Während private Anlegerinnen und Anleger kaufen ("endlich bewegt sich was"), drehen Profis von long auf short.
Was das für die ersten Börsenwochen 2026 bedeutet, weiß Joachim Goldberg. Zusammenfassung
Drei neue Rekordhochs und die 25.000er-Marke ist die Bilanz des DAX in den wenigen Handelstagen 2026 trotz aller
Unsicherheit im Markt. Von den Profis haben tatsächlich 6 Prozent Aktien verkauft und ebenso viele sind auf die Short-Seite gewechselt. Goldberg vermutet unterschiedliche Motive, jedenfalls keinen abrupten Wechsel in den Pessimismus. Der Sentiment-Index dieser
Gruppe steht auf +4 Punkten. Ganz anders die Privaten: 14 Prozent haben Aktien gekauft, 4 Prozent Short-Positionen geschlossen. Der Sentiment-Index steigt auf +25 Punkte. Die Erwartungen beider Gruppen stehen wieder weit auseinander. Für Goldberg sind es aber vor allem sehr aktive
Profis, die “möglichst schnell von einem Rücksetzer profitieren” möchten, weniger echte Skeptiker. Deswegen rechnet er nach unten ab 24.400/24.500 Punkten mit Eindeckungskäufen. Unter dem Strich sieht er Sentiment-technisch einen leicht positiven Unterton
für den Jahresbeginn. 7. Januar 2026. FRANKFURT (Goldberg & Goldberg). Nun hat der DAX das neue Jahr gleich ganz eindrucksvoll begonnen
und den Trend seit unserer vergangenen Stimmungserhebung vom 17. Dezember des Vorjahres fortgesetzt. Seither hat das Börsenbarometer insgesamt um rund 3,5 Prozent zugelegt – 2,2 Prozent alleine in diesem Jahr. Plötzlich war das mit Leichtigkeit möglich, was
im vergangenen Jahr noch ausgesprochen schwierig erschien. Nicht nur, dass es drei neue Allzeithochs hintereinander gegeben hat, sondern auch die runde Marke von 25.000 Zählern wurde heute überwunden. Die Börsianer haben sich also von den geopolitischen Spannungen
angesichts der US-Militäraktion in Venezuela und den Grönland-Ansprüchen von US-Präsident Donald Trump hierzulande bislang nur wenig beeinflussen lassen. Und was makroökonomische Daten angeht, wie etwa die zur Veröffentlichung in dieser Woche anstehenden diversen
Zahlen zum US-Arbeitsmarkt, scheinen diese eher eine untergeordnete Rolle in der Wahrnehmung der Marktteilnehmer zu spielen. Unterdessen hat sich die Stimmung der von uns befragten institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont
gegenüber derjenigen vom 17. Dezember des Vorjahres verschlechtert. Denn unser Deutsche Börse Sentiment-Index ist um 12 Punkte auf einen neuen Stand von +4 gefallen. Dabei hat sich das Bullenlager um 6 Prozentpunkte verringert, das Bärenlager sich in gleichem
Umfang erhöht. Aufgrund der vergleichsweise langen Dauer zwischen den beiden Erhebungen ist es durchaus möglich, dass diese Veränderung weniger drastisch ist, als sie tatsächlich aussieht. Die Verlockung der runden Zahl So ist es durchaus möglich, dass zunächst Gewinnmitnahmen im alten Jahr vorgenommen wurden, da vielerorts aufgrund
des Jahreswechsels die Uhren gewissermaßen auf null gestellt, also bis dahin aufgelaufene Gewinne und Verluste mental ausgebucht werden. Auch passt es ins Bild, dass neue bearishe Engagements im neuen Jahr in den steigenden Markt eröffnet wurden, zumal mit
25.000 DAX-Zählern auch noch ein wahrnehmungstechnisch wichtiges Niveau erreicht wurde. Anders gestaltet sich die Situation indes bei den Privatanlegern, die bereits vor Weihnachten ihre Gewinne aus
zuletzt bullishen Positionen mitgenommen hatten. Dies vermittelte der letzte Deutsche Börse Sentiment-Index vom Vorjahr, der in diesem Panel zuletzt auf einen Stand von +5 gesunken war. Mit der heutigen Befragung ist der Index allerdings wieder um 20 Punkte
angestiegen, auf einen neuen Stand von +25. Dabei hat sich das Bullenlager um 16 Prozentpunkte erhöht, wobei ein Viertel bearish eingestellter Akteure die Seite direkt gewechselt hat – drei Viertel der Wanderung geht auf zuletzt neutral gestimmte Privatanleger
zurück. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass diejenigen Anlegenden, die wir über Social Media befragten, ähnlich wie
die übrigen Privatanleger agiert haben. Der Deutsche Börse Sentiment-Index für letztere Untergruppe liegt für sich betrachtet damit bei +17. Erfahrungsgemäß sind die über Social Media befragten Privatanleger noch etwas bullisher eingestellt. Zwei Welten Am Ende klafft zwischen Privatanlegern und institutionellen Investoren eine deutliche Stimmungslücke. Dabei haben
die Positionierungen vor dem Jahresende für die Stimmungs-Wanderungen eine große Rolle gespielt. Während sich die Privatanleger noch bei unserer vergangenen Sentiment-Umfrage ungewöhnlich zurückhaltend zeigten und sich im neuen Jahr aus vielen neutralen Engagements
heraus auf die Bullen-Seite bewegt haben, sind die institutionellen Pendants misstrauischer eingestellt. Diese Engagements müssen jedoch nicht zwangsläufig mit einem starken Pessimismus einhergehen, sondern sind möglicherweise aufgrund der vergleichsweise
hohen DAX-Stände der vergangenen Tage (Allzeithoch etc.) eingegangen worden, um möglichst schnell von einem Rücksetzer zu profitieren. Zumindest aus dieser Sicht ist im Falle einer tatsächlichen Korrektur im Bereich von 24.400/24.500 Zählern mit Nachfrage
aus Glattstellungen dieser Positionen zu rechnen. Unter dem Strich geht der DAX mit Sentiment-technisch leicht positivem Unterton ins neue Jahr. von Joachim Goldberg 7. Januar 2026, © Goldberg & Goldberg für Deutsche Börse
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