Wien (www.aktiencheck.de) - Wienerberger-Aktienanalyse der Raiffeisen Bank International AG:
Gregor Koppensteiner, Analyst der Raiffeisen Bank International AG (RBI), rät in einer aktuellen Aktienanalyse die Aktie der Wienerberger AG (ISIN: AT0000831706, WKN: 852894, Ticker-Symbol: WIB, Wiener Börse-Symbol: WIE) weiterhin zu kaufen.
Baustein Italcer: Mit der angekündigten Übernahme der Italcer habe wienerberger ein klar definiertes, zweistufiges Wachstumsprojekt gestartet. Italcer sei ein Hersteller hochwertiger keramischer Boden- und Wandfliesen mit Produktionsstätten in Italien und Spanien. Das mehrstufige Markenportfolio habe zuletzt einen Jahresumsatz von rund EUR 350 Mio. bei einer starken EBITDA-Marge von über 20% erzielt. Die Transaktion erfolge in zwei Schritten: Der Erwerb der ersten Hälfte werde im Jahr 2026 vollzogen (das Closing werde für Q2 2026 erwartet) mit einer Call-Option auf die restlichen Anteile zu vorab vereinbarten Konditionen im Frühjahr 2027. Die Transaktion solle vollständig in bar durch vorhandene Liquidität und zusätzliche Refinanzierungsvereinbarungen finanziert werden. Die Integration solle schnell durchgeführt werden. Kommerziell solle die Front-End-Organisation weitgehend unverändert bleiben. Operativ würden einfache Back-Office-Schritte und fast unmittelbare Synergien erwartet (Vorteile von rund EUR 10 Mio. aus Kosten und Netzwerkeffekten). Der Enterprise Value werde dabei auf EUR 560 Mio. angesetzt und weise ein prognostiziertes jährliches EBITDA von EUR 82 Mio. aus, von denen EUR 50 Mio. bereits in diesem Jahr realisiert werden könnten. Bei erfolgreicher Integration und Ausschöpfung der Synergien könnten bis zu EUR 100 Mio. auf Konzernebene repliziert werden. Durch die Übernahme erhöhe sich die aktuelle Nettoverschuldung um rund EUR 400 Mio. Dieses zusätzliche M&A-Leverage solle jedoch durch Maßnahmen wie Working-Capital-Optimierung und CAPEX-Reduktion um circa EUR 220 Mio. kompensiert werden, sodass das Verhältnis zwischen EBITDA und Nettoverschuldung bei ca. 2,2x bleibe. Insgesamt stelle wienerberger die Transaktion als strategisch komplementär zum Renovationsgeschäft dar (Schnittmengen bei teils gleichen Abnehmern, technische Nähe durch ähnliche keramische Rohstoffe) und betone die sofortige positive Wirkung auf die Margen sowie Cross-Selling- und Skaleneffekte. Die Realisierung der angedachten Hebel bleibe allerdings integrations- und synergieabhängig. Die letzte große Übernahme im Jahr 2024 des französischen Spezialisten für Dach-, Solar- und Fassadenlösungen Terreal durch wienerberger habe eher die Strategie einer Plattform Akquisition in einem angrenzenden, aber größeren Marktsegment zum Ziel gehabt. Die Integration sei laut Unternehmenskommunikation im Großen und Ganzen planmäßig verlaufen und die angestrebten Synergien seien schrittweise realisiert worden. Vor dem Hintergrund von knapp 40 Zukäufen in den letzten zehn Jahren verfüge wienerberger über einen etablierten M&A-Track Record. Heute stammten mehr als 50% der Einnahmen aus übernommenen Unternehmen.
