Wie die Analysten vom Börsenbrief "Prior Börse" erfahren habe, liegt der Münchener Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige gegen den langjährigen Wirtschaftsprüfer KPMG von ComROAD (WKN 544940) vor.
Die auf Anlagerecht spezialisierte Anwaltskanzlei Rotter habe die Strafanzeige im Auftrag von Mandanten gestellt. KPMG werde unter anderem der Beihilfe zum Kursbetrug und der Beihilfe zum Kapitalanlagebetrug verdächtigt. Die Ermittler würden bisher noch Zweifel an einem vorsätzlichen Handeln der KPMG hegen. Dies sei allerdings Voraussetzung für eine Strafbarkeit.
So wolle ComROAD im Jahr 2000 einen Umsatz von ungefähr 95 Mio. Mark mit nur 18 Festangestellten erzielt haben. In der Regel habe eine Unternehmen dieser Umsatzgrößenordnung jedoch einige hundert Mitarbeiter. Ebenso merkwürdig sei die Liste der angeblichen Vertriebspartner von ComROAD. Das Unternehmen habe von blühenden Geschäften mit Abnehmern in exotischen Ländern wie Kuwait, Malaysia, Ägypten usw. berichtet. Wenn ein Wirtschaftsprüfer hier nicht nachhake, sei auch dies mehr als fahrlässig.
Bereits der rechtsverbindliche Verkaufsprospekt zum Börsengang im Jahr 1999, der auch den Stempel von KPMG trage, sei nicht koscher. Dort sei für das Jahr 1998 ein Umsatz von 4,6 Mio. Mark ausgewiesen worden. Die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen hätten sich allerdings auf 3,1 Mio. Mark belaufen. Dieser ungewöhnlich hohe Anteil der Außenstände dränge erhebliche Zweifel an der Werthaltigkeit der angegebenen Erlöse auf. Der sehr wahrscheinlich schon falsche Emissionsprospekt begründe eventuell nicht nur Schadensersatzansprüche gegen KPMG, sondern auch gegen die Konsortialbanken Concord Effekten und Hauck & Aufhäuser.
Wenn die Staatsanwaltschaft nun richtig ermittele, könnten Wirtschaftsprüfer, Banken, Aufsichtsräte und andere in den ComROAD-Betrug Involvierte nicht mehr länger die Ahnungslosen spielen. Eine der zentralen Ermittlungsaufgaben werde es sein, den Verbleib der ungefähr 70 Mio. Euro aufzuklären, die ComROAD an der Börse eingesammelt habe. Recherchen der Experten von "Prior Börse" zufolge, ist zumindest der Verbleib von ungefähr 55 Mio. Euro aus der Firmenkasse unklar. Es sei nicht auszuschließen, das der in Untersuchungshaft sitzende Firmengründer Bodo Schnabel einen Teil der Mittel zur Bestechung eingesetzt habe.
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