Aktien des Tages

Wienerberger Aktie: Wenn die Dachziegel nach oben fliegen

Wien (www.aktiencheck.de) - Wienerberger-Aktienanalyse von der Raiffeisen Bank International AG:

Gregor Koppensteiner, Analyst der Raiffeisen Bank International AG (RBI), rät in einer aktuellen Aktienanalyse die Aktie der Wienerberger AG (ISIN: AT0000831706, WKN: 852894, Ticker-Symbol: WIB, Wiener Börse-Symbol: WIE) unverändert zu kaufen.

Positionierung für Infrastrukturpläne unter Trump II: Mit der Wiederwahl von Donald Trump und der erwarteten Umsetzung seiner Infrastrukturpläne ab Januar 2025 könnten auch europäische Baustoffe von einer starken Nachfrageentwicklung in den USA profitieren. Trumps "Project 2025" sehe umfangreiche Investitionen in die Sanierung und den Ausbau der "traditionellen" Infrastruktur wie Straßen, Brücken und Schienen vor. Wienerberger könnte von diesen Projekten profitieren, indem es Materialien wie Vormauerziegel und Fassadensysteme für den Bau und vor allem die Renovierung dieser Strukturen liefere. Wienerberger erwirtschaftete bereits heute rund 18% seines Umsatzes in Nordamerika und erwarte, dass die Region in Zukunft ein (noch) wichtigerer Wachstumsmarkt werde. Das Nordamerikageschäft zähle längst zu den margenstärksten EBIT-Segmenten von Wienerberger. Im Dezember 2018 habe man einen Ziegelproduzenten in Pennsylvania übernommen, und im Februar 2024 sei die Akquisition eines Herstellers von Fassadensystemen in Ohio erfolgt, die insbesondere im Renovierungsbereich zum Einsatz kämen. Diese Akquisitionen erweiterten das Produktportfolio von Wienerberger und ermöglichten den Zugang zu wichtigen urbanen Märkten, insbesondere an der Ostküste.

Im Gegensatz zur starken Position im europäischen Markt für Rohrsysteme sei Wienerberger in den USA in diesem Segment nicht aktiv. Der Fokus liege hier primär auf Ziegelprodukten und Fassadenlösungen. Durch die Umsetzung einer "Local-for-Local"-Strategie werde sichergestellt, dass Produktion und Vertrieb regional ausgerichtet seien. Neben der Ankündigung Trumps, Genehmigungsverfahren für Bauprojekte zu beschleunigen, hoffe man insbesondere auf die Fortführung des Programms "Build America, Buy America", das für Bundesprojekte bestimmte Materialien aus heimischer Produktion vorschreibe. Für den nordamerikanischen Markt werde derzeit ein Umsatzwachstum von 6% in den nächsten zwei Jahren erwartet. Koppensteiner gehe davon aus, dass sich dieses Wachstum in naher Zukunft sogar erhöhen werde.

Verschuldungssituation und Aktienrückkauf: Die Baustoffindustrie sei durch diverse Umschichtungen im Kapitaleinsatz weniger auf Kredite angewiesen als in der Vergangenheit und sei im Vergleich zu anderen Sektoren weniger von der Zinsentwicklung abhängig. Bei Wienerberger habe sich die Interest Coverage Ratio, die das Verhältnis von EBIT zu Zinsaufwand messe, zuletzt wieder leicht stabilisiert. Lag Wienerberger Ende 2022 und davor noch solide im oft zweistelligen Bereich, sei der Wert mittlerweile auf 3x gesunken, Koppensteiner erwarte aber, dass man in Zukunft wieder höher liegen werde. Damit liege man aber immer noch nahe am Branchenmedian.

Neben einer scheinbaren Dividendenerhöhung gönne man sich auf dieser Basis ein Aktienrückkaufprogramm im Volumen von EUR 30,1 Mio.: Zwischen Ende Dezember und Anfang Februar seien 1.125.000 Aktien - rund 1% des Grundkapitals - zu einem Durchschnittskurs von rund EUR 27 erworben worden. Koppensteiner halte es auch für durchaus möglich, dass es - wie derzeit im Baustoffsektor im Trend - zu weiteren strategischen Fusionen und Übernahmen (vor allem im Bereich Nachhaltigkeit und Dekarbonisierung) kommen werde, wie der Track Record der Deals von Wienerberger deutlich zeige. Im Vorjahr seien insgesamt sechs Transaktionen abgeschlossen worden, so viele wie seit 2022 nicht mehr.

Ausblick: Im dritten Quartal des Vorjahres habe Wienerberger sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn einen Rückgang verzeichnet. Zudem sei die Ergebnisprognose zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit gesenkt worden. Das operative EBITDA werde nun auf EUR 750 Mio. bis EUR 770 Mio. geschätzt (bisher: EUR 800 Mio. bis EUR 820 Mio.). Auslöser für die Korrektur sei vor allem die schwächer als erwartete Dynamik im US-Neubaumarkt, wo das Management eine Kombination aus ungünstigen Witterungsbedingungen, den US-Wahlen und hohen Zinsen als treibende Faktoren nenne.

