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Zwischen Stagflation und steigenden Zinsen: Aktien im Sturm




21.04.22 15:47
Euroswitch

Frankfurt am Main (www.aktiencheck.de) - Die Zinswende schien bis Mitte Februar unabwendbar. Dann begann der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine und die Karten wurden neu gemischt, so die Experten von Euroswitch.

Thomas Böckelmann, leitender Portfoliomanager der Vermögensverwaltung Euroswitch, stelle fest: "Die ersten Kriegstage konnten den zu diesem Zeitpunkt vorherrschenden Abwärtstrend bei Aktien nicht signifikant verstärken, vielmehr setzte eine Gegenbewegung ein und viele Werte notieren heute über dem Niveau von vor dem Krieg." Und dennoch sei Vorsicht geboten, da der faktische Ausfall wichtiger Güter wie Getreide und Neon aus der Kriegsregion sowie die durch die Sanktionspolitik betroffenen Güter wie Nickel, Gas oder Öl nicht nur verknappend und damit stark inflationär, sondern über den Wertschöpfungsfaktor gleichzeitig extrem bremsend auf die Weltwirtschaft wirken würden.

"Der Wohlstandsverlust ist daher nicht nur auf den aktuell reduzierten Handel begrenzt - er beträgt ein Vielfaches und wird sanktionierte wie sanktionierende Wirtschaftsregionen treffen", so der Experte. Und weiter: "So moralisch richtig und erforderlich die Sanktionen sind, so steigt doch die Gefahr, die Weltwirtschaft über die Klippe in die Rezession zu stürzen. Die Gefahr wird noch verstärkt durch aktuell prozyklisch agierende Notenbanken, die sich mit Zinsanhebungen der Inflation entgegenstemmen müssen." Ruhe bewahren, auf Qualität und globale Trends zu setzen, sei der Schlüssel für den Anlageerfolg.

Das Paradox, dass sich Aktien jüngst erholt hätten, scheine nach dem Finanzexperten dann weniger irrational, wenn infolge des Krieges und seiner negativen weltwirtschaftlichen Folgen die Zinserhöhungsschritte weit weniger dramatisch und nachhaltig ausfallen würden als zunächst gedacht. Die Entwicklung der sogenannten Zinsstrukturkurven an den Anleihenmärkten unterstreiche diese Deutung. "Insofern scheinen zwar die Zutaten für einen perfekten Sturm gegeben - allerdings besteht offensichtlich die Hoffnung an den Aktienmärkten, dass die Notenbanken die Zinsschraube nicht überdrehen werden", so Böckelmann. Auch dürfe analog der Finanzkrise und der Pandemie die globale Fiskalpolitik mit Paketen und Stützungsmaßnahmen aktiv werden, um eine Rezession zu vermeiden.

Reine indexnahe Marktinvestments würden im aktuellen, von Ungewissheiten geprägten Umfeld wenig sinnvoll erscheinen. Vielmehr gelte es die Unternehmen und Geschäftsmodelle zu identifizieren, die weiterhin von globalen Trends profitieren würden. Viele dieser Trends seien laut Böckelmann nicht nur intakt, sie würden teilweise sogar beschleunigt: Neben dem Transmissionsmechanismus bei der Rohstoff- und Energieversorgung seien vor allem die demographische Entwicklung und der Bedarf an technischen Erneuerungen zu nennen.

"Stockpicking ist also der Schlüssel für den Anlageerfolg bei Aktien. Dabei verlangen aktuell unsichere Szenarien eine klare Ausrichtung der Aktienselektion nach Qualität," sei Böckelmann überzeugt. Entlang der identifizierten Wachstumsthemen könne man die Unternehmen nach IDEA klassifizieren (I-Innovatoren, D-Disruptoren, E-Enablers, A-Adaptors). Der Experte wisse: "Gerade im Bereich der technologischen Disruption finden sich zwar viele Hoffnungsträger, diese sind aber oftmals von Mangel an Qualität gekennzeichnet - zu oft liegt der potenzielle Erfolg zu fern in der Zukunft." Anders sehe es im Bereich der Enabler aus. So gebe es schon heute hochprofitable Marktführer zum Beispiel im Chemiesektor, die die Weiterentwicklung von Zukunftstechnologien erst ermöglichen würden. Daneben stünden weltbekannte Marken unterschiedlichster Branchen, die auch im aktuellen konjunkturellen Umfeld über entsprechende Markt- und Preismacht verfügen würden. "Vieles spricht daher bei der Aktienanlage für ein hochkonzentriertes Portfolio in global erfolgreiche Unternehmen", so Böckelmann abschließend. (21.04.2022/ac/a/m)







 
 
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