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KOLUMNEN -
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06.11.15 16:27
Erneuter Angriff auf die Marke von 11.000 im DAX

Liebe Anlegerinnen und Anleger,

 

nach dem furiosen Lauf der Bullen im Oktober, der einigen der wichtigsten Indizes der Welt und auch  dem DAX, Zugewinne von 10 bis 12 % brachte, entwickelte sich der November bislang herbstlich gelassen. Dies lag für den heimischen DAX vor allem daran, dass die wichtige 200- Tage- Linie als drohender Widerstand von oben auf die Gemüter der Anleger drückt.

Aber auch der heutige US-Arbeitsmarktbericht und eine Reihe anderer wirtschaftlicher Daten will verarbeitet und ins rechte Licht gerückt werden.

So hat sich z. B. die Stimmung in der US- Industrie abgekühlt, während auf der anderen Seite der US- Dienstleistungssektor den Bedrohungen, die derzeit vor allem aus China kommen, standhält.

Eine andere Befürchtung, die viele Investoren derzeit frösteln lässt, ist der Gedanke an die etwaige Zinsanhebung durch die US-Notenbank FED im Dezember. Wenn man sich den Verlauf der Zins-und Devisenfutures betrachtet, hat sich die Wahrscheinlichkeit einer Straffung der Geldpolitik in den vergangenen Wochen stark erhöht.

Auf der anderen Seite stabilisiert sich die chinesische Börse, was wie Balsam für die Anleger an den anderen relevanten Börsenplätzen wirkt.

Insgesamt stellt sich mir die Situation so dar, dass die internationalen Indizes ganz einfach eine Atempause benötigen und eine Seitwärtskonsolidierung auf hohem Niveau immer wahrscheinlicher wird. Dies wiederum ist natürlich kein Grund zur Sorge sondern verdeutlicht, dass gutes Investieren eher einen Marathon als ein Sprint ist.

Genau darauf deuten auch die Indikatoren des inneren Marktes. Während der wichtigste Risikoindikator, der NYSE Bullish Percent, ganz eindeutig auf das Lager der Bullen zeigt und noch keinesfalls überhitzt ist, notiert der kurzfristige 50- Tage- Indikator bereits in leicht überhitztem Terrain.

Da ein Bild bekanntlich mehr sagt als 1000 Worte, zeige ich Ihnen hier den Verlauf des kurz- bis mittelfristig relevanten 50- Tage- Indikators. Der Indikator zeigt Ihnen die Relation der an der NYSE gehandelten Werte, die oberhalb ihrer 50- Tage- Linie handeln, also oberhalb einer der wichtigsten Unterstützungen überhaupt.

 

Wie Sie sehen, hat dieser kurzfristige und sehr zuverlässige objektive Indikator binnen weniger Wochen den weiten Weg von etwa 10 % auf zwischenzeitlich  74 % zurückgelegt, bröckelt aber derzeit wieder etwas ab. Dies bedeutet, daß vor wenigen Tagen noch 74 % aller in New York gehandelten Aktien oberhalb der 50- Tage- Linie notierten. Dies ist eine sehr ordentliche Beteiligung auch der kleinen und mittleren Aktien an der gegenwärtigen Rallye. Kein Kritiker kann also behaupten, dass nur einige wenige hochkapitalisierte Werte daran teilhaben würden. Die Marktbreite ist objektiv betrachtet positiv und stellt sich ganz anders dar als noch im August. Damals notierten nur etwa 10 % der Aktien an der NYSE oberhalb ihrer 50 –Tage- Linie. Der Verkaufsdruck war ungewöhnlich groß. Heute ist es genau umgekehrt, es könnte also an der Zeit sein, sich  mindestens auf eine Seitwärtskonsolidierung vorzubereiten oder auch auf „spezielle Situationen“ zu achten.

 

Die ganz andere Skandal-Firma

Damit im Zusammenhang von Skandal- und Betrugsvorwurf hierzulande nicht immer nur von Volkswagen gesprochen und geschrieben wird, empfehle ich Ihnen heute den Blick auf die kanadische Pharma-Holding Valeant, die unter heftigen Vorwürfen und den Angriffen von Leerverkäufern leidet. Nach einer jahrelangen Einkaufstour im Pharmasektor wurde die Firma schon als „neue Berkshire Hathaway“ gefeiert und zählte zu den am höchsten bewerteten Pharmafirmen der Welt. Doch dann kam alles ganz anders, zuerst kritisierten US- Politiker die Preiserhöhungen von Valeant. Dann betraten die einschlägigen Hedgefonds und Leerverkäufer die Bühne und schickten die Aktie nach Süden. Weitere Vorwürfe gegen die Bilanzpolitik, schlechte Kommunikation und natürlich die Psyche der Anleger trieben den Aktienkurs in immer stärkeren Verkaufswellen nach unten.

Heute bietet sich ein Chartbild, welches man wirklich nicht jeden Tag sieht.

 

Von 260 auf 74 US-Dollar im Tief ging es mit der Aktie bergab. Vor allem nach dem Bruch der Unterstützung bei etwa 156 beschleunigte sich die Abwärtsbewegung und erneut nach dem Verpuffen der Erholungsbewegung bei etwa 90-USD. Eine derartig große Differenz zur negativen Widerstandslinie habe ich selten gesehen.

Vor wenigen Tagen wehrte sich das Management in einer ausführlichen Präsentation und versuchte das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen - wie man sieht bislang ohne Erfolg. Spannend wird es nun zu beobachten, an welchem Punkt die Leerverkäufer damit beginnen, ihre Positionen wieder einzudecken. Dann könnten wir eine Rallye erleben - die sich selbstverständlich später jedoch als erneutes Strohfeuer herausstellen könnte.

Aber interessant und verlockend ist die Konstellation natürlich schon. Vor allem wenn man bedenkt, dass in der Regel etwa die Hälfte einer Kursbewegung wieder korrigiert wird. Aber auch hier gibt es natürlich Ausnahmen von der Regel und ich will Sie nicht dazu animieren, Ihr Glück bei dieser angeschlagenen Firma herauszufordern.

Aber ich will Sie darauf aufmerksam machen, dass es in trendarmen Märkten und nach starken Bewegungen immer wieder interessant ist, sich bei den Spezialitäten umzuschauen. Aber leider eben auch sehr riskant.

 

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Buhl

 

 


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