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Im Bann der Bärenmarktrally




04.06.09 12:36
Weberbank

Berlin (aktiencheck.de AG) - Der Bulle ist tot! Es lebe der Bulle! - So oder so ähnlich könnten die Analysten der Weberbank den berühmten Ausspruch der Monarchie abwandeln, um das zu beschreiben, was derzeit an den internationalen Kapitalmärkten passiert.

Denn was beim Königshaus für den fließenden Übergang vom verstorbenen König auf seinen Erben ohne eine weitere Zeremonie stehe, könne an der Börse für eine Aktienkursrally stehen, die immer wieder als Bärenmarktrally totgesagt werde und trotzdem, wie von einer geheimnisvollen Kraft getrieben, immer weiter laufe. Dementsprechend würden immer mehr Stimmen laut, die beim Anblick der beeindruckenden Kursbewegungen der letzten Wochen an den Aktienmärkten gar das Ende der aktuellen Wirtschaftskrise kommen sehen würden.

Auch die Analysten würden gerne in diesen Reigen einstimmen, freilich ihn fehle der Glaube. Der Glaube daran, dass die Stimmungsindikatoren, die sich jüngst weltweit verbessert hätten, Recht behalten würden und die übrigen volkswirtschaftlichen Daten nur noch die Überbleibsel einer zurückliegenden Krise seien, die wir bald hinter uns lassen würden. Denn die Daten, die in den letzten Wochen veröffentlicht worden seien, hätten es in sich und würden eine gewaltige Wirkung auf die weitere Konjunkturentwicklung haben. Da sei zum einen die weltweit weiter steigende Arbeitslosigkeit, die zum Teil in Deutschland kurzfristig noch durch Kurzarbeitsregelungen aufgefangen werden könne.

Noch in diesem Jahr würden die Analysten in den USA zweistellige Arbeitslosenzahlen erwarten, was den Konsum, der den größten Anteil am US-Bruttosozialprodukt habe, weiter schwächen werde. Die persönlichen Ausgaben der Amerikaner seien auf jeden Fall weiter rückläufig und gleichzeitig steige in den USA die lange Jahre vernachlässigte Sparquote wieder deutlich an. Auch die Häuserpreise in den USA wollten sich einfach nicht erholen. Inzwischen seien fast 10% der gesamten amerikanischen Hypothekendarlehen in Zahlungsverzug und die Zahl der Zwangsvollstreckungen steige in ungeahnte Größenordnungen. Solange dadurch immer neue Immobilien auf dem Wege der Zwangsvollstreckung auf den Markt kommen würden, würden sich die landesweiten Häuserpreise nicht erholen können. Mithin werde auch aus diesem Sektor keine Entlastung für die US-Konjunktur heranreifen.

In Deutschland sei ein Konsumimpuls vor dem Hintergrund steigender Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit ebenfalls unwahrscheinlich. Viele Experten würden sich deshalb wahre Wunder von den asiatischen Volkswirtschaften und hier insbesondere von China erhoffen. Bislang sei allerdings weltweit kein entscheidender Anstieg der Auftragseingänge für Industriegüter festzustellen, der darauf hindeuten würde, dass Chinas Bevölkerung mit ihrem Konsum in die Fußstapfen der US-Amerikaner trete.

Immerhin hätten die Chinesen in den vergangenen Monaten mit massiven Käufen für eine kräftige Erholung an den Rohstoffmärkten gesorgt. Erste Marktgerüchte würden laut, dass China dazu übergehen könnte, mehr Reserven anstatt in US-Dollar-Staatspapieren nun in Rohstoffen anzulegen. Wer sich mit dem taktisch geschickten Handeln der chinesischen Regierung in der Vergangenheit beschäftige, der werde zu dem Schluss kommen, dass diese Annahme nicht abwegig sei. Dadurch werde die Prognose der Preisentwicklung von Industrierohstoffen ungleich schwerer, da sehr viel vom Handeln der Chinesen abhänge. Nur bei Gold würden die Analysten ein klareres Bild sehen. In ihren Augen mache die weiterhin desolate Wirtschaftslage einen erneuten Anlauf auf die 1000-US-Dollar-Marke immer wahrscheinlicher.

Die Aktien- und Rentenmärkte würden der zu Beginn angesprochenen Erholungseuphorie folgen. Wie schon einige Male an dieser Stelle erwähnt, würden sich zahlreiche historische Beispiele finden, in denen insbesondere an den Aktienmärkten noch im Abwärtstrend Zwischenrallys gestartet seien, um dann erneut einzubrechen. So habe es am US-Aktienmarkt in der Depression zwischen 1929 und 1932 nicht weniger als fünf solcher Zwischenerholungen im Umfang zwischen 23% und 48% gegeben, obwohl die Aktienmärkte danach auf immer neue Tiefstkurse gefallen seien.

Auch in Japan würden sich vier solche Zwischenrallys in der Zeit von 1998 bis 2003 finden, obwohl sich der Gesamtmarkt immer weiter abgeschwächt habe. Im ihrer "Anlagestrategie" vom 19. März dieses Jahres hatten der Analysten der Weberbank bereits auf eine 50%-Zwischenrally im DAX nach dem Platzen der 2001er Technologieblase und auf eine mögliche Wiederholung einer solchen Aktienmarktbewegung hingewiesen. Somit heiße es aktuell, den Bullen mit engen Stopp-Loss-Limiten so lange zu reiten, wie er diesmal laufe, bevor sich der Markt vor dem Hintergrund der katastrophalen Volkswirtschaftslage in den Augen der Analysten wieder setzen müsse.

Für die Rentenmärkte gelte das umgekehrt. Sie würden noch kurzfristig unter der aufkeimenden Konjunktureuphorie leiden, mittelfristig führe aber auch hier kein Weg an deutlich niedrigeren Renditen und damit steigenden Kursen vorbei. Sehr gut könne sich ohnehin der Markt der Pfandbriefe derzeit entgegen dem allgemeinen Rentenmarkttrend halten. Dies liege insbesondere an der Ankündigung der Europäischen Zentralbank, nun aktiv Pfandbriefe am Markt aufzukaufen, um einen weiteren Beitrag zur Unterstützung der europäischen Wirtschaft zu leisten. Den Markt für Staatsanleihen würden die Analysten aktuell noch ein wenig atmen lassen, die niedrigeren Kurse dann aber wieder zum Einstieg nutzen.

Ähnlich verhalte es sich auch mit dem US-Dollar. Eine erwartete schnellere Erholung der US-Wirtschaft spreche mittelfristig für einen stärkeren Dollar, der kurzfristig aber noch Korrekturpotenzial habe. (04.06.2009/ac/a/m)








 
 

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