Aktien des Tages

Volkswagen: Die Zahlen für 2023 grundsätzlich in Ordnung - Reicht das für höhere Kurse? Aktienanalyse

Kulmbach (www.aktiencheck.de) - Volkswagen-Aktienanalyse von "Der Aktionär":

Jochen Kauper vom Anlegermagazin "Der Aktionär" nimmt die Vorzugsaktie der Volkswagen AG (VW) (ISIN: DE0007664039, WKN: 766403, Ticker-Symbol: VOW3, NASDAQ OTC-Symbol: VLKPF) in einer aktuellen Aktienanalyse unter die Lupe.

Volkswagen habe seine endgültigen Zahlen für 2023 vorgelegt. Damit habe der Konzern im Rahmen der Erwartungen gelegen. Schwach habe sich das Geschäft im wichtigsten Automarkt der Welt China entwickelt.

Der Umsatz des VW-Konzerns sei um 15,5 Prozent auf 322,3 Milliarden Euro geklettert. Das operative Ergebnis sei hingegen unter anderem wegen Kosten für die Rohstoffabsicherung nur um gut zwei Prozent auf 22,6 Milliarden Euro gestiegen. Der Konzern habe auch bereits einen Vorschlag für eine auf 9,06 Euro je Vorzugsaktie erhöhte Dividende gemacht.

Die von Bloomberg befragten Analysten hätten im Vorfeld im Schnitt mit einem Umsatzplus von rund 13 Prozent auf 315,7 Milliarden Euro gerechnet. Das operative Ergebnis sei bei 21,8 Milliarden Euro erwartet worden, bei einer Marge von rund sieben Prozent.

Mit den Zahlen für 2023 habe VW demnach im Rahmen der Erwartungen gelegen. Der Ausblick jedoch sei weniger optimistisch ausgefallen. Und auch das Geschäft in China mache Schwierigkeiten.

Die Gruppe mit den Kernmarken VW, Skoda, Seat und VW Nutzfahrzeuge (VWN) habe ihre Umsatzrendite von 3,6 Prozent auf 5,3 Prozent gesteigert, was vor allem dem Umsatzanstieg zu verdanken sei, habe es geheißen. Das Geschäft mit den Massenmarken sei nicht so profitabel, wie es Konzernchef Oliver Blume gern hätte, daher laufe in dem Bereich ein milliardenschweres Sparprogramm mit Stellenabbau. Bei der Markengruppe um Audi hingegen hätte sich hingegen 2023 nur ohne Kosten für die Rohstoffabsicherung eine bessere Marge ergeben. Die Softwaresparte Cariad habe ihren operativen Verlust auf 2,4 Milliarden Euro vergrößert. Die Finanzdienstleistungen hätten schwächer abgeschnitten als in den Rekordjahren zuvor.

"Mit Cariad muss man eingestehen, dass Software nicht die Domäne der Autobauer. Von daher macht es Sinn, das Software Thema den Tech-Giants zu überlassen. Ein VW-eigenes OS ist ein zu großer Anspruch", sage Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer gegenüber dem "Aktionär".

Konzernchef Oliver Blume habe den Konzern und die Anleger auf ein Übergangsjahr eingestellt. "Die Aufräumarbeiten sind abgeschlossen", habe er laut Mitteilung gesagt. Die wesentlichen Weichen für den Umbau des Konzerns seien gestellt. "Darauf können wir 2024 aufbauen und haben eine solide Basis für einen beschleunigten Hochlauf ab 2025."

Der Konzern sehe in diesem Jahr einen hohen Bedarf für Investitionsausgaben. Die Wolfsburger möchten 13,5 bis 14,5 Prozent des Umsatzes in Entwicklung, Produkte und Anlagen stecken. Konzernchef Oliver Blume kalkuliere für 2024 mit einem Zuwachs bei den Erlösen um bis zu 5 Prozent wachsen. Die operative Umsatzrendite - also der Anteil der Erlöse, der als Gewinn im Tagesgeschäft übrig bleibt - solle mit 7,0 bis 7,5 Prozent nach Möglichkeit über dem Vorjahreswert von 7,0 Prozent liegen.

Bereits vor den Zahlen habe Jefferies-Analyst Philippe Houchois sein Kursziel auf 150 Euro festgelegt. Die Wolfsburger blieben eine Turnaround-Story mit geringem Mittelabfluss, habe Houchois in einer Studie geschrieben.

Weitaus optimistischer habe sich Deutsche Bank-Analyst Tim Rokossa geäußert. Die Wolfsburger seien zu optimistischen Erwartungen zum Opfer gefallen, habe Rokossa in einem Nachklapp zu den Zahlen geschrieben. Die Anlagestory bleibe aber intakt. Sein Kursziel laute 180 Euro.

Die größte Baustelle für VW sei und bleibe China. Das operative Ergebnis in China sei von 3,28 Milliarden Euro auf 2,62 Milliarden Euro zurückgegangen.

