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Kolumnist: Performaxx-Anlegerbrief

Die neue Abgeltungssteuer: Was Sie als Anleger wissen müssen!




13.08.07 00:30
Performaxx-Anlegerbrief

Nun ist es also spruchreif: Anfang Juli hat der Bundesrat den Gesetzentwurf  zum „Unternehmenssteuerreformgesetz 2008“ passieren lassen und im Zuge dessen auch die lange angedrohte „Abgeltungssteuer“ durchgewunken.  Auf Sie als Privatanleger kommen damit ab 2009 eine Reihe gravierender Änderungen zu.


 


Ein Steuersatz für alle Kapitaleinkünfte

 


Gilt derzeit noch für Dividenden und Spekulationsgewinne (binnen Jahresfrist) das Halbeinkünfteverfahren und für Zinseinkünfte die Versteuerung mit dem persönlichen (Grenz-) Steuersatz, so werden ab dem 1.1.2009 grundsätzlich sämtliche Einkünfte aus Kapitalvermögen in vollem Umfang mit einer pauschalen Abgeltungssteuer von 25% belegt. Diese wird direkt an der Quelle (hier: von der Bank) eingezogen, so dass eine Erklärung der Kapitaleinkünfte gegenüber dem Finanzamt künftig entfällt.


 


Während Zinseinkünfte durch die neue Pauschalsteuer eine Besserstellung erfahren, da der persönliche Grenzsteuersatz in der Regel über 25 % liegt, ergibt sich für Aktienbesitzer in jedem Fall eine Mehrbelastung. Künftig haben sie 25 % Pauschalsteuer auf alle Erträge aus Aktien zu entrichten, während sie ihre Dividenden und Spekulationsgewinne bislang dem hälftigen persönlichen (Grenz-)Steuersatz unterziehen –  also maximal 21 % bei Erreichen des Spitzensteuersatzes (ohne „Reichensteuer“), in der Regel aber weniger.


 


Zwar wird es ein Wahlrecht geben, statt der Pauschalsteuer eine Veranlagung zum persönlichen Steuersatz zu beantragen („Günstigkeitsprüfung“), diese Option ist jedoch nur für Geringverdiener interessant, denn bereits bei einem zu versteuernden Jahreseinkommen von rd. 15 Tsd. Euro wird ein Grenzsteuersatz von 25 % erreicht!


 


Wegfall der Spekulationsfrist

 


Am heftigsten trifft es die langfristig ausgerichteten Investoren. Können sie bislang Spekulationsgewinne aus Aktien nach einer Haltedauer von einem Jahr steuerfrei vereinnahmen, so wird diese Frist nun ersatzlos gestrichen. Soll heißen: Aktien, die nach dem 1.1.2009 angeschafft werden, unterliegen unabhängig von der Haltedauer der Abgeltungssteuer. Gleiches gilt für Anleihen, Zertifikate und Fondsanteile.


 


Lediglich vor Altgeschäften hat die fiskalische Gier in gewissem Umfang Halt gemacht. Aktien, die noch bis Ende 2008 erworben werden, unterliegen auch dann der alten Gesetzesregelung, wenn sie erst 2009 verkauft werden. Erfolgt die Veräußerung innerhalb eines Jahres, gilt das Halbeinkünfteverfahren, danach die vollständige Steuerfreiheit der Veräußerungsgewinne. Indes unterliegen ab 2009 zufließende Dividenden auch dann der neuen Abgeltungssteuer, wenn die Papiere noch in 2008 oder davor erworben wurden.


 


Gestaltungsmöglichkeiten

 


In der verbleibenden Zeit vor dem Stichtag sollte sich daher der Blick des Anlegers vermehrt auch auf Aktien richten, die sehr langfristig eine gedeihliche Entwicklung versprechen. Es werden demnach Unternehmen in den Fokus rücken, deren Geschäftsmodell sich bereits bewährt hat, also idealerweise Marktführer mit langem Track-Record und ebenso positiven Zukunftsperspektiven. Wir werden uns diesem Thema in 2008 speziell widmen und eine Serie über „Aktien für die Ewigkeit“ auflegen.


 


Noch ein Blick auf andere aktienbasierte Finanzprodukte: Etwaigen Gestaltungsmodellen bei Zertifikaten, die dem Anleger durch variable Indizes oder wechselnde Basiswerte eine möglichst lange Haltedauer von Altbeständen ermöglichen wollen, hat der Gesetzgeber bereits einen Riegel vorgeschoben. Für Gewinne aus Zertifikaten, die nach dem 31.3.2007 erworben wurden, gilt nach dem 30.6.2009 die Abgeltungssteuer, selbst wenn diese Zertifikate über ein Jahr gehalten werden.


