Wien (www.aktiencheck.de) - Vestas-Aktienanalyse der Raiffeisen Bank International AG:
Julian Lindinger, Analyst der Raiffeisen Bank International AG (RBI), stuft die Aktie von Vestas Wind Systems A/S (ISIN: DK0061539921, WKN: A3CMNS, Ticker-Symbol: VWSB, NASDAQ Kopenhagen-Symbol: VWS, NASDAQ OTC-Symbol: VWSYF) weiterhin mit dem Rating HALTEN ein.
Q1: Der dänische Windkraftanlagenhersteller und Weltmarktführer Vestas habe im ersten Quartal 2026 einen Umsatzanstieg von rund 14% auf EUR 3,97 Mrd. verzeichnet, was über dem Konsens von EUR 3,84 Mrd. gelegen habe. Das Betriebsergebnis (EBIT) sei im Vorjahresvergleich von EUR 20 Mio. auf EUR 92 Mio. angewachsen. Die Erwartungen von rund EUR 88 Mio. hätten somit ebenfalls übertroffen werden können.
Das Geschäft mit Onshore-Windturbinen laufe bei Vestas weiterhin rund: Die Projektausführung werde immer effizienter und die Orderbücher würden dicker. Zugleich entwickle sich das lang defizitäre Offshore-Geschäft in die richtige Richtung. Das Umsatzplus im Q1 werde wesentlich vom Hochlauf der Offshore-Produktion getragen. CFO Wegge Larsen habe betont, dass vor einem Jahr noch keine der neuen Offshore-Turbinen errichtet gewesen sei, während jetzt auf deutlich höherem Niveau produziert und installiert werde. Die Offshore-Auftragseingänge würden sich im Vergleich zum Vorjahr um 82% auf 2,8 GW erhöht haben und damit sogar über denen der Onshore-Turbinen (1,7 GW) liegen. Konkret erwarte das Unternehmen, dass das Offshore-Segment ab 2027 ein positives EBIT liefern solle. Ganz überwunden seien die Belastungen im Offshore-Segment allerdings noch nicht: Der Kapazitätshochlauf binde weiterhin erhebliche Mittel, und die Gewährleistungsrisiken würden strukturell höher als an Land sein. Dennoch halte Lindinger die Investitionen für richtig. Offshore-Turbinen würden zwar teurer in Produktion und Wartung sein, aber deutlich effizienter in der Energiegewinnung. Mit steigenden Auslieferungsvolumina und zunehmenden Skaleneffekten dürfte sich das Segment weiter vom Margenrisiko zum Ergebnistreiber entwickeln.
Die EBIT-Marge vor Sondereffekten habe sich von 0,4% auf 3,2% verbessert und markiere damit die beste Q1-Marge seit 2018, wobei sich die Profitabilität sowohl Onshore als auch Offshore erhöht habe. Der durchschnittliche Verkaufspreis neuer Aufträge habe mit EUR 1,16 Mio. je MW über den Vorquartalen gelegen. Das Preisumfeld bleibe somit stabil und stütze die Profitabilität. Da Aufträge erst mit ein bis drei Jahren Verzug in den Umsatz laufen würden, arbeite Vestas den margenschwachen Alt-Backlog sukzessive ab und ersetze ihn durch besser bepreiste Projekte.
Der Krieg im Nahen Osten habe für Windturbinenhersteller zwei gegenläufige Auswirkungen. Einerseits verdeutliche er die geopolitischen Risiken fossiler Energieträger wie Öl und insbesondere Gas. Die zuletzt gestiegenen Gaspreise würden die relative Wettbewerbsfähigkeit der Windkraft verbessern, während Versorgungssicherheit für Politik und Unternehmen zunehmend an Bedeutung gewinne. Dies dürfte die Nachfrage nach Windenergieanlagen zusätzlich stärken. Andererseits könne der durch höhere Energiepreise ausgelöste Inflationsdruck zu steigenden Zinsen führen. Höhere Finanzierungskosten könnten Windparkentwickler dazu veranlassen, Projekte zu verschieben oder Vertragskonditionen neu zu verhandeln. Für Vestas komme ein weiteres Risiko hinzu: Viele Aufträge würden zu Festpreisen abgewickelt. Würden zwischen Auftragseingang und Auslieferung die Projektkosten steigen, etwa infolge höherer Material-, Transport- oder Finanzierungskosten, könne dies die Profitabilität belasten. Ein ähnliches Muster sei bereits während der Energiekrise 2022 infolge des Ukraine-Kriegs zu beobachten gewesen. Damals würden die negativen Effekte überwogen haben, sodass Vestas trotz einer hohen Nachfrage operative Verluste verzeichnet habe.