VW komme mit seinen ID-Modellen bei den Konsumenten nicht an. Die Stromer seien nett, aber zu brav, das Infotainment am Kunden vorbei entwickelt. Ganz anders die chinesischen Newcomer wie BYD (ISIN CNE100000296/ WKN A0M4W9), Li Auto (ISIN US50202M1027/ WKN A2P93Z), Nio (ISIN US62914V1061/ WKN A2N4PB), XPeng (ISIN US98422D1054/ WKN A2QBX7) und zuletzt Xiaomi mit seinem SU7. Sie würden mit stylischen Produkten, Software vom feinsten und Infotainments begeistern, das auf den Kunden zugeschnitten sei. Das Problem solle durch einen Deal mit XPeng gelöst werden. "Der Aktionär" sehe diesen Lösungsansatz skeptisch.

Problem sei und bleibe die Doppelfunktion von Oliver Blume. "Nach meiner Einschätzung war es ein Fehler von Blume an der Doppelfunktion Porsche CEO und VW CEO festzuhalten. Es könnte durchaus sein, dass der Druck größer wird, die beiden Funktionen zu trennen. Blume braucht 100% seiner Zeit für den Konzern, für Cariad, für die Marken VW, Audi, aber auch Cupra und Skoda", sage Dudenhöffer.

Die Zahlen für 2023 seien grundsätzlich in Ordnung gewesen. Das reiche allerdings nicht, um der Aktie große Kursfantasie einzuräumen. Der Ausblick zeige die Schwierigkeiten auf, mit welchen VW derzeit zu kämpfen habe. Die Software-Sparte Cariad mache nach wie vor hohe Verluste.

In China verliere der Konzern immer mehr Marktanteile. Die ID-Modelle seien nett, aber zu wenig innovativ. Ein Game-Changer in nicht in Sicht.

Darüber hinaus werde der Billigstromer ID.2 erst 2026 kommen, während Tesla (ISIN US88160R1014/ WKN A1CX3T), Stellantis (ISIN NL00150001Q9/ WKN A2QL01) und mittlerweile auch Renault (ISIN FR0000131906/ WKN 893113) das Marktsegment längst besetzt hätten.

Auf der anderen Seite sei die Erwartungshaltung gegenüber dem VW-Konzern nach wie vor sehr niedrig. Anleger würden sich um China und die Batteriesparte PowerCo. sorgen. Das lasse Raum für positive Überraschungen in der Zukunft.

Wer investiert ist, kann die Position halten, so Jochen Kauper von "Der Aktionär" zur Volkswagen-Vorzugsaktie. (Analyse vom 13.03.2024)

Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU unter folgendem Link.

Börsenplätze VW-Vorzugsaktie:

Tradegate-Aktienkurs VW-Vorzugsaktie:
120,48 EUR -0,46% (13.03.2024, 09:06)

XETRA-Aktienkurs VW-Vorzugsaktie:
120,88 EUR +3,12% (12.03.2024, 17:42)

ISIN VW-Vorzugsaktie:
DE0007664039

WKN VW-Vorzugsaktie:
766403

Ticker-Symbol VW-Vorzugsaktie:
VOW3

NASDAQ OTC-Symbol VW-Vorzugsaktie:
VLKPF

Kurzprofil Volkswagen AG:

Die Volkswagen Group (ISIN: DE0007664039, WKN: 766403, Ticker-Symbol: VOW3, NASDAQ OTC-Symbol: VLKPF) ist einer der weltweit führenden Automobilhersteller mit Hauptsitz in Wolfsburg, Deutschland. Sie ist global tätig und verfügt über 114 Produktionsstätten in 19 europäischen Ländern und zehn Ländern in Nord- und Südamerika, Asien und Afrika. Der Konzern beschäftigt rund 684.000 Mitarbeiter. Die Fahrzeuge der Gruppe werden in über 150 Ländern verkauft.

Mit einem konkurrenzlosen Portfolio starker globaler Marken, führenden Technologien im industriellen Maßstab, innovativen Ideen zur Erschließung künftiger Profit Pools und einem unternehmerisch denkenden Führungsteam setzt sich der Volkswagen Konzern dafür ein, die Zukunft der Mobilität durch Investitionen in elektrische und autonom fahrende Fahrzeuge, Digitalisierung und Nachhaltigkeit zu gestalten.

Zehn Marken aus fünf europäischen Ländern gehören zum Konzern: Volkswagen, Volkswagen Nutzfahrzeuge, ŠKODA, SEAT, CUPRA, Audi, Lamborghini, Bentley, Porsche und Ducati. Darüber hinaus bietet der Volkswagen Konzern ein breites Spektrum an weiteren Marken und Geschäftsbereichen an. Darunter auch Finanzdienstleistungen, wozu die Händler- und Kundenfinanzierung, das Leasing, das Bank- und Versicherungsgeschäft sowie das Flottenmanagement zählen. (13.03.2024/ac/a/d)

Archivbeitrag vom 13.03.2024. Angaben und Einschätzungen beziehen sich auf den damaligen Stand.

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