 


Einzig bei vor dem 1.1.2009 erworbenen Fonds tut sich (noch) eine kleine Lücke auf. Zwar unterliegt auch hier die Ausschüttung von laufenden Erträgen bzw. Zwischengewinnen ab 2009 der Abgeltungssteuer, die Steigerung des Fondswertes (durch Portfolioumschichtungen) bleibt jedoch bei solchen Altbeständen auch nach dem Stichtag steuerfrei. Ob der Gesetzgeber aber beispielsweise Dachfondskonstruktionen auf Dauer unbesteuert lässt, die gezielt darauf ausgestaltet werden,  dem Anleger durch regelmäßige Umschichtung eine quasi beliebig lange Haltedauer bei wechselnden Anlageschwerpunkten zu ermöglichen, bleibt abzuwarten.


 


Werbungskosten und Verlustverrechnung eingeschränkt

 


Auch der Werbungskostenabzug blieb vom Reformeifer nicht verschont. Ab 2009 sind tatsächlich anfallende Werbungskosten, wie etwa Zinsaufwendungen, Depotgebühren oder Kosten für EDV und Fachliteratur, nicht mehr ansatzfähig. Statt dessen darf lediglich ein Werbungskosten-Pauschbetrag von 801 Euro (bei Zusammenveranlagung 1602 Euro) in Abzug gebracht werden. Dieser Ausschluss gilt selbst für diejenigen Steuerpflichtigen, die für die persönliche Veranlagung ihrer Kapitaleinkünfte optieren. Lediglich bei Altfällen, in denen der Anleger noch vor 2009 erworbene Aktien nach dem Halbeinkünfteverfahren versteuert, darf er auch individuelle Werbungskosten (hälftig) abziehen.


 


Ebenfalls deutlich beschnitten werden die Möglichkeiten der Verlustverrechnung. Sind negative Kapitaleinkünfte derzeit noch mit anderen, positiven Einkunftsarten verrechenbar und auf alte Veranlagungszeiträume rücktragbar, so entfallen diese Möglichkeiten künftig. Ab 2009 entstandene Verluste aus Kapitalvermögen dürfen lediglich mit Gewinnen dieser Einkunftsart verrechnet werden. Noch rigider werden Spekulationsverluste abgeschottet, die nur mit künftigen und nicht mehr mit vergangenen Spekulationsgewinnen verrechnet werden dürfen. Selbst die bereits aufgelaufenen Altverluste dürfen nur noch bis 2013 mit Spekulationsgewinnen saldiert werden, danach verfallen sie.


 


Verfassungsrechtlich ganz dicht?

 


In Anbetracht der gravierenden steuersystematischen Eingriffe sowie der geballten Schlechterstellung von Aktien- und Fondsbesitzern wird die Verfassungskonformität der neuen Rechtsnormen in der Literatur bereits kontrovers diskutiert. Insbesondere die eingeschränkten Verlustverrechnungsmöglichkeiten stoßen mit Blick auf die entfallende Spekulationsfrist und somit bedingungslose Besteuerung von Aktien und Fondsanteilen auf heftige Kritik. Wieder aufkommen wird in diesem Zusammenhang sicherlich auch der steuersystematische Zankapfel, ob eine passive Vermögensmehrung, die noch dazu aus bereits mit Unternehmenssteuern belastetem Einkommen gebildet wird, überhaupt noch mal versteuert werden darf – zumal nach Ablauf einer gewissen Haltefrist. Bei Immobilien ist dies schließlich auch weiterhin nicht der Fall.


 


Wir werden Sie jedenfalls zeitnah informieren, sofern sich höchstinstanzliche Verfahren mit der neuen Besteuerung von Kapitalerträgen befassen, denn damit würden sich auch Rechtsmittel für den Privatanleger eröffnen (Ruhen des Verfahrens, Aussetzung des Vollzugs). Bis dahin bleibt dem gesetzestreuen Anleger leider keine andere Möglichkeit, als die bittere Pille der Abgeltungssteuer zunächst einmal zu schlucken.


 


Für die Inhalte ist die Redaktion des Performaxx-Anlegerbriefs verantwortlich. Der Performaxx-Anlegerbrief zählt mit einer Musterdepotperformance von über 756 % seit 1.1.2001 zu Deutschlands erfolgreichsten Börsenbriefen.


 


Weitere Informationen finden Sie unter


www.performaxx-anlegerbrief.de/neuanmeldung.php


 


 



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