Volle Orderbücher: Nachfrageseitig sollte das Unternehmen in naher Zukunft keine Probleme bekommen. Der Auftragsbestand der Windräder habe sich um 10,3% auf einen neuen Rekordstand von EUR 36,3 Mrd. erhöht, getrieben von starken Offshore-Bestellungen aus Großbritannien (u. a. 1,38 GW von RWE für Vanguard West) und solidem Onshore-Momentum in allen Regionen. Bei der höhermargigen Servicesparte habe der Auftragsbestand im Vergleich zum Vorjahr um 7,9% auf EUR 39,8 Mrd. ausgebaut werden können.
US-Zölle: Die USA würden ein wichtiger Abnehmer von Vestas Windturbinen sein. Im Jahr 2025 würden 24% des Gesamtumsatzes aus den USA gestammt haben. Vestas produziere einen Großteil der in den USA aufgestellten Turbinen im Inland und beziehe auch den Stahl dafür mehrheitlich aus US-Werken. Das Unternehmen sei daher von den 50%-Zöllen auf Stahl weniger stark betroffen. Allerdings würden die Stahlpreise unter anderem durch die Zölle deutlich gestiegen sein, weshalb Vestas somit auch beim heimischen US-Stahl tiefer in die Taschen greifen müsse. Zudem gebe es bezüglich einer Section-232-Untersuchung zu Windkomponenten noch wesentliche Unsicherheiten. Diese Untersuchung könnte zu Zöllen speziell auf importierte Windturbinen-Komponenten führen, was Vestas' Importe, unabhängig vom Stahl, direkt treffen würde. Lindinger rechne noch in diesem Jahr mit einer Entscheidung.
Auf der Nachfrageseite brauche sich der dänische Windturbinenhersteller keine Sorgen zu machen. Die Auftragsbücher würden prall gefüllt sein und auch in Zukunft sollte die Nachfrage nach Windkraft hoch bleiben. Zuletzt würden im Zuge des US/Iran-Krieges auch die Unsicherheiten über Öl und Gas die sauberere und vor allem von der Geopolitik unabhängigere Energie in Europa wieder attraktiver gemacht haben. Bei Vestas stelle sich somit nur die Frage, inwieweit das Unternehmen mit dem Aufbau der bestellten Turbinen nachkomme und ob das Unternehmen die hohe Nachfrage in höhere Profitabilität ummünzen könne. Im Q1 hätten bereits neue Offshore-Anlagen ausgeliefert und die Marge deutlich verbessert werden können. Möglicherweise steigende Finanzierungskosten könnten jedoch noch zur Herausforderung werden. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor würden die US-Zölle auf Stahl und die potenziellen Zölle auf Windturbinenkomponenten bleiben. Mittelfristig sei Vestas aber besser abgesichert als viele Wettbewerber – ein Großteil der US-Produktion erfolge lokal und das Geschäft sei regional breit diversifiziert, sodass eine Schwäche in den USA durch Europa teilweise kompensiert werden könne.
Innerhalb eines Jahres hätten die Papiere von Vestas um gute 55% zulegen können. Die Bewertungslücke im Vergleich zur Peergroup habe sich dementsprechend geschlossen und Lindinger sehe die Aktie mittlerweile als fair bepreist an.
Julian Lindinger, Analyst der Raiffeisen Bank International AG, bleibt daher bei seiner HALTEN-Empfehlung für die Vestas Aktie, erhöht das Kursziel jedoch leicht von DKK 180,00 auf DKK 190,00. Dieses basiere auf einem Multiple-Bewertungsmodell, das Vestas auf Basis diverser Preis- sowie EV-Multiples mit der Peergroup vergleiche. Die Zahlen würden auf Konsensschätzungen basieren. (Analyse vom 22.07.2026)
Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU für das genannte Analysten-Haus:
Offenlegung von Umständen und Interessen, die die Objektivität der RBI gefährden könnten: www.raiffeisenresearch.com/disclosuresobjectivity (22.07.2026/ac/a/a)
Julian Lindinger, Analyst der Raiffeisen Bank International AG (RBI), stuft die Aktie von Vestas Wind Systems A/S (ISIN: DK0061539921, WKN: A3CMNS, Ticker-Symbol: VWSB, NASDAQ Kopenhagen-Symbol: VWS, NASDAQ OTC-Symbol: VWSYF) weiterhin mit dem Rating HALTEN ein.
