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Bau untergewichten




27.06.05 12:36
Sparkasse KölnBonn

Der europäische Bausektor ist in den vergangenen Jahren mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate von weniger als einem Prozent nur mäßig gewachsen, so die Analysten der Sparkasse KölnBonn.

Der Bausektor leide unter der wirtschaftlichen Verlangsamung, der Investitionszurückhaltung privater und gewerblicher Investoren sowie den Sparzwängen der öffentlichen Haushalte. Zudem werde der europäische Baumarkt von einer anhaltenden Wachstumskrise des deutschen Baumarktes belastet, der seit rund 10 Jahren rückläufige Umsätze verzeichne. Die europäische Baubranche (EU 15-Länder) habe mit einem Produktionsvolumen von 910 Mrd. EUR in 2003 einen Anteil von 9,8% am europäischen Bruttoinlandsprodukt. Der mit Abstand größte westeuropäische Baumarkt sei Deutschland mit einem Produktionsvolumen von 208 Mrd. EUR (22,7% des Gesamtmarktes), danach würden Spanien (14,3%), Großbritannien (14,2%), Frankreich (13,2%) und Italien (12,2%) folgen.

Mit 11,7 Mio. Beschäftigten würden 7,1% der Erwerbstätigen in Westeuropa (EU 15) direkt von der Baubranche abhängen. Damit sei die Branche zugleich größter industrieller Arbeitgeber in Europa. Die Baubranche sei stark mittelständig geprägt. So würden 97% der insgesamt 1,8 Mio. Bauunternehmen weniger als 20 Mitarbeiter und 93% der Unternehmen weniger als 10 Mitarbeiter beschäftigen.

Die deutsche Bauwirtschaft habe ihre Talfahrt in den ersten vier Monaten 2005 fortgesetzt. Der baugewerbliche Umsatz habe sich um 17% auf 16,6 Mrd. EUR verringert und der Auftragseingang sei um 11,2% auf 12,2 Mrd. EUR gefallen. Der deutliche Rückgang beim Auftragseingang habe sich auf alle Bereiche der Bauwirtschaft erstreckt: Wirtschaftsbau (-10,6%), Wohnungsbau (-12,1%) und den Öffentlichen Bau (-11,4%).

Die Zahl der Beschäftigten habe sich in den ersten vier Monaten gegenüber dem Vorjahr um 9,3% auf 695.900 Personen vermindert. Die schlechte Entwicklung in den ersten Monaten des laufenden Jahres sei im Wesentlichen auf die seit Jahren anhaltende gesamtwirtschaftliche Wachstumsschwäche und die schlechte Haushaltslage der Gebietskörperschaften zurückzuführen. Für das Gesamtjahr erwarte der Bauverband einen Umsatzrückgang von 4,5%. Die deutschen Bauunternehmen würden trotz der schwachen April-Zahlen weniger pessimistisch in die Zukunft als noch zu Jahresbeginn blicken. Danach würden 65% der befragten Unternehmen eine bessere oder zumindest gleichbleibende Geschäftslage erwarten. Die sei der höchste Wert seit Herbst 2000.

Angesichts leerer öffentlicher Kassen würden öffentliche Bauvorhaben verstärkt im Wege von Leasing-, Mietkauf- oder Betreibermodellen realisiert. Besondere Chancen würden insbesondere Partnerschaften zwischen der öffentlichen Hand und privaten Baukonzernen versprechen (Public-Private-Partnership), bei denen die Baukonzerne öffentliche Gebäuden wie z.B. Schulen betreiben würden und dadurch neue Geschäftsfelder erschließen könnten.

Wegen nach wie vor fehlender konjunktureller Impulse und leerer öffentlicher Kassen seien die Prospektiven für die europäische Baubranche nach wie vor eingetrübt, wobei sich die Aussichten innerhalb der einzelnen europäischen Märkte stark unterscheiden würden. Die großen Baukonzerne würden sich verstärkt darum bemühen, die Wachstumsschwäche auf den Heimatmärkten durch den Ausbau des internationalen Geschäfts - insbesondere auch des US- und Asiengeschäfts - auszugleichen. Im Hinblick auf die sich abschwächende Ergebnisdynamik sei die Branche nach Erachten der Analysten mit einem 2005er KGV von 13,8 relativ hoch bewertet. Die Analysten der Sparkasse KölnBonn würden deshalb ihre Empfehlung bestätigen, die Branche unterzugewichten.










 
 

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