Aktuell werde im Analystenkonsens ein operatives EBITDA von knapp EUR 750 Mio. als realistisch angesehen, was durchaus (kleinen) Spielraum für eine positive Überraschung lassen könnte. Die Veröffentlichung der Jahresergebnisse sei für den 26. Februar vorgesehen.

Kosteneinsparungen: Die Kosteneinsparungen sollten, wie bereits im Bericht zum dritten Quartal kommuniziert worden sei, zum Geschäftsjahr 2024 rund EUR 100 Mio. erreichen, wovon EUR 16 Mio. noch im vierten Quartal realisiert werden sollten. Kritisch für Wienerberger seien derzeit vor allem die zuletzt gestiegenen Preise für Energie und Rohstoffe wie Aluminium, Erdgas und Zement.

Insgesamt höhere Ziegelpreise könnten dazu führen, dass Bauunternehmen auf alternative Materialien wie Holz oder Beton ausweichen würden. Der derzeit zu beobachtende Preisverfall bei Kunststoffen (Polyethylen, Polypropylen) könnte den Absatz von Stahl- oder Kupferrohren zusätzlich belasten.

Bewertung: Die Wienerberger-Aktie habe das vergangene Jahr aufgrund von Ergebnisrückgängen und zwei Gewinnwarnungen mit einem Minus von 12% beendet und habe damit zu den Underperformern im heimischen ATX gezählt. Seit Jahresbeginn scheine sich die Stimmung jedoch zu drehen, die Erholungsbewegung sei nach wie vor in vollem Gange. Seit Mitte Jänner sei die Marktkapitalisierung um fast ein Drittel gestiegen. Erste Anzeichen einer nachfrageseitigen Bodenbildung mehrten sich, die Auftragslage erhalte erste Impulse.

Aus bewertungstechnischer Sicht habe der Aufwärtstrend der Wienerberger-Aktie jedoch zu keiner "Überhitzung" geführt: Angesichts der zwischenzeitlichen Talfahrten der vergangenen Jahre sei immer noch ein Abschlag zur eigenen Historie von 8% zu beobachten. Im Vergleich zum österreichischen Gesamtmarkt und zur Branche notiere der Baustoffkonzern derzeit "fair". Gegenüber der spezifischeren Peer Group sei jedoch nach wie vor ein gewisser Bewertungsabschlag festzustellen, der nur zum Teil durch unterdurchschnittliche Gewinnmargen erklärt werden könne.

Diversifizierte Baustoffunternehmen könnten im Jahr 2025 einen Rentabilitätsschub erfahren, der durch ihr Engagement auf dem US-Markt, Kostensenkungsmaßnahmen und eine mögliche Erholung der Nachfrage bedingt sei. Das veränderte Sentiment von pessimistisch zu optimistisch sei zuletzt auch Wienerberger zugutegekommen, man werde von den mittel- bis langfristigen Chancen partizipieren können. Dies sei auf der Ertragsseite natürlich gegeben, falls sich die Kosteneinsparungen im aktuellen und kommenden Jahr in Ergebnissteigerungen ummünzen ließen. Das schwächere Jahr 2024 müsse abgehakt werden.

Koppensteiner gehe davon aus, dass die Aktie kurzfristig vermutlich weiter in einer gewissen Bandbreite schwanken werde. Koppensteiner sei jedoch auch der Ansicht, dass das erhebliche Ertragspotenzial selbst bei Prognosen unterhalb der mittelfristigen Guidance die klare strategische Ausrichtung und die umsichtige Kapitalallokation (kleine bis mittelgroße Übernahmen, Aktienrückkäufe, Verkäufe von nicht betriebsnotwendigen Immobilien) derzeit (noch) nicht adäquat im Aktienkurs diskontiert werde.

Gregor Koppensteiner, Analyst der Raiffeisen Bank International AG, bestätigt daher seine "Kauf"-Empfehlung bei einem moderat höheren Kursziel von EUR 36,00. Das Kursziel ergebe sich neben einem Discounted-Cashflow-Modell aus einem relativen Bewertungsansatz, der auf Basis von Multiples auch einen im historischen Kontext angemessenen Aufschlag gegenüber dem breiten Aktienmarkt und einer engeren Peergroup berücksichtige. (Analyse vom 19.02.2025)

Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU für das genannte Analysten-Haus:

Offenlegungen

3. RBI oder eine mit ihr verbundene juristische Person ist Market Maker oder Specialist oder Designated Sponsor oder Stabilisierungsmanager oder sonstiger Liquiditätsspender in den Finanzinstrumenten des Emittenten.

Offenlegung von Umständen und Interessen, die die Objektivität der RBI gefährden könnten: www.raiffeisenresearch.com/disclosuresobjectivity (19.02.2025/ac/a/a)

Archivbeitrag vom 19.02.2025. Angaben und Einschätzungen beziehen sich auf den damaligen Stand.

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