Q1: Der dänische Windkraftanlagenhersteller und Weltmarktführer Vestas habe im ersten Quartal 2026 einen Umsatzanstieg von rund 14% auf EUR 3,97 Mrd. verzeichnet, was über dem Konsens von EUR 3,84 Mrd. gelegen habe. Das Betriebsergebnis (EBIT) sei im Vorjahresvergleich von EUR 20 Mio. auf EUR 92 Mio. angewachsen. Die Erwartungen von rund EUR 88 Mio. hätten somit ebenfalls übertroffen werden können.
Das Geschäft mit Onshore-Windturbinen laufe bei Vestas weiterhin rund: Die Projektausführung werde immer effizienter und die Orderbücher würden dicker. Zugleich entwickle sich das lang defizitäre Offshore-Geschäft in die richtige Richtung. Das Umsatzplus im Q1 werde wesentlich vom Hochlauf der Offshore-Produktion getragen. CFO Wegge Larsen habe betont, dass vor einem Jahr noch keine der neuen Offshore-Turbinen errichtet gewesen sei, während jetzt auf deutlich höherem Niveau produziert und installiert werde. Die Offshore-Auftragseingänge würden sich im Vergleich zum Vorjahr um 82% auf 2,8 GW erhöht haben und damit sogar über denen der Onshore-Turbinen (1,7 GW) liegen. Konkret erwarte das Unternehmen, dass das Offshore-Segment ab 2027 ein positives EBIT liefern solle. Ganz überwunden seien die Belastungen im Offshore-Segment allerdings noch nicht: Der Kapazitätshochlauf binde weiterhin erhebliche Mittel, und die Gewährleistungsrisiken würden strukturell höher als an Land sein. Dennoch halte Lindinger die Investitionen für richtig. Offshore-Turbinen würden zwar teurer in Produktion und Wartung sein, aber deutlich effizienter in der Energiegewinnung. Mit steigenden Auslieferungsvolumina und zunehmenden Skaleneffekten dürfte sich das Segment weiter vom Margenrisiko zum Ergebnistreiber entwickeln.
Die EBIT-Marge vor Sondereffekten habe sich von 0,4% auf 3,2% verbessert und markiere damit die beste Q1-Marge seit 2018, wobei sich die Profitabilität sowohl Onshore als auch Offshore erhöht habe. Der durchschnittliche Verkaufspreis neuer Aufträge habe mit EUR 1,16 Mio. je MW über den Vorquartalen gelegen. Das Preisumfeld bleibe somit stabil und stütze die Profitabilität. Da Aufträge erst mit ein bis drei Jahren Verzug in den Umsatz laufen würden, arbeite Vestas den margenschwachen Alt-Backlog sukzessive ab und ersetze ihn durch besser bepreiste Projekte.
Der Krieg im Nahen Osten habe für Windturbinenhersteller zwei gegenläufige Auswirkungen. Einerseits verdeutliche er die geopolitischen Risiken fossiler Energieträger wie Öl und insbesondere Gas. Die zuletzt gestiegenen Gaspreise würden die relative Wettbewerbsfähigkeit der Windkraft verbessern, während Versorgungssicherheit für Politik und Unternehmen zunehmend an Bedeutung gewinne. Dies dürfte die Nachfrage nach Windenergieanlagen zusätzlich stärken. Andererseits könne der durch höhere Energiepreise ausgelöste Inflationsdruck zu steigenden Zinsen führen. Höhere Finanzierungskosten könnten Windparkentwickler dazu veranlassen, Projekte zu verschieben oder Vertragskonditionen neu zu verhandeln. Für Vestas komme ein weiteres Risiko hinzu: Viele Aufträge würden zu Festpreisen abgewickelt. Würden zwischen Auftragseingang und Auslieferung die Projektkosten steigen, etwa infolge höherer Material-, Transport- oder Finanzierungskosten, könne dies die Profitabilität belasten. Ein ähnliches Muster sei bereits während der Energiekrise 2022 infolge des Ukraine-Kriegs zu beobachten gewesen. Damals würden die negativen Effekte überwogen haben, sodass Vestas trotz einer hohen Nachfrage operative Verluste verzeichnet habe.
