Aktien des Tages

Volkswagen Aktie: Arbeit in allen deutschen Werken befristet niedergelegt

Kulmbach (www.aktiencheck.de) - Volkswagen-Aktienanalyse von "Der Aktionär":

Jochen Kauper vom Anlegermagazin "Der Aktionär" nimmt die Vorzugsaktie der Volkswagen AG (VW) (ISIN: DE0007664039, WKN: 766403, Ticker-Symbol: VOW3, NASDAQ OTC-Symbol: VLKPF) in einer aktuellen Aktienanalyse unter die Lupe.

Von Vorsicht sei am Montag die Haltung am Markt zur VW-Aktie geprägt. Zum Wochenstart werde in allen deutschen VW-Werken die Arbeit befristet niedergelegt. Die Vorzugsaktie des Autobauers gerate deshalb weiter unter Druck und nähere sich der psychologisch wichtigen Markt von 80,00 Euro.

Analyst Philippe Houchois von der US-Investmentbank Jefferies habe etwaige Belastungen aus einem Stellenabbau und einer Umstrukturierung bei Volkswagen auf 2,5 bis 4 Milliarden Euro geschätzt. Die entsprechenden Mittelabflüsse dürften in den kommenden beiden Jahren stattfinden, so der Experte in einer Studie. Nach einem Treffen mit dem Management der Wolfsburger habe er den Eindruck, dass es keinen "Plan B" gebe als Alternative zu den Forderungen der Konzernführung.

VW stehe stellvertretend für die Probleme in der Autoindustrie und die schwache Nachfrage nach Elektroautos. Fast 30 Prozent Minus hätten die Aktionäre seit Jahresbeginn eingefahren. Der Börsenwert sei auf ein Niveau abgekippt, das zuletzt auf dem Höhepunkt des "Dieselgate"-Abgasskandals im Jahr 2015 erreicht worden sei.

Das dritte Quartal sei von Restrukturierungslasten geprägt gewesen. Der Konzerngewinn nach Steuern sei um 64 Prozent auf 1,58 Milliarden Euro abgesackt. Der Umsatz sei um ein halbes Prozent auf 78,5 Milliarden Euro gefallen. Die Marke VW sei im dritten Quartal nur noch auf eine mickrige EBIT-Marge von 1,8 Prozent gekommen. Bei der Kernmarke VW-PKW seien es 3,2 Prozent gewesen.

VW-Konzernchef Oliver Blume sehe keine Alternative zu harten Sparmaßnahmen bei Volkswagen. "Das Ziel für Kosten- und Kapazitätsanpassung steht", habe er der Bild am Sonntag gesagt.

VW sei in der Heimat zu teuer. "Unser Arbeitskostenniveau ist beispielsweise hier oftmals mehr als doppelt so hoch wie der Durchschnitt unserer europäischen Standorte", habe Blume betont.

Was das Thema Effizienz betreffe, produziere etwa der chinesische Elektroautobauer BYD rund 20 bis 30 Prozent günstiger als VW. Und auch Toyota sei effektiver: VW fertige mit 680.000 Mitarbeitern knapp 9 Millionen Autos im Jahr, während man bei Toyota mit 370.000 Mitarbeitern über 11 Millionen Autos baue.

Zugegeben, Volkswagen habe große Probleme, die nicht von der Hand zu weisen seien. VW sei mit seinen ID. Modellen nicht konkurrenzfähig. Die Softwaresparte Cariad könne nicht die gewünschten Ergebnisse liefern, das Infotainment liege weit von den Bedürfnissen der Kunden weg. Die Autos seien allerhöchstens Standard.

Hinzu komme, dass Volkswagen derzeit keine günstigen Elektroautos für den Massenmarkt liefern könne. Elektroautos Made by VW unter 25.000 Euro würden erst Ende 2025 auf den Markt kommen. 2027 solle die Preisgrenze von 20.000 Euro unterschritten werden.

Das Einstiegsmodell, der ID.3, beginne knapp über 30.000 Euro. Mit ein paar Extras liege man schnell bei 36.000 Euro plus X. Der ID.3 GTX beginne bei schlappen 50.000 Euro. Ein E-autos für so genannte "Early Adopter" oder die Late Majority" seien anders gepreist.

"Volkswagen schiebt den schwachen Absatz der eigenen Elektroautos eher dem Kunden in die Schuhe, nicht aber der mangelnden Attraktivität der eigenen Elektroautos", habe Zukunftsforscher Mario Herger gesagt.

Im wichtigsten Automarkt der Welt China seien die Stromer von VW Ladenhüter. Die Wolfsburger würden mehr und mehr an Boden gegenüber BYD, Nio und Xiaomi verlieren. Die üppigen Gewinne der Vergangenheit, die in China gemacht worden seien und damit die Probleme und die mickrige Marge der VW-Kernmarke kaschiert hätten, seien passé. Die Wolfsburger würden 2024 in China nur noch rund 1,5 Milliarden Euro verdienen. Das wäre der Stand von 2010.

Die erste Welle der Disruption hätten die Wolfsburger bereits verschlafen. Nun würden sie im neuen E-Mobility-Zeitalter First Mover Tesla und BYD hinterherhecheln. Die zweite Welle der Disruption sei bereits angelaufen. In San Francisco und Los Angeles würden Waymos selbst fahrende Stromer jede Woche rund 1,6 Millionen Kilometer herunterspulen. Hier habe VW derzeit wenig entgegenzusetzen.

Schaffe der Volkswagen-Konzern die Wende? Würden es die Wolfsburger schaffen, sich neu zu erfinden oder werde der Automobil-Hersteller in Zukunft nur noch zum "Blechbieger" für die großen Tech-Konzerne? Noch habe VW die Chance, noch sei es möglich, mithilfe von Rivian und Xpeng die Probleme in der Software-Sparte und den Rückstand bei selbst fahrenden Autos wettzumachen.

Aktuell ist die Aktie allerdings noch kein Kauf, so Jochen Kauper von "Der Aktionär". (Analyse vom 02.12.2024)

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Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Volkswagen Vz. (02.12.2024/ac/a/d)

Archivbeitrag vom 02.12.2024. Angaben und Einschätzungen beziehen sich auf den damaligen Stand.

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