Kulmbach (www.aktiencheck.de) - VARTA-Aktienanalyse von "Der Aktionär":
Martin Mrowka vom Anlegermagazin "Der Aktionär" nimmt die Aktie der VARTA AG (ISIN: DE000A0TGJ55, WKN: A0TGJ5, Ticker-Symbol: VAR1) in einer aktuellen Aktienanalyse unter die Lupe.
VARTA-Aktien seien am Montag mit einem Kursverlust von knapp 70 Prozent in den freien Fall übergegangen. Nachdem der Batteriehersteller ein StaRUG-Verfahren angemeldet habe, bei dem die Aktionäre praktisch enteignet würden, sei die Hoffnung auf ein Börsen-Comeback erloschen. Die zahlreichen Leerverkäufer würden derweil hohe Gewinne einstreichen.
Das Börsen-Ende von VARTA nahe. Die Analysten von M.M. Warburg hätten das Kursziel heute auf Null gesetzt. Am Freitag sei das Unternehmen an der Börse noch 440 Millionen Euro wert gewesen, heute nur noch weniger als ein Drittel davon. Das Unternehmen solle zwar vor der totalen Pleite gerettet werden. Dazu sollten die Alt-Aktionäre (Streubesitz 51 Prozent) aus dem Konzern gedrängt werden, Gläubiger auf einen Großteil ihres Gelds und ihrer Ansprüche verzichten. Auch neue Investoren sollten an Bord kommen.
Um die Pläne in die Tat umsetzen zu können, habe der Konzern aus Ellwangen beim zuständigen Amtsgericht Stuttgart ein Restrukturierungsvorhaben nach dem Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG) angezeigt. Ein Gerichtssprecher habe am Montag bestätigt, dass eine solche Anzeige eingegangen sei.
Nach der Sanierung solle VARTA dem Plan zufolge entweder einem Konsortium um den bisherigen österreichischen Großaktionär Michael Tojner und den Sportwagenbauer Porsche AG gehören - oder seinen Gläubigern, die im Gegenzug auf einen Teil der Kredite und Schuldscheine verzichten würden. Die bisherigen Aktionäre würden dabei komplett leer ausgehen.
Freuen könnten sich hingegen die zahlreichen Shortseller. In den vergangenen Monaten hätten diverse Hedgefonds bei sich verschlechternden Lage des Batterie-Konzerns ihre Netto-Leerverkaufsposition in Aktien der VARTA AG stark aufgestockt. Laut Bundesanzeiger seien mindestens 4,72 Prozent der VARTA-Aktien leerverkauft worden. Die tatsächliche Größe dürfte über fünf Prozent gelegen haben, da Anteile unter 0,5 Prozent nicht veröffentlichungspflichtig seien.
Die größte Einzelposition hätten am 5. Juli die Shortseller von SIH Partners besessen, die 2,05 Prozent der VARTA-Aktien leerverkauft hätten. Weitere nennenswerte Anteile hätten zuletzt Marble Bar Asset Management mit 1,05 Prozent bessesen, Qube mit 0,5 Prozent und Ennismore Fund Management mit 0,7 Prozent.
Die Leerverkäufer hätten allesamt ihre Positionen im Juni und Juli aufgestockt. Und dürften heute ihre Positionen glattgestellt haben. Nach einem frühen Absturz der VARTA-Aktie auf 2,00 Euro habe sich die Aktie zwischenzeitlich am Vormittag auf 4,25 Euro erholt. Diese Intraday-Kursverdopplung sei möglicherweise auf einen Shortsqueeze zurückzuführen. Xetra-Schluss sei dann für VARTA bei 3,25 Euro gewesen, am Abend notiere der "Wert" unter der 3-Euro-Marke.
Gehe man von einem durchschnittlichen Einstiegspreis für die geliehenen und dann leerverkauften Aktien von 9 Euro aus (möglicherweise höher), hätten die Shortseller VARTA-Aktien am heutigen Montag zwischen 2,00 und 4,00 Euro zurückkaufen können. Ausgehend von der genannten Spanne würden die Gewinne der Shortseller somit zwischen gut 150 und 350 Prozent betragen.
Ein Prozent der VARTA-Aktien entspreche etwa vier Millionen Aktien. Überschlagsrechnung ohne Anspruch auf Detailtreue: Ein Hedgefonds, der beispielsweise vier Millionen VARTA-Aktien bei 9 Euro leerverkauft habe (36 Millionen Euro) und heute beispielsweise bei nur 4,00 Euro (für 16 Millionen Euro) zurückgekauft habe, habe also binnen weniger Wochen oder Monate 20 Millionen Gewinn gemacht. Bei 3 Euro seien es natürlich mehr. Insgesamt dürften die Shortseller mit VARTA über 100 Millionen Euro gewonnen haben.
Auch wenn das Unternehmen durch das StaRUG-Verfahren gerettet werden könne, würden die Aktionäre leer ausgehen. Die Shortseller dürften heute ihre Positionen glatt gestellt haben, die Wahrscheinlichkeit, dass sich die VARTA-Aktie nochmals nennenswert erhole, sei praktisch nicht vorhanden.
Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU unter folgendem Link.
Börsenplätze VARTA-Aktie:
Tradegate-Aktienkurs VARTA-Aktie:
2,70 EUR -73,76% (22.07.2024, 21:59)
XETRA-Aktienkurs VARTA-Aktie:
3,25 EUR -68,51% (22.07.2024, 17:40)
ISIN VARTA-Aktie:
DE000A0TGJ55
WKN VARTA-Aktie:
A0TGJ5
Ticker-Symbol VARTA-Aktie:
VAR1
Kurzprofil VARTA AG:
Die VARTA AG (ISIN: DE000A0TGJ55, WKN: A0TGJ5, Ticker-Symbol: VAR1) produziert und vermarktet ein umfassendes Batterie-Portfolio von Mikrobatterien, Haushaltsbatterien, Energiespeichersystemen bis zu kundenspezifischen Batterielösungen für eine Vielzahl von Anwendungen und setzt als Technologieführer in wichtigen Bereichen die Industriestandards. Als Muttergesellschaft der Gruppe ist sie in den Geschäftssegmenten "Lithium-Ion Solutions & Microbatteries" und "Household Batteries" tätig.
Das Segment "Lithium-Ion Solutions & Microbatteries" fokussiert sich auf das Mikrobatterien-, Lithium-Ionen-CoinPower-, Lithium-Ionen-Rundzellen (Lithium-Ion Large Cells) sowie auf das Lithium-Ionen-Batteriepack-Geschäft. Durch intensive Forschung und Entwicklung setzt VARTA in vielen Bereichen der Lithium-Ionen-Technologie und bei Mikrobatterien weltweite Maßstäbe und ist so anerkannter Innovationsführer in den wichtigen Wachstumsmärkten der Lithium-Ionen-Technologie sowie bei primären Hörgerätebatterien.
Das Segment "Household Batteries" umfasst das Batteriegeschäft für Endkunden, darunter Haushaltsbatterien, Akkus, Ladegeräte, Portable Power (Power Banks) und Leuchten sowie Energiespeicher. (22.07.2024/ac/a/nw)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.
© 1998 - 2026, aktiencheck.de