Volle Orderbücher: Nachfrageseitig sollte das Unternehmen in naher Zukunft keine Probleme bekommen. Der Auftragsbestand der Windräder habe sich um 10,3% auf einen neuen Rekordstand von EUR 36,3 Mrd. erhöht, getrieben von starken Offshore-Bestellungen aus Großbritannien (u. a. 1,38 GW von RWE für Vanguard West) und solidem Onshore-Momentum in allen Regionen. Bei der höhermargigen Servicesparte habe der Auftragsbestand im Vergleich zum Vorjahr um 7,9% auf EUR 39,8 Mrd. ausgebaut werden können.
US-Zölle: Die USA würden ein wichtiger Abnehmer von Vestas Windturbinen sein. Im Jahr 2025 würden 24% des Gesamtumsatzes aus den USA gestammt haben. Vestas produziere einen Großteil der in den USA aufgestellten Turbinen im Inland und beziehe auch den Stahl dafür mehrheitlich aus US-Werken. Das Unternehmen sei daher von den 50%-Zöllen auf Stahl weniger stark betroffen. Allerdings würden die Stahlpreise unter anderem durch die Zölle deutlich gestiegen sein, weshalb Vestas somit auch beim heimischen US-Stahl tiefer in die Taschen greifen müsse. Zudem gebe es bezüglich einer Section-232-Untersuchung zu Windkomponenten noch wesentliche Unsicherheiten. Diese Untersuchung könnte zu Zöllen speziell auf importierte Windturbinen-Komponenten führen, was Vestas' Importe, unabhängig vom Stahl, direkt treffen würde. Lindinger rechne noch in diesem Jahr mit einer Entscheidung.
Auf der Nachfrageseite brauche sich der dänische Windturbinenhersteller keine Sorgen zu machen. Die Auftragsbücher würden prall gefüllt sein und auch in Zukunft sollte die Nachfrage nach Windkraft hoch bleiben. Zuletzt würden im Zuge des US/Iran-Krieges auch die Unsicherheiten über Öl und Gas die sauberere und vor allem von der Geopolitik unabhängigere Energie in Europa wieder attraktiver gemacht haben. Bei Vestas stelle sich somit nur die Frage, inwieweit das Unternehmen mit dem Aufbau der bestellten Turbinen nachkomme und ob das Unternehmen die hohe Nachfrage in höhere Profitabilität ummünzen könne. Im Q1 hätten bereits neue Offshore-Anlagen ausgeliefert und die Marge deutlich verbessert werden können. Möglicherweise steigende Finanzierungskosten könnten jedoch noch zur Herausforderung werden. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor würden die US-Zölle auf Stahl und die potenziellen Zölle auf Windturbinenkomponenten bleiben. Mittelfristig sei Vestas aber besser abgesichert als viele Wettbewerber – ein Großteil der US-Produktion erfolge lokal und das Geschäft sei regional breit diversifiziert, sodass eine Schwäche in den USA durch Europa teilweise kompensiert werden könne.
Innerhalb eines Jahres hätten die Papiere von Vestas um gute 55% zulegen können. Die Bewertungslücke im Vergleich zur Peergroup habe sich dementsprechend geschlossen und Lindinger sehe die Aktie mittlerweile als fair bepreist an.
Julian Lindinger, Analyst der Raiffeisen Bank International AG, bleibt daher bei seiner HALTEN-Empfehlung für die Vestas Aktie, erhöht das Kursziel jedoch leicht von DKK 180,00 auf DKK 190,00. Dieses basiere auf einem Multiple-Bewertungsmodell, das Vestas auf Basis diverser Preis- sowie EV-Multiples mit der Peergroup vergleiche. Die Zahlen würden auf Konsensschätzungen basieren. (Analyse vom 22.07.2026)
Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU für das genannte Analysten-Haus:
Offenlegung von Umständen und Interessen, die die Objektivität der RBI gefährden könnten: www.raiffeisenresearch.com/disclosuresobjectivity (22.07.2026/ac/a/a)
Archivbeitrag vom 22.07.2026. Angaben und Einschätzungen beziehen sich auf den damaligen Stand.