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28.12.05 15:50
Türkei Unterstützung von IWF

Am 11. Mai 2005 verabschiedete der Internationale Währungsfonds (IWF) einen Kredit über USD 10 Mrd. mit dreijähriger Laufzeit zur Unterstützung des türkischen Wirtschafts- und Finanzprogramms, berichten die Analysten der Bank Julius Bär.

Laut IWF sei am 9. Dezember dank weiterer Verbesserungen des Wirtschaftswachstums, der sinkenden Inflation, tieferen öffentlichen Schulden sowie laufenden strukturellen Reformen von diesem Kredit ein Betrag von USD 1,5 Mrd. freigegeben worden. Das reale BIP-Wachstum habe sich von +8,9% im Jahr 2004 dieses Jahres auf rund +4,8% verlangsamt. Dadurch habe der infolge der überhitzten Wirtschaft entstandene Inflationsdruck unter Kontrolle gebracht werden können. Die Jahresinflation habe sich von +18,4% Ende 2003 auf schätzungsweise +7,8% abgeschwächt, und das Verhältnis von Staatsverschuldung zu BIP sollte nach 103% im Jahr 2001 nächstes Jahr noch 60% betragen.

Die strukturellen Reformen seien im November mit der Revision des Bankengesetzes und der Reduktion der Unternehmenssteuer von 30% auf 20% weitergeführt worden. Ähnlich wie in anderen europäischen Schwellenländern sollten diese Schritte dazu beitragen, die Schattenwirtschaft zu verringern, ohne die Steuereinnahmen zu schmälern, und weitere so genannte "Greenfield"-Investitionen anzuziehen. Der Privatisierungsprozess sollte sich 2006/07 fortsetzen. Nächstes Jahr dürften Elektrizitätsversorger, Turkish Airlines, das Tabakmonopol sowie staatliche Banken und Versicherungsgesellschaften in den Prozess eingebunden werden. Diese Palette an Staatsbetrieben sollte genügend ausländische Direktinvestitionen anziehen, um die jüngste Zunahme des Leistungsbilanzdefizits zu zügeln.

2005 sei das Defizit hauptsächlich wegen des steilen Anstiegs der internationalen Rohstoffpreise und einer stärkeren Lira nach oben geklettert. Und obwohl die Rohstoffpreise noch immer auf hohem Niveau seien und die Türkei einen enormen Appetit auf Anlageinvestitionen habe, sollte das Defizit in den kommenden Jahren auf einem tragbaren Niveau bleiben. Die Kurse türkischer Staatsanleihen in USD und EUR seien im Laufe des Jahres konstant gestiegen, weshalb die Papiere verglichen mit ihrem Kreditrating momentan teuer seien. Am 6. Dezember 2005 habe die Ratingagentur Fitch ihren Ausblick für die Türkei von Stable auf Positive erhöht und die langfristigen Ratings für Anleihen in Fremd- und Lokalwährung ("BB-") bestätigt. Standard & Poor’s bewerte die türkische Kreditwürdigkeit mit dem höheren "BB"-Rating. Moody’s stufe das Land seit 1997 mit "B" ein; eine Verbesserung wäre mittlerweile fällig.

Ein tragbares Leistungsbilanzdefizit und starke FDI-Zuflüsse würden allgemein für türkische Anleihen sprechen. Dabei ziehe man trotz der aktuellen Stärkephase der Türkischen Lira und einer möglichen Korrektur Anleihen in Lira gegenüber USD- und EUR-Bonds vor. Das Kreditrisiko könne minimiert werden, da Emittenten von Investment-Grade-Bonds in Lira ausgeben würden. Die Märkte würden für 2006 bereits Zinssenkungen von über 100 Basispunkten eskomptieren, könnten jedoch von einem vorsichtigen Vorgehen der Zentralbank enttäuscht werden. Mit kurzen Laufzeiten könnten Anleger das Zinsrisiko auf tiefem Niveau halten und 2006 auf eine stabile Währung setzen.



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