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Börse und Krieg




21.03.03 18:32
Sparkasse Essen

Die Analysten der Sparkasse Essen berichten nachfolgend über die Auswirkungen des Irakkriegs auf die Weltkonjunktur.

Die Volkswirte der DekaBank hätten sich mit den Auswirkungen eines Irakkriegs auf die Weltkonjunktur beschäftigt. Die Analysten der Sparkasse Essen fassen kurz zusammen. Zwei Auswirkungen auf die Konjunktur seien hervorzuheben: 1.Ein erhöhter Rohölpreis führe zu einer Einschränkung der Investitionstätigkeit. 2. Die Verschlechterung der Konsumentenstimmung aufgrund von Kriegsängsten führe zu einer Verringerung der Konsumtätigkeit.

In die Finanz- und Warenmärkte sei der Militärkonflikt mit seinen Unwägbarkeiten bereits seit Jahresbeginn eingepreist worden. Die dämpfenden Effekte seien damit bereits vorgezogen worden. Daher werde der Kriegsausbruch die Effekte zwar fortsetzen, aber nicht mehr vertiefen, wenn es keine militärischen oder politischen Komplikationen gebe.

Das einzig abschätzbare Szenario liege in einer kurzen Periode von Kriegshandlungen (etwa 6 Wochen), gefolgt von einer kontrollierten Nachkriegsordnung.

Annahmen: zeitlich und territorial begrenzter Konflikt (etwa 6 Wochen); frühzeitiges Kriegsende für die Finanzmärkte abschätzbar; keine terroristischen Anschläge auf die USA; kurzfristiger Ölpreisanstieg auf bis zu 45 USD/Barrel; Rohölpreis erst zur Jahresmitte unter 30 USD/Barrel; keine Lieferengpässe aufgrund zerstörter Ölpipelines o.ä.; Zentralbanken reagieren mit zusätzlichen Zinssenkungen.

Für die USA sehen die Analysten der Sparkasse Essen aufgrund gedämpfter Nachfrage einen Lageraufbau, der ab dem dritten Quartal zurückgeführt werde. Das BIP werde erst im vierten Quartal stärker wachsen können. Der durchschnittliche BIP-Anstieg 2003 werde daher in den USA nur 1,5% betragen können. Aufgrund der schwächeren Basis werde die Zuwachsrate für 2004 in der Prognose von 2,6% auf 2,8% hochgestuft.

In Euroland werde das BIP voraussichtlich in diesem Jahr nur um 0,8% steigen (bisher: 1,1% erwartet). Die Prognose für 2004 betrage +2,1% (bisher: 2,2%). Für Deutschland erwarten die Analysten der Sparkasse Essen ein Wachstum von nur noch 0,2% in 2003 und 1,7% in 2004.

Die Inflationsrate werde sich nur geringfügig nach oben verändern, da der Preiseffekt aus höheren Ölpreisen von der Dollarabschwächung teilweise kompensiert werde. Für Euroland erwarte man die Preissteigerung in diesem Jahr bei 2,0% und in 2004 bei 1,6%.

Die EZB habe bereits ihre Bereitschaft zur Liquiditätsversorgung signalisiert. Sie habe zwei mögliche Termine für Zinssenkungen: 3. April oder 8. Mai. Die Analysten würden mit Zinssenkungen im Umfang von 0,5%-Punkten rechnen.

An den Rentenmärkten sei eine starke Volatilität zu erwarten. Bei Anzeichen für militärische Probleme werde es zu Kursgewinnen der Anleihen kommen, bei Erfolgsmeldungen würden die Rentenkurse dagegen sinken. Man erwarte die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen bei 4,4% zum Jahresende (aktuell: 4,2%).

Die Aktienmärkte seien in den letzten Tagen -in Analogie zum ersten Golfkrieg 1990- mit Kriegsbeginn gestiegen. Man rechne mit einer dauerhaften Erholung, die allerdings aufgrund der sehr schwachen gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen weit weniger stürmisch ausfallen werde als 1990/91. Der US-Dollar werde nach einem Kriegsende aufgrund des doppelten Defizits in Staatshaushalt und Leistungsbilanz weiter schwach tendieren.

Die Ölpreise sollten sich spätestens Mitte des Jahres wieder unter die Marke von 30 USD je Fass bewegen. Im Jahresdurchschnitt werde der Ölpreis dann ca. 29 USD je Barrel betragen.

Die Analysten der Sparkasse Essen weisen nachfolgend auf Prognoserisiken hin. Die Nachwirkungen der Finanzmarktturbulenzen könnten weiter wirken. Die Preiseinbrüche bei Vermögenswerten wie Aktienanlagen könnten den privaten Verbrauch in den USA weiter beeinträchtigen und über schwächere Investitionen in eine Abwärtsspirale führen. Dieses Negativszenario gewichte man mit 20%.

Sollte sich der private Konsum in den USA jedoch schneller wieder festigen, weil die Impulse aus Finanz- und Geldpolitik zu wirken begännen und der Investitionszyklus anspringe, könne das US-BIP bereits im zweiten Halbjahr um bis zu 4% steigen und Euroland mitreißen. Dieses Szenario bleibe - so schön es wäre- mit 10% stark untergewichtet.

Eine unkontrollierbare Destabilisation der Region mit einer ernsthaften Gefährdung der Rohölversorgung stelle das schwierigste Szenario dar, das in eine tiefe Rezession führen könnte. Die Stabilität des Finanzsystems und eine Versorgung der Wirtschaft mit Krediten wären ernsthaft in Gefahr.

Die Analysten seien überzeugt, dass die professionellen Investoren im Hauptszenario ihre übervorsichtige Anlagestrategie verlassen und zu normalen Aktienquoten zurückkehren würden. Genau dies empfehle man auch privaten Anlegern. In einer Welt der "kleinen Zahlen" (geringes Wirtschaftswachstum, geringe Preissteigerung, moderates Gewinnwachstum der Unternehmen) erwarte man Aktienrenditen mittelfristig bei 7,5-8% p.a. Renten- und Immobilienmärkte böten ca. 3,5-4%.

Jeder Anleger sollte prüfen, wie hoch seine individuelle Aktienposition sein sollte. Die Analysten der Sparkasse Essen empfehlen dringend eine Vermögensstruktur aus Renten-, Immobilien- und Aktienanlagen.








 
 

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