Nachhaltigkeit: Als energieintensives Unternehmen sei wienerberger direkt vom EU Emissionshandel (ETS) betroffen. Die schrittweise Verknappung kostenloser Zertifikate und die steigenden CO₂-Preise bedeuteten einen signifikanten Mehraufwand. Um diese regulatorischen Belastungen zu minimieren und die Transformation zur Klimaneutralität bis 2050 voranzutreiben, setze das Unternehmen auf eine konsequente Dekarbonisierungsstrategie. Ein wegweisendes Projekt hierfür sei das seit Ende 2024 umgerüstete Werk in Uttendorf, Oberösterreich, wo wienerberger durch die Umstellung auf eine innovative, strombasierte Produktion jährlich rund 7.000 t CO₂ einspare. Durch den Einsatz von grünem Strom und hocheffizienten Wärmepumpentechnologien zeige wienerberger, dass die industrielle Ziegelherstellung vom fossilen Energieträger Erdgas entkoppelt werden könne. Grundlage dafür sei die Kombination aus elektrifiziertem Brennprozess, Wärmepumpen und optimierter Trocknung. Künftig solle der Energieverbrauch bei unter 200 kWh/t Ziegel (derzeit über 700 kWh/t) liegen. Diese technologische Transformation werde durch die Green Bricks-Initiative ergänzt, die neben der Emissionsreduktion auch auf Kreislaufwirtschaft setze. Langfristig bekenne sich das Unternehmen zum Ziel der vollständigen Klimaneutralität entlang der gesamten Wertschöpfungskette bis spätestens 2050. Obwohl der regulatorische Druck durch das ETS-System langfristig hoch bleibe, zeichne sich aktuell ein Wandel im politischen Sentiment ab, der wienerberger eine flexiblere Übergangsphase verschaffen könnte. Angesichts wirtschaftlicher Herausforderungen forderten mehrere EU-Mitgliedstaaten eine Evaluierung des Systems, was bereits zu konkreten Anpassungen geführt habe: So sei das Inkrafttreten des ETS 2 (für Gebäude und Verkehr) offiziell um ein Jahr verschoben worden. Zudem gebe es Berichte über Bestrebungen innerhalb der EU-Kommission, die kostenlose Zuteilung von CO₂-Zertifikaten länger als geplant beizubehalten, um die Industrie vor Überlastung zu schützen.
Bewertung: Im Vergleich zum zuletzt gut gelaufenen österreichischen Aktienmarkt gelte wienerberger wenig überraschend als unterbewertet, ebenso im Hinblick auf die eigene Historie. Gegenüber europäischen Bau- und Baustofftiteln sowie gegenüber einer spezifischeren Peer Group sei ebenfalls nach wie vor ein gewisser Bewertungsabschlag festzustellen. Dieser könne nur zum Teil durch unterdurchschnittliche Gewinnmargen erklärt werden.
Ausblick von Energiekosten getrübt: Während sich ersten Einblicke in das abgelaufene Geschäftsjahr als solide gebaut erwiesen hätten, bleibe der Ausblick für 2026 u.a. aufgrund der stark gestiegenen Energiekosten merklich eingetrübt: So werde eine spezifische Energieinflation bei wienerberger von rund EUR 30 Mio. genannt (der Portfolio-Gaspreis steige von EUR 24 je MWh auf EUR 32 je MWh). Laut Management sei dieser Effekt extern getrieben und lasse sich nicht vollständig über Preiserhöhungen kompensieren. Parallel dazu erwarte das Unternehmen 2026 keine Marktbelebung, sodass ein großer Teil des operativen EBITDA Aufwärtspotenzials durch diese Energieeffekte geschwächt werde. Um der Kosteninflation für Energie und Personal entgegenzusteuern, die im Jahr 2025 mit 4% nicht durch den Produkt- und Preismix abgefedert werden konnte, sei ab dem dritten Quartal 2025 das Programm "Fit-for-Growth" mit jährlichen Einsparungen von EUR 15 bis 20 Mio. eingesetzt worden. Durch Produktionsmaßnahmen und Kapazitätsoptimierung sowie den positiven Beitrag von Italcer (zumindest für acht Monate) solle das operative EBITDA im Jahr 2026 bei rund EUR 810 Mio. liegen. Dies sei jedoch unter den Erwartungen.
Die positiven Eindrücke aus dem Zukauf und dessen schneller (geplanter) Integration sowie eine mögliche Lockerung des ETS stützten das Basisszenario für wienerberger.
Die negativen Faktoren trübten hingegen vor allem das Bottom-Line-Ergebnis. Die Aktie sei deswegen zuletzt abgestraft worden, Gregor Koppensteiner halte die Reaktion jedoch für überzogen. Gregor Koppensteiner bestätige insgesamt seine KAUF-Empfehlung. Bewertungstechnisch lasse sich nun auch ein Kursziel von EUR 33,00 rechtfertigen, das sich aus einem Discounted-Cashflow-Modell und einem relativen Bewertungsansatz ergebe. Letzterer berücksichtige einen im historischen Kontext angemessenen Aufschlag gegenüber dem breiten Aktienmarkt und einer engeren Peergroup. (Analyse vom 25.02.2026)
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Offenlegungen
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