung sogar einmal die A-Produkte, also die kritischen Produktionseinsatzstoffe abgewickelt werden. Aber bis dorthin sei es noch ein weiter Weg.

Die Börse habe sich jedoch hinter dem Schlagwort B2B eine ernstzunehmende Konkurrenz für SAP vorgestellt. SAP selbst habe diesen Ablauf nicht so schnell hinbekommen, wie es einige B2B-Internetunternehmen schafften. Darin habe die Börse ein Zeichen gesehen, dass SAP nicht mehr in der Lage sei, mit der Konkurrenz Schritt zu halten. Der Irrtum habe jedoch darin gelegen, dass es für SAP nicht darum gegangen sei, diesen Internetprozess so schnell wie möglich abzubilden, sondern ihn in das gesamte SAP Umfeld zu integrieren. Das dauere natürlich ein wenig länger, als wenn man auf der grünen Wiese mit der Programmierung anfangen könne.

Die Befürchtungen seien auch dorthin gegangen, dass die B2B-Internetunternehmen dann, sofern sie sich mit diesem ersten Prozess einmal im Unternehmen etabliert hätten, auch weitere Unternehmensprozesse abbilden würden. Damit sei das Kerngeschäft von SAP in Frage gestellt. Nun, heute wissen man, dass die Anbindung des Dispositionsprozesses an SAP zwar kompliziert sei, jedoch bewältigt werde. Im Umkehrschluss sei absehbar, dass B2B-Internetunternehmen weder das Know-how, noch das finanzielle Durchhaltevermögen hätten, die Finanz- und Produktionsintegration so weit voranzutreiben, dass dies als ernstzunehmende Bedrohung für SAP gelten könnte.

Zumal sich beide Ansätze ja nicht widersprechen würden. SAP habe beispielsweise mit Commerce One eine Kooperation vereinbart und binde nun deren Lösung ebenfalls in das SAP Packet ein. Weiterhin hilfreich für den Kurs der SAP Aktien sei, dass der langjährige Widersacher Oracle inzwischen auch seinen Fokus auf andere Bereiche lenke. Oracle sei in den USA stets ein ernstzunehmender Wettbewerber für SAP gewesen, da die Oracle-Lösung auf einem breiten Ausbildungsstand aufgebaut habe: Während SAP stets komplette Schulungen für das eigene System mit anbieten musste, habe man mit guten SQL Kenntnissen bei Oracle schon recht weit kommen können.

Vor diesem Hintergrund sei abzusehen, dass SAP gestärkt aus der Konjunkturschwäche hervorgehen werde. Die Gewinnmarge habe laut SAP bei 20% gehalten werden können. Das Geschäftsjahr 2002 werde zwar noch schwer werden, da sich Unternehmen mit Softwareinvestitionen noch zurückhalten würden. Die Talsohle sei jedoch definitiv durchschritten. Und diese Meldung sei an der Börse mit einem Kurssprung von 12% gefeiert worden.